Nach Airbus jetzt Rheinmetall

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    Nach Kampfjet-Aus jetzt Kampfpanzer-Aus? Rheinmetall-Chef mahnt

    Erst das gemeinsame Kampfjet-Aus, jetzt wackelt wohl auch der deutsch-französische Zukunftspanzer MGCS. Rheinmetall-Chef Armin Papperger warnt vor drastischen Kürzungen durch Frankreich und stellt das Projekt Frage.

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    Nach Airbus jetzt Rheinmetall - Nach Kampfjet-Aus jetzt Kampfpanzer-Aus? Rheinmetall-Chef mahnt

    Die deutsch-französische Verteidigungskooperation steht vor dem nächsten Belastungstest. Nach dem Aus für das gemeinsame Kampfflugzeugprojekt FCAS rückt nun auch das zweite große Rüstungsprojekt zwischen Berlin und Paris in den Fokus: das Main Ground Combat System, kurz MGCS.

    Das Vorhaben soll langfristig den deutschen Leopard 2 und den französischen Leclerc ersetzen. Geplant ist nicht nur ein neuer Kampfpanzer, sondern ein vernetztes bodengebundenes Kampfsystem der nächsten Generation. Doch ausgerechnet dieses Prestigeprojekt könnte ins Wanken geraten.

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    Rheinmetall-Chef sieht Frankreich wohl auf dem Rückzug

    Armin Papperger schließt nicht aus, dass Frankreich aus dem Projekt aussteigt. Gegenüber der Welt am Sonntag sagte der Rheinmetall-Chef: "Eine Gefahr ist immer da, aber es ist noch nichts entschieden."

    Für die europäische Rüstungskooperation wäre das der nächste schwere Rückschlag. FCAS sollte den Luftkampf der Zukunft sichern, MGCS die Landstreitkräfte modernisieren. Beide Programme wurden praktisch zeitgleich 2017 gestartet. Damals als politisches Signal von Emmanuel Macron und Angela Merkel, dass Deutschland und Frankreich bei zentralen Verteidigungsfragen enger zusammenrücken wollen. Heute wirkt dieses Versprechen brüchiger denn je.

    Frankreich denkt offenbar über massive Kürzungen nach

    Nach Informationen Pappergers plant Frankreich bereits, das Budget für MGCS drastisch zu kürzen. Im Gespräch sei ein Volumen "von weniger als die Hälfte" der bisherigen Planungen. Eine finale Entscheidung gebe es aber noch nicht. Papperger sagte dazu gegenüber der Welt am Sonntag: "Wir haben null Entscheidungen über das finale Budget."

    Für das ohnehin verzögerte Projekt wäre eine solche Kürzung ein massiver Einschnitt. Weniger Geld würde nicht nur weniger technische Leistungsanteile bedeuten, sondern wohl auch weitere Verzögerungen. Papperger bringt das Problem auf den Punkt: "Wenn man weniger Geld zur Verfügung hat, wird man nicht schneller, und wir sind jetzt schon sehr langsam."

    Tatsächlich läuft das Programm seit rund 10 Jahren. Trotzdem haben die beteiligten Unternehmen nach Pappergers Angaben bisher erst 25 Millionen Euro erhalten. Für ein europäisches Zukunftsprojekt dieser Größenordnung ist das auffallend wenig.

    Beteiligt sind neben Rheinmetall auch der deutsch-französische Panzerbauer KNDS sowie der französische Rüstungskonzern Thales. Gerade deshalb hätte ein Scheitern Signalwirkung über Rheinmetall hinaus. Es ginge nicht nur um ein einzelnes Programm, sondern um die Frage, ob Europa bei komplexen Rüstungsprojekten überhaupt noch zusammenarbeiten kann.

    MGCS soll Leopard 2 und Leclerc ersetzen

    Das Main Ground Combat System soll die nächste Generation schwerer Landkampfsysteme bilden. Im Mittelpunkt steht die gemeinsame Entwicklung eines Zukunftspanzers als Nachfolger des deutschen Leopard 2 und des französischen Leclerc.

