Neue Kreativität gefragt
SpaceX sprengt die Magnificent 7: Kommt jetzt MANGOS oder Nvidias AMIGOS?
SpaceX ist an der Börse mit einer Bewertung von mehr als 2 Billionen $ gelandet. Damit überholt der Raumfahrtkonzern auf Anhieb Tesla und Meta. An der Wall Street beginnt die Suche nach dem nächsten großen Tech-Kürzel.
- SpaceX mit Börsenbewertung über zwei Billionen
- Debatte um neues Kürzel statt Magnificent Seven
- SpaceX vereint Raumfahrt Satellitenkommunikation und KI
- Report: SpaceX-Hype zu teuer – Diese 5 Aktien bieten bessere Chancen
Die Magnificent Seven waren lange Zeit das Maß aller Dinge. Nvidia, Apple, Amazon, Alphabet, Meta, Tesla und Microsoft galten als die große Machtgruppe der US-Technologiebörse. Doch jetzt ist ein neuer Spieler auf dem Parkett und er passt in keine alte Schublade.
SpaceX stürmte mit dem größten Börsengang der US-Geschichte an die Nasdaq. Die Bewertung kletterte auf mehr als 2 Billionen US-Dollar. Damit ließ der Raumfahrt-, Satelliten- und KI-Konzern von Elon Musk gleich zwei Mitglieder der Magnificent Seven hinter sich: Tesla und Meta. Zudem stehen mit Anthropic und Open AI zwei weitere Konzerne in den Startlöchern, um den Begriff Magnificent Seven endgültig aufs Abstellgleis zu stellen.
Für Anleger ist das mehr als nur eine neue Rangliste. Der Börsengang zeigt, dass die nächste Phase der Tech-Rallye längst nicht mehr nur von den bisherigen Börsenlieblingen dominiert wird. Künstliche Intelligenz, Chips, Cloud, Satelliteninternet und Weltrauminfrastruktur wachsen zu einem neuen Mega-Thema zusammen.
Genau deshalb stellt sich an der Wall Street eine Frage, die auf den ersten Blick nach Spielerei klingt, doch für Investoren aber wichtig ist: Passt der Name Magnificent Seven überhaupt noch?
Warum die Bezeichnung wackelt
Die Magnificent Seven sind keine offizielle Indexkategorie. Sie sind ein Marktnarrativ. Solche Begriffe helfen Investoren, komplexe Entwicklungen schnell einzuordnen. In den 1960er- und 1970er-Jahren waren es die Nifty 50. Während des Dotcom-Booms sprachen Anleger von den Four Horsemen. Später kamen FANG, FAANG und schließlich die Magnificent Seven.
Doch diese Namen überleben nur, solange sie die Realität an der Börse gut genug beschreiben. Genau hier beginnt das Problem. SpaceX gehört mit seiner neuen Bewertung sofort zu den wertvollsten börsennotierten Unternehmen der Welt. Gleichzeitig stehen mit OpenAI und Anthropic weitere KI-Schwergewichte vor möglichen Börsengängen. Beide Unternehmen könnten ebenfalls Billionenbewertungen erreichen. Damit wäre die alte Siebenergruppe zu eng gefasst.
Die Börse sucht deshalb nach einem neuen Kürzel. Nicht, weil ein neues Wort allein Kurse bewegt. Sondern weil ein starkes Kürzel bestimmt, welche Aktien Anleger als neue Marktführer wahrnehmen.
Ein Kandidat macht bereits die Runde: MANGOS.
Das Kürzel steht je nach Auslegung für Meta, Anthropic, Nvidia, Google beziehungsweise Alphabet, OpenAI und SpaceX. Manche Marktteilnehmer interpretieren das A auch als Apple. Der Begriff Charme. Er ist kurz, international verständlich und löst sich bewusst von der alten Logik der Magnificent Seven.
Statt nur börsennotierte Megacaps zu bündeln, nimmt MANGOS auch private oder frisch gelistete KI-Giganten in den Blick. Damit passt der Begriff besser zu einer Börsenwelt, in der OpenAI, Anthropic und SpaceX plötzlich genauso wichtig sein können wie Apple, Microsoft oder Meta.
