Massive Aufrüstung
Wie Dänemark zum wachstumsstärksten Land der EU wurde
Während die Eurozone schwächelt, boomt Dänemark. Das Geheimnis? Ein Mix aus eiserner Spardisziplin, massiver Aufrüstung und einer cleveren Währungs-Illusion.
- Strikte Haushaltsdisziplin, feste Krone zum Euro
- Hohe Rüstungsausgaben treiben Industrie und Wachstum
- AAA-Rating, niedrige Schuldenquote und stabile Preise
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Während die großen Wirtschaftsmotoren Kontinentaleuropas wie Deutschland und Frankreich seit geraumer Zeit mit Stagnation und strukturellen Krisen kämpfen, zieht im Norden eine Volkswirtschaft fast unbemerkt an allen vorbei. Dänemark präsentiert sich mitten im geopolitischen Wandel als wirtschaftliches Kraftpaket. Während der westeuropäische Durchschnitt beim Wirtschaftswachstum hinterherhinkt, trumpft das kleine skandinavische Land mit prognostizierten BIP-Steigerungsraten von 2,1 bis 2,4 Prozent auf.
Dieser Erfolg ist kein Zufallsprodukt. Er basiert auf einem bemerkenswerten wirtschaftlichen Dreiklang: kompromisslose Haushaltsdisziplin, ein dynamischer Industriesektor und eine sehr clevere Währungsstrategie – einer äußersten Euro-Nähe, ohne der Einführung des Euro.
Dabei hatte die dänische Bevölkerung im Jahr 2000 die Einführung der Gemeinschaftswährung in einer Volksabstimmung abgelehnt. Bis heute zahlt man in Kopenhagen mit der dänischen Krone. Doch trotz dieser nominalen Unabhängigkeit ist die Krone über den Wechselkursmechanismus II (ERM II) extrem eng an den Euro gekoppelt.
Die dänische Nationalbank sorgt dafür, dass der Wechselkurs praktisch starr bleibt. Innerhalb von fünf Jahren hat sich die Krone nur um 0,5 Prozent zum Euro bewegt. Aktuell bekommt man für einen Euro 7,475 Kronen, vor fünf Jahren waren es etwa 7,45 Kronen. Für die Wirtschaft hat das immense Vorteile. Währungsrisiken fallen praktisch komplett weg. Im Handel mit der Eurozone, Dänemarks wichtigstem Markt, gibt es keine Wechselkursverluste. Dadurch bleiben auch die Importpreise des Landes stabil. Und die Inflation ist auch leicht berechenbar.
Dänemark importiert also die Stabilität des Euroraums, ohne jedoch für die Schulden anderer Euro-Mitglieder haften zu müssen. Die Krone verhält sich im Grunde wie der Euro selbst, nur unter anderem Namen.
Gleichzeitig sichert diese strikte Geldpolitik Dänemark das uneingeschränkte Vertrauen der internationalen Finanzmärkte. Als eines von wenigen Ländern weltweit hält Dänemark (wie auch Deutschland) das makellose AAA-Spitzenrating aller großen Agenturen (S&P, Moody's, Fitch) – eine Bonität, von der beispielsweise die USA nur noch träumen können. Mit der zweitniedrigsten Schuldenquote in der Europäischen nion (29,3 Prozent) steht das Land zudem auf einem beispiellos soliden Fundament.
Dänemark nutzt seine finanzielle Stärke, um sich radikal für die neue geopolitische Realität aufzustellen. Im Zentrum dieser Strategie steht eine beispiellose Aufrüstungswelle. Über einen neu geschaffenen militärischen "Beschleunigungsfonds" pumpt Kopenhagen in den Jahren 2025 und 2026 jährlich 25 Milliarden Kronen (rund 3,34 Milliarden Euro) zusätzlich in die Landesverteidigung. Damit katapultiert Dänemark sein Verteidigungsbudget auf mindestens 3 Prozent des BIP. Allein 4,2 Milliarden US-Dollar fließen gezielt in die Sicherung der Arktis, wo das Land mit modernster Drohnentechnologie und Eisbrechern Flagge zeigt.
Die massiven Rüstungsausgaben wirken wie ein Konjunkturprogramm für die heimische Wirtschaft. Der skandinavische Industriesektor boomt, die Umsätze der Industrieunternehmen in der Region stiegen im letzten Jahrzehnt um stolze 184 Prozent – weit mehr als im Rest Europas.
Dänemark liefert derzeit das Paradebeispiel dafür, wie eine kleine, offene Volkswirtschaft im 21. Jahrhundert erfolgreich navigiert. Das Land beweist, dass geopolitische Wehrhaftigkeit und fiskalische Solidität keine Gegensätze sein müssen.
Während die Eurozone oft mit internen Ungleichgewichten und der Schuldenlast einzelner Mitglieder ringt, zeigt ausgerechnet das "Nicht-Mitglied" Dänemark, wie man die Stabilitätsvorteile der europäischen Gemeinschaftswährung optimal für die eigene Souveränität und Sicherheit nutzt. Die dänische Euro-Festung steht – auch ohne den Euro im Portemonnaie.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