    Doch die Zeitachse ist lang. Während erste Exemplare eines deutschen Leopard 3 bereits Anfang der 2030er-Jahre in Dienst gestellt werden könnten, wird die Einsatzbereitschaft von MGCS erst in den 2040er-Jahren erwartet.

    Für Papperger ist das ein Problem. Mit Blick auf diesen langen Zeitraum sagte er: "Das ist eine Wahnsinnszeit." Für den Rheinmetall-Chef auch ein Fingerzeig auf eine ungewisse Zukunft des Projekts: "Ich kann heute nicht sagen, ob es überhaupt ein MGCS geben wird."

     

     

    Rheinmetall vor einem Problem?

    Der DAX-Konzern gehört seit Beginn der sicherheitspolitischen Zeitenwende zu den großen Gewinnern am deutschen Aktienmarkt. Die Erwartung der Anleger ist klar: höhere Verteidigungsausgaben, volle Auftragsbücher, langfristige Großprogramme. Ein mögliches Aus oder eine deutliche Kürzung von MGCS würde diese Wachstumsstory nicht zerstören, aber einen wichtigen strategischen Baustein infrage stellen.

    Kurzfristig dürfte Rheinmetall weiter von hoher Nachfrage nach Munition, Fahrzeugen, Luftverteidigung und militärischer Ausrüstung profitieren. Langfristig aber wäre ein Scheitern von MGCS ein Rückschlag für die europäische Landrüstung und damit auch für Rheinmetalls Anspruch, ein führender Rüstungs-Champion auf dem Kontinent zu werden.

    Genau hier liegt der Unterschied zu Airbus: Der Luftfahrt- und Rüstungskonzern kann das FCAS-Aus durch neue Konsortialstrukturen zumindest teilweise auffangen. Rheinmetall hätte bei MGCS zwar mit dem Leopard 3 eine Alternative, doch der politische Anspruch eines gemeinsamen europäischen Zukunftspanzers wäre beschädigt.

    Nationale Interessen bremsen Europas Rüstung

    Papperger sieht die Probleme nicht nur in einzelnen Projekten, sondern strukturell. Eine Konsolidierung der europäischen Rüstungsindustrie brauche politische Unterstützung. Doch genau daran fehle es derzeit.

    Der Rheinmetall-Chef sagte der Welt am Sonntag: "Wenn man eine Konsolidierung in Europa machen möchte, müsste das natürlich auch irgendwie politisch mit unterstützt werden. Aber das sehen wir im Augenblick nicht."

    Aus seiner Sicht müssen Zusammenschlüsse stärker von den Unternehmen selbst kommen. Gleichzeitig werde dieser Prozess durch Regierungen erschwert, vor allem wenn Staatsbetriebe beteiligt seien. Papperger ergänzte: „Es wird nur manchmal behindert über Regierungen. Vor allem dann, wenn auch Staatsbetriebe mit dabei sind.“ Seine Erklärung: „Die Regierungen wollen bei Staatsbetrieben ihren Einfluss haben, und natürlich wollen sie die Konsolidierung nicht.“

    KNDS bleibt Partner – aber kein Übernahmeziel

    Zusätzliche Spannung kommt durch KNDS. Der deutsch-französische Panzerbauer ist ein wichtiger Partner von Rheinmetall, zugleich aber Teil der komplizierten Machtarchitektur zwischen Deutschland und Frankreich.

    Den bevorstehenden Börsengang von KNDS verfolgt Rheinmetall zwar mit Interesse, will sich aber nicht beteiligen. Papperger sagte: "Wir beteiligen uns nicht an dem Börsengang. Wir hatten Diskussionen geführt, auch mit KNDS, ob es sinnvoll ist, eine Konsolidierung in Europa zu machen, aber sie blieben ergebnislos. Also sind wir nicht mehr daran interessiert."