"Magna Atoms"
Dan Boardman-Weston, CEO von BRI Wealth Management, geht einen anderen Weg und schlägt "Magna Atoms" vor – die glorreichen Sieben plus SpaceX, OpenAI und Anthropic.
Bank of America spricht von den "KI Big 10"
In einer Mitteilung vom 22. Mai schrieb das amerikanische Finanzinstitut über die "KI Big 10" und fügte Broadcom, Micron Technology und Advanced Micro Devices zu den ursprünglichen Magnificent 7 hinzu, was die Rallye des Halbleitermarktes im vergangenen Jahr widerspiegelt. Diese Gruppe macht laut LSEG-Daten mehr als 40 Prozent des Gewichts des S&P 500 aus.
Mein Vorschlag: Nvidias AMIGOS
Nvidia liefert die Chips, auf denen der Aufstieg von KI-Modellen, Rechenzentren und neuen Plattformunternehmen basiert. Der Konzern ist der Leitwolf der KI-Rallye. Um Nvidia herum gruppieren sich jene Konzerne, die vom KI-Zeitalter besonders profitieren und größtenteils mit dem Konzern von Jensen Huang verbandelt sind.
Damit lässt sich die Gruppe der neuen Stars an der Börse breiter fassen. Zu den Freunden von Nvidia zählt auch Micron, dass zuletzt in den One-Billion-Dollar-Club aufgestiegen ist, genauso wie Samsung und SK hynix, die ebenfalls in den Club aufgestiegen sind und eine enge Beziehung zum wertvollsten Konzern der Welt haben und bei Nividias schon das s einehmen, während SpaceX für das S in AMIGOS steht.
Schwachpunkt bei dem Wortspiel ist das I. Intel gehört zwar zu den besten Aktien im Nasdaq-Index dieses Jahr, spielt aber "noch" nicht in der gleichen Bewertungsliga wie der Rest von Nvidias AMIGOS.
Die neue Machtachse reicht bis ins All
SpaceX verändert die Debatte, weil der Konzern nicht einfach ein weiterer Techwert ist. Das Unternehmen verbindet Raumfahrt, Satellitenkommunikation, Dateninfrastruktur und durch die Verbindung mit xAI auch künstliche Intelligenz. Damit entsteht ein Geschäftsmodell, das sich kaum noch in klassische Branchen einordnen lässt.
Für Anleger ist das genau der Reiz. SpaceX ist nicht nur eine Wette auf Raketenstarts. Es ist eine Wette auf globale Infrastruktur, militärische Anwendungen, Satelliteninternet, Datenströme und möglicherweise KI-gestützte Dienste.
Damit unterscheidet sich SpaceX deutlich von Tesla. Tesla war lange die Elon-Musk-Aktie schlechthin. Nach dem SpaceX-Börsengang könnte sich diese Wahrnehmung verschieben. Anleger, die Musks Zukunftstechnologie und extreme Wachstumsfantasie kaufen wollen, haben nun eine neue Alternative.
SpaceX zwingt die Börse zum Umdenken und erfordert neue Kreativität
Der SpaceX-Börsengang ist ein Einschnitt. Mit einer Bewertung von mehr als 2 Billionen US-Dollar ist der Konzern nicht nur ein neuer Börsenriese, sondern ein direkter Angriff auf die alte Ordnung der Wall Street.
Die Magnificent Seven bleiben wichtig. Aber sie reichen nicht mehr aus, um die neue Machtstruktur im Techsektor zu erklären. Künstliche Intelligenz, Raumfahrt, Chips und Infrastruktur wachsen zu einem neuen Superthema zusammen.
MANGOS ist der erste Versuch, diese neue Realität in ein Kürzel zu pressen. Weitere Vorschläge dürften folgen. Am Ende geht es nicht nur um Namen, es geht um die Frage, welche Unternehmen die nächste Dekade an der Börse dominieren und das erfordert eine schlagkräftige Bezeichnung. Fantasie ist gefragt, wie lauten ihre Vorschläge? Es geht um den nächsten prägnanten Börsenbegriff.
Markus Weingran, Chefredakteur wallstreetONLINE Börsenlounge
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