Geht die Korrektur zu weit?

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    Dramatisches Mispricing: Diese Aktie dürfte SO billig nicht sein!

    Die Aktie des Spezialsoftware-Entwicklers Adobe ist auf den tiefsten Stand seit mehr als 8 Jahren gefallen. Mit Blick auf die Bewertung geht das zu weit!

    Für Sie zusammengefasst
    Geht die Korrektur zu weit? - Dramatisches Mispricing: Diese Aktie dürfte SO billig nicht sein!

    Software-Aktien weiter von Verlusten betroffen ...

    Die Clouddienstleistungs- und Software-Branche kämpft mit der Furcht vor der Disruption ihrer Geschäftsmodelle durch KI. Gleichzeitig hat der Anstieg der Anleiherenditen (in Zusammenhang mit den Auswirkungen des Iran-Krieges) dafür gesorgt, dass künftige Cashflows stärker abgezinst werden müssen, wodurch es zu einer branchenweiten Neubewertung gekommen ist.

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    Anlegerinnen und Anleger von Unternehmen wie Microsoft, SAP und ServiceNow haben das in den vergangenen Wochen und Monaten in ihren Depots deutlich zu spüren bekommen.


     

    ... doch so hart wie Adobe hat es fast niemanden sonst getroffen!

    Eine der vom Ausverkauf innerhalb der Branche am stärksten betroffenen Aktien ist jedoch die des Spezialsoftware-Entwicklers Adobe. Die Kursverluste begannen ihr nicht erst vor wenigen Monaten, sondern halten schon seit geraumer Zeit an, da Investoren ein geringeres Wachstum und angesichts der aufstrebenden Konkurrenz durch Figma und Canva einen Bedeutungsverlust befürchten.

    Gegenüber ihren auf dem Höhepunkt der Corona-Pandemie markierten Rekordnotierungen bei rund 700 US-Dollar hat die Adobe-Aktie inzwischen über 70 Prozent an Wert verloren. Allein in diesem Jahr büßte das Papier knapp 42 Prozent an Wert ein – und dass, obwohl sich die Befürchtungen bislang nicht erfüllt haben, sondern im Gegenteil sogar eine Wachstumsbeschleunigung eingesetzt hat.

    Die Geschäfts- und Kursentwicklung bei Adobe passen nicht zusammen, womit sich aus fundamentaler Perspektive durch die Kompression der Bewertungskennzahlen eine äußerst attraktive Unternehmensbewertung ergeben hat. Die spricht jetzt für eine Einstiegschance für langfristig orientierte Anlegerinnen und Anleger.

    Entgegen den Befürchtungen wächst Adobe weiter

    Nach den am Donnerstagabend vorgelegten Zahlen kletterten die Erlöse im abgelaufenen Quartal um 12,8 Prozent auf 6,62 Milliarden US-Dollar, womit die Erwartungen um 170 Millionen US-Dollar übertroffen werden konnten. Auch der bereinigte Gewinn pro Aktie übertraf mit 5,96 US-Dollar die Schätzungen von 5,81 US-Dollar. Das bedeutete das dynamischste Wachstum seit fast 4 Jahren.

    Auch beim Ausblick erlaubte sich Adobe keine Schnitzer. Das Management stellte für das Gesamtjahr Erlöse in Höhe von 26,55 Milliarden US-Dollar in Aussicht sowie einen bereinigten Gewinn in Höhe von 23,40 US-Dollar je Aktie – beide Werte lagen damit über den Marktprognosen.

    Aktie nach starken Zahlen auf niedrigsten Stand seit 2018 gerutscht

    Trotz dieser guten Zahlen und Analystenlobs gab die Aktie am Freitag um fast 7 Prozent nach, wodurch sie auf den tiefsten Stand seit mehr als 8 Jahren fiel. Die Ankündigung, dass Finanzchef Dan Durn das Unternehmen verlassen würde, sorgte unter Investoren für Missfallen.

    Durch die Divergenz zwischen Kurs- und Geschäftsentwicklung ist Adobe inzwischen einer der günstigsten Wachstumswerte überhaupt – günstiger sogar als viele gegenwärtig hochgehandelten Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerte.

    Unternehmenskennzahlen jetzt im einstelligen Bereich

    Für das laufende Geschäftsjahr ist Adobe auf Basis der unternehmenseigenen Gewinnschätzung mit einem KGVe von 8,7 bewertet. Das liegt um fast 70 Prozent unter dem 5-Jahres-Mittel von 27,5 sowie um zwei Drittel unter dem Branchendurchschnitt. Das Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis beträgt 0,61. Damit liegen die Abschläge hier in einer ähnlichen Größenordnung wie beim KGV.