    Gleichzeitig bemüht sich Papperger, KNDS nicht als Gegenspieler darzustellen. Für ihn sei KNDS "mehr ein Partner, als ein Konkurrent, weil wir so viele Programme gemeinsam machen". Dazu zählen der Puma-Schützenpanzer, der Boxer-Radpanzer und die nächste Leopard-Generation.

    Neue Projekte schnell angehen

    Papperger sieht einen Vorteil darin, dass es bei Rheinmetall keine Staatsbeteiligung gibt. Der Konzern könne schnell entscheiden. Bei großen Vorhaben wie der geplanten Übernahme des F-126-Fregattenprogramms könne eine Entscheidung binnen einer Stunde fallen, wenn alles gut vorbereitet sei. Seine Erklärung: "Wir können wirklich schnell entscheiden."

    Rheinmetall baut seine Aktivitäten inzwischen deutlich aus. Neben dem klassischen Geschäft mit Munition, Panzern und Fahrzeugen geht es zunehmend auch um Marine, Weltraumaktivitäten, Drohnen und Komponenten für Kampfflugzeuge.

    Auf der Luftfahrtausstellung ILA in Berlin präsentierte der Konzern unter anderem die von Boeing Defence Australia entwickelte Kampfdrohne MQ-28 Ghost Bat. Rheinmetall bewirbt sich damit um einen Jagdbomberdrohnenauftrag der Bundeswehr. Bei ausreichenden Stückzahlen könnte die Drohne in Deutschland produziert werden.

    Zudem kündigte Rheinmetall auf der ILA eine Absichtserklärung zur Produktion einer Schwerlastdrohne in Nordrhein-Westfalen an. Dabei geht es um die Frachtdrohne Victor U250 des Technologieunternehmens ERC System. Sie soll bis zu 250 Kilogramm über 300 Kilometer transportieren können. Papperger verfolgt einen genauen Plan: "Am Ende wollen wir im Idealfall gemeinsam mit ERC und dem Land Nordrhein-Westfalen die Schwerlastdrohne technologisch und industriell skalieren."

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    Mein Tipp: Aktie bleibt angeschlagen

    Erst der Kampfjet, jetzt der Panzer? Nach dem Aus für FCAS droht mit MGCS das nächste deutsch-französische Prestigeprojekt in der Verteidigungspolitik zu kippen. Für Europa wäre das ein weiteres Warnsignal: Gemeinsame Rüstung klingt politisch gut, scheitert aber immer wieder an nationalen Interessen, staatlichem Einfluss und industriellen Rivalitäten.

    Für Airbus ist das FCAS-Aus schmerzhaft, aber der Konzern arbeitet bereits an einer neuen Ausweichroute. Rheinmetall könnte ein Scheitern oder eine drastische Kürzung von MGCS härter treffen. Denn der Zukunftspanzer steht direkt im Zentrum jener Bereiche, in denen Rheinmetall besonders stark ist.

    Der Konzern hat Alternativen: Leopard 3, Drohnen, Marine, Weltraumaktivitäten und neue industrielle Partnerschaften. Doch die große Frage bleibt: Wenn Europa nicht einmal in Zeiten wachsender Bedrohungen seine wichtigsten Rüstungsprojekte gemeinsam stemmen kann, wann dann?

    Unterm Strich könnte ein endgültiges Aus des Projekts die Aktie von Rheinmetall weiter belasten. Nachdem die Aktie bis Mitte 2025 nur eine Richtung kannte, hat die Erfolgsgeschichte des Düsseldorfer Rüstungskonzerns mittlerweile deutliche Risse bekommen. In diesem Jahr liegt das Papier seit Jahresanfang rund 22 Prozent im Minus und ein Aus des deutsch-französischen Rüstungsprojekts würde die Situation nicht gerade verbessern. 

    Anleger sollten die Aktie daher zunächst nur beobachten und nicht auf eine schnelle Erholung hoffen. 

     

    Markus Weingran, Chefredakteur wallstreetONLINE Börsenlounge

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