Bye, bye Krypto-Winter
Hat die Wall Street Bitcoin für KI geopfert?
1,5 Billionen US-Dollar flossen laut Arthur Hayes in KI statt in Krypto. Jetzt sehen Analysten den Bitcoin-Winter enden – und wetten auf eine neue Rotation.
- Hayes: 1,5 Billionen US-Dollar flossen in KI
- Kendrick sieht Bitcoin-Boden nahe 59.000 US-Dollar
- Bitcoin-ETFs hatten im Juni Abflüsse von 2,1 Mrd
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Nach einem enttäuschenden Jahresauftakt mehren sich die Stimmen, die für Bitcoin in der zweiten Jahreshälfte auf eine Trendwende setzen. Die Kryptowährung notierte zuletzt wieder nahe der Marke von 66.000 US-Dollar, nachdem sie in den vergangenen Monaten unter ETF-Abflüssen, der Rotation in KI-Aktien und makroökonomischem Gegenwind gelitten hatte.
Geoff Kendrick, Leiter der Digital-Assets-Forschung bei Standard Chartered, sieht in diesem Umfeld erste Anzeichen für eine Bodenbildung. Seiner Einschätzung nach könnte Bitcoin bei 59.000 US-Dollar bereits sein Zyklustief erreicht haben. Als mögliche Kurstreiber nennt er eine Entspannung im Nahen Osten sowie eine Abschwächung der Ölpreise und der US-Anleiherenditen, die zuletzt Druck auf Risikoanlagen ausgeübt hatten.
"Der Winter ist vorbei. Willkommen zurück im Krypto-Frühling", erklärte Kendrick. Entscheidend sei nun, dass Bitcoin-ETFs wieder Zuflüsse verzeichnen und Unternehmen wie Strategy ihre Bitcoin-Käufe fortsetzen.
Noch fällt die Bilanz durchwachsen aus: Laut SoSoValue verzeichneten Bitcoin-ETFs im Juni bislang Abflüsse von rund 2,1 Milliarden US-Dollar.
Arthur Hayes, Mitgründer der Kryptobörse BitMEX, sieht einen anderen Grund für die bisher schwache Entwicklung. Seiner Ansicht nach floss die zusätzliche Liquidität der vergangenen Jahre nicht in Bitcoin, sondern in den Ausbau künstlicher Intelligenz. Zwischen 2022 und 2026 seien rund 1,5 Billionen US-Dollar an KI-bezogenen Schulden aufgenommen worden, um Rechenzentren, Chips und Infrastruktur zu finanzieren.
"Wo liegt der Denkfehler in meiner bisherigen These?", fragte Hayes rückblickend und kam zu dem Schluss, dass nicht die Geldmenge entscheidend sei, sondern wohin das Kapital tatsächlich fließe.
Kurzfristig bleibt er deshalb vorsichtig. Angesichts möglicher IPOs von OpenAI und Anthropic könnten Investoren weitere Mittel aus anderen Anlageklassen abziehen. Bitcoin könnte in einem breiten Ausverkauf zunächst unter Druck geraten.
Langfristig sieht Hayes darin jedoch eine Chance. Sollte die KI-Euphorie nachlassen und die hohen Investitionen nicht die erhofften Renditen liefern, könnten Zentralbanken erneut Liquidität bereitstellen. Dieses Kapital könnte dann seinen Weg zurück in den Kryptomarkt finden.
Auch andere Marktbeobachter halten am historischen Vierjahreszyklus von Bitcoin fest und erwarten nach einer möglichen Schwächephase im späteren Jahresverlauf wieder steigende Kurse. Für Anleger bleibt die Frage damit dieselbe wie in früheren Zyklen: Ist die aktuelle Zurückhaltung nur eine Pause – oder die letzte Gelegenheit vor dem nächsten Aufschwung?
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
Bitcoin wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +0,24 % und einem Kurs von 65.874USD auf CryptoCompare Index (15. Juni 2026, 13:02 Uhr) gehandelt.