    Da Adobe über ein Geschäftsmodell mit geringen Kapitalkosten verfügt, erwirtschaftet das Unternehmen schon seit jeher hohe Mittelzuflüsse. Das für 2026 erwartete Kurs-Cashflow-Verhältnis beträgt 7,7 und entspricht damit einer Cashflow-Rendite von knapp 13 Prozent. Allein in den vergangenen 12 Monaten hat der Konzern freie Mittelzuflüsse von rund 9 Milliarden US-Dollar erzielt, die vollständig für Aktienrückkäufe ausgegeben wurden. Das Unternehmen kann durch die hohen Cashflows in Zukunft noch mehr Aktien zurückkaufen, wodurch die Bewertung noch attraktiver wird.

    Diese Eigenschaft wird zwar beispielsweise auch PayPal, das inzwischen mit einer optisch nicht minder attraktiven Bewertung gehandelt wird, zugeschrieben, im Unterschied zu PayPal wächst Adobe aber weiterhin mit hohen Tempo. Während PayPal also eine sogenannte Value-Trap ist, bietet Adobe viel Wachstum zu einem äußerst geringen Preis. Eine noch nicht vom Management ausgeschöpfte Option, neue Käuferinnen und Käufer anzuziehen, ist die Einführung einer Dividende, was die Aktie auch für die Aufnahme in entsprechende ETFs qualifizieren würde.

    Der Chart lässt weitere Verluste befürchten ...

    Mit Blick auf den Chart der Aktie ist die fundamentale Seite gegenwärtig zugegeben das einzige Argument für den Kauf von Adobe. Der bereits erwähnte niedrigste Stand seit mehr als 8 Jahren bedeutet ein Mehrjahrestief und diese gelten in der technischen Analyse als Verkaufssignale.

    Im Abwärtstrend auch der vergangenen 12 Monaten gab es zuletzt nur wenige Verbesserungen. Der zwischenzeitliche Erholungstrend führte mit dem Anstieg über die 50-Tage-Linie zwar zu einem ersten prozyklischen Kaufsignal, dieses konnte jedoch nicht genutzt werden. Der große Abstand zur 200-Tage-Linie verdeutlicht außerdem, wie weit entfernt eine nachhaltige Trendwende gegenwärtig ist.

    Die jüngsten Verluste trüben das zuletzt ohnehin nur wenig verbesserte Chartbild noch einmal deutlich ein. Nicht nur wurde der zaghafte Aufwärtstrendkanal verlassen, wodurch eine Bärenflagge entstanden ist, die Aktie hat auch ihre Aufwärtstrends in den technischen Indikatoren aufgegeben, weshalb die Chancen auf eine Trendwende erheblich gesunken sind.

    Da sowohl der Relative-Stärke-Index als auch der Trendstärkeindikator MACD die technische Schwäche der Aktie bestätigen, ohne dass der Trend bereits deutlich überverkauft wäre, dürfte sich das Mehrjahrestief als Verkaufssignal in den kommenden Tagen und Wochen durchsetzen.

    Fazit: ... aber die Aktie ist schlicht zu günstig, um sie zu ignorieren

    Investoren befürchten mit Blick auf die Geschäftsentwicklung von Adobe zu Unrecht eine Disruption des Wachstums durch Künstliche Intelligenz. Entgegen den Erwartungen hat sich das Wachstum hier zuletzt sogar beschleunigt, wodurch eine deutliche Diskrepanz zwischen Kurs- und Geschäftsentwicklung entstanden ist. Die hat Gewinn- und Cashflow-Rendite jetzt in den zweistelligen Prozentbereich gedrückt, wodurch Adobe eines der am günstigsten bewerteten Wachstumsunternehmen der Wall Street geworden ist.

    Anlegerinnen und Anleger mit einem langen Atem und einer hohen Frustrationstoleranz können hier im Vertrauen auf die attraktive Unternehmensbewertung zugreifen und mit dem Aufbau einer Position beginnen. Charttechnisch lässt die Aktie zwar weitere Verluste befürchten, das aber macht sie vor allem für Sparpläne oder den Kauf in mehreren Tranchen attraktiv.

    Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

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    Verfasst vonRedakteurMax Gross
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