Die Gier ist zurück
Halbleiter-Wetten explodieren: Extremwerte wie zur Dotcom-Zeit!
Anleger jagen Rendite mit gehebelten KI- und Halbleiterwetten. Laut Société Générale erreichen mehrere Indikatoren Extremwerte.
- Anleger setzen gehebelte Wetten auf KI und Chips
- Optionenhandel und Volatilität erreichen Rekordwerte
- Kapital konzentriert sich auf wenige KI Werte
- Report: Achtung, Korrektur!
Die KI-Euphorie treibt Anleger offenbar zu immer riskanteren Wetten. Strategen der Société Générale warnen vor Marktextremen, die in einigen Bereichen inzwischen Niveaus erreicht haben, die zuletzt während der Dotcom-Blase um die Jahrtausendwende zu beobachten waren.
Besonders im Halbleiter- und Technologiesektor explodiert die Nachfrage nach Optionen. Dabei wetten Anleger nicht mehr auf den Gesamtmarkt, sondern zunehmend auf einzelne Aktien und Branchentrends. Ein deutliches Signal dafür liefert die Korrelation zwischen globalen zyklischen und defensiven Aktien. Während konjunktursensible Unternehmen wie Industrie- oder Technologiekonzerne normalerweise anders auf wirtschaftliche Entwicklungen reagieren als defensive Branchen wie Gesundheit oder Versorger, haben sich diese Unterschiede inzwischen fast vollständig aufgelöst.
Gleichzeitig steigen die erwarteten Kursschwankungen einzelner Aktien rasant an. Im Russell 2000, einem Index für kleinere US-Unternehmen, liegt die durchschnittlich erwartete Schwankungsbreite inzwischen auf dem höchsten Stand seit Beginn der Datenerhebung im Jahr 2014. Im S&P 500 lag die Volatilität einzelner Aktien Anfang Juni höher als in 95 Prozent aller historischen Vergleichszeiträume. Im Nasdaq 100 erreichte sie sogar den höchsten Stand seit 2011.
Nach Einschätzung der Analysten behandeln Anleger Technologie- und KI-Werte zunehmend weniger wie klassische Langfrist-Investments, sondern vielmehr wie Instrumente für kurzfristige Spekulationen.
Besonders sichtbar wird diese Entwicklung bei Halbleiter-ETFs, also börsengehandelten Fonds, die in Chipunternehmen investieren. Die beiden größten US-Halbleiterfonds SMH und SOXX haben sich im laufenden Jahr im Wert verdoppelt. Parallel dazu explodierte der Optionshandel: Der Nominalwert der gehandelten Kontrakte vervierfachte sich, während sich die gezahlten Optionsprämien verachtfachten. Allein in den letzten drei Handelstagen gaben Anleger jeweils mehr als 500 Millionen US-Dollar für Optionen auf die beiden Fonds aus.
Zugleich liegt die erwartete Gleichläufigkeit der Aktien im S&P 500 inzwischen über den Werten der Dotcom-Ära. Das deutet darauf hin, dass sich immer mehr Kapital auf wenige KI- und Technologiethemen konzentriert.
Paradoxerweise wird die steigende Nervosität nicht durch schlechte Nachrichten ausgelöst, sondern durch außergewöhnlich starke Geschäftszahlen. Das Gewinnwachstum im Technologiesektor ist so hoch wie seit rund 30 Jahren nicht mehr. Gleichzeitig vergrößert sich die Kluft zwischen Gewinnern und Verlierern – und damit auch die Unsicherheit darüber, welche Unternehmen die hohen Erwartungen tatsächlich erfüllen können.
Für Anleger eröffnet dieses Umfeld zwar Chancen, erhöht aber zugleich die Risiken. Solange die Erwartungen an KI weiter steigen, könnten überfüllte Positionierungen den Markt anfälliger für heftige Umschichtungen machen. Je extremer die Euphorie, desto größer wird das Rückschlagpotenzial, falls die hohen Erwartungen am Ende enttäuscht werden.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

