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Leopard-2-Macher vor dem Börsengang: Polittischer Streit sorgt für Turbulenzen
Der Rüstungskonzern KNDS will an die Börse. Doch ein Streit zwischen Berlin und Paris und Zweifel an einem Großprojekt bringen die Bewertung ins Rutschen.
- Bewertung eingebrochen und Familien zögern beim Verkauf
- Bund plant 40 Prozent Beteiligung und Vetoansprüche
- Enger Zeitplan und schwächelnde Märkte belasten IPO
- Report: SpaceX-Hype zu teuer – Diese 5 Aktien bieten bessere Chancen
Nicht nur in den USA ist in den vergangenen Wochen das IPO-Fieber ausgebrochen, das mit dem erfolgreichen IPO von SpaceX am Freitag seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht hat. Auch in Deutschland steht in den kommenden Wochen der Börsengang des deutsch-französischen Rüstungskonzerns KNDS auf dem Programm.
Doch nun gibt es Grund ist ein Machtkampf zwischen dem Unternehmen und der deutschen Bundesregierung, der die erwartete Marktbewertung bereits spürbar gedrückt hat.
Die Bundesregierung hat angekündigt, 40 Prozent des deutsch-französischen Rüstungskonzerns übernehmen zu wollen, der vor rund zehn Jahren aus der Fusion von Krauss-Maffei Wegmann und dem französischen Hersteller Nexter entstanden ist.
KNDS produziert unter anderem den Kampfpanzer Leopard 2, den Schützenpanzer Puma und den Boxer. Das Unternehmen erzielte zuletzt einen Umsatz von 4,4 Milliarden Euro, der Auftragsbestand kletterte auf gut 33 Milliarden Euro.
Das Problem: Die Marktlage hat sich dramatisch verändert. Anfang des Jahres hatten die beauftragten Investmentbanken KNDS noch mit 20 bis 25 Milliarden Euro bewertet. Heute sind es Schätzungen aus Regierungs- und Branchenkreisen zufolge knapp unter 15 Milliarden.
Rheinmetall hat seit Jahresbeginn rund ein Fünftel seines Börsenwerts verloren, der tschechische Rüstungskonzern CSG sogar mehr als die Hälfte. Für die Eigentümerfamilien Bode und Braunbehrens, die komplett aussteigen wollen, bedeutet das: mehrere Milliarden weniger Erlös als erhofft .Jetzt spielen die Familien Medienberichten zufolge mit dem Gedanken, ihre Anteile vorerst doch nicht an den Bund zu verkaufen.
Hinzu kommt ein Streit über Kontrolle. KNDS-Verwaltungsratschef Tom Enders, der das Unternehmen einmal ähnlich unabhängig führen wollte wie Airbus, lehnt weitreichende staatliche Eingriffsmöglichkeiten ab. Im Gespräch sind Vetorechte des Bundes bei Personalentscheidungen, Investitionen und möglichen Übernahmen.
In Industriekreisen ist die Kritik deutlich: Eine solch starke politische Einbindung mache KNDS für private Investoren weniger attraktiv – Anteile seien dann nur mit Abschlag zu verkaufen. Die Bundesregierung widerspricht und sieht das schwierige Marktumfeld als alleinige Ursache.
Zeitlich wird es nun eng. Die formelle Ankündigung des Börsengangs, das sogenannte Intention to Float, ist in den kommenden Tagen geplant. Frankreich, das bereits 50 Prozent an KNDS hält, drängt auf Tempo – Paris braucht die Einnahmen aus dem IPO dringend für den eigenen Haushalt. Eine Verschiebung in den Herbst, wie Berlin vorgeschlagen hat, lehnten die Eigentümerfamilien ab.
Für Anleger bleibt KNDS trotz allem interessant: starke Auftragslage, relevante Produkte in einem geopolitisch aufgewerteten Segment, geplante Doppelnotierung in Frankfurt und Paris. Doch die Marktlage ist nicht mehr so bullish wie noch in den vergangene 2 bis 3 Jahren. Ein Rheinmetall-Moment könnte also ausbleiben..
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
