Wichtigste Woche des Sommers
Gibt Kevin Warsh grünes Licht, könnte die Wall Street durchdrehen
Die Wall Street wartet auf den neuen Fed-Chef. Fällt Kevin Warsh dovisher aus als erwartet, könnte die KI-Rallye die nächste Stufe erreichen.
- KI dominiert Anlagen, Kapital fließt in Infrastruktur
- Warsh Pressekonferenz entscheidend für Marktstimmung
- Citrini stuft Inflationsängste als überzogen ein
- Report: SpaceX-Hype zu teuer – Diese 5 Aktien bieten bessere Chancen
Künstliche Intelligenz bleibt das dominierende Anlagethema an der Wall Street – unabhängig davon, ob die Märkte gerade Risiko meiden oder suchen. Nach Einschätzung des Research-Dienstes Citrini findet der KI-Trade derzeit einen Weg, nahezu jeden makroökonomischen Schock zu überstehen.
Fallen Aktien wegen geopolitischer Risiken wie dem Iran-Konflikt, suchen Anleger dennoch gezielt nach Einstiegsmöglichkeiten bei KI-Werten. Steigen die Märkte wieder, fließt ohnehin frisches Kapital in das Thema. Das Ergebnis: Immer mehr Geld landet in denselben Bereichen – von Halbleitern über Rechenzentren bis hin zur Infrastruktur für den Ausbau künstlicher Intelligenz.
Die Experten von Citrini sehen darin noch kein unmittelbares Warnsignal. In einem bullishen Szenario trauen sie dem S&P 500 einen Anstieg von weiteren 10 bis 15 Prozent zu. KI-Aktien könnten sich ihrer Einschätzung nach sogar verdoppeln. Selbst ohne eine Übertreibungsphase halten sie einen Anstieg des Leitindex auf 8.000 Punkte für möglich, was einem Potenzial von 6 Prozent entspricht.
Als Belastungsfaktor gilt derzeit vor allem die Sorge, die US-Notenbank könnte die Zinsen im weiteren Jahresverlauf anheben. Hintergrund sind zuletzt gestiegene Inflationsdaten und ein robuster Arbeitsmarkt. Citrini hält diese Ängste jedoch für überzogen. Die Experten verweisen auf den Rückgang der Ölpreise nach den Fortschritten im Iran-Konflikt sowie auf fehlende Anzeichen für eine Lohn-Preis-Spirale.
Zwar könnten die Inflationsdaten für Juni und Juli wegen verzögerter Effekte höher ausfallen. Citrini spricht in diesem Zusammenhang von einem "Echo-Schock": Die gemessene Inflation erreiche ihren Höhepunkt genau dann, wenn der tatsächliche Preisdruck bereits nachlasse.
Auch der US-Arbeitsmarkt sei weniger angespannt, als es die offiziellen Beschäftigungsdaten vermuten ließen. Kurzfristige Konjunkturdaten sollten daher nicht überinterpretiert werden.
Entscheidend wird nun die erste Pressekonferenz des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh. Citrini erwartet, dass die Notenbank vorerst weder die Zinsen anhebt noch ihre Bilanz reduziert. Sollte Warsh einen zurückhaltenden Ton anschlagen, könnten Risikoanlagen laut mehreren Strategen deutlich zulegen.
Nicht alle Experten teilen jedoch diesen Optimismus. Tim Duy von SGH Macro Advisors hält eine Zinserhöhung im September weiterhin für wahrscheinlich und warnt vor anhaltendem Inflationsdruck im Dienstleistungssektor. Für Anleger bleibt damit die zentrale Frage, ob die KI-Euphorie erneut stärker sein wird als die Sorgen um die Geldpolitik.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

