Auch das noch
Nel-Aktie: Chef geht - Totalabsturz oder neue Chance?
Der Druck auf Nel wird größer! Mitten im starken Abwärtstrend der Aktie verlässt Chef-Lenker Håkon Volldal den Konzern. Die Anleger sind verunsichert und trennen sich von dem Papier. Ist ein neuer Chef eine neue Chance?
- Chef Håkon Volldal verlässt Nel nach Kursrutsch
- Erstes Quartal: Umsatz und EBITDA deutlich negativ
- Neuer CEO als Chance für Neuanfang bei Nel ungewiss
- Report: SpaceX-Hype zu teuer – Diese 5 Aktien bieten bessere Chancen
Ein neuer Chef könnte die letzte Chance für Nel auf einen Neustart sein. Håkon Volldal hat etwas mehr als vier Jahre die Geschicke des Wasserstoff-Spezialisten geleitet. Schauen Anleger auf den Aktienkurs der Nel-Aktie während dieser Zeit, dann ist seine Bilanz mehr als bescheiden.
Der scheidende Nel-Chef hat sein Amt 01.06.2022 übernommen. Bis zu seiner Kündigung hat der Kurs um etwas mehr als 80 Prozent nachgegeben. Eine Erfolgsbilanz sieht deutlich anders aus. Volldal sind zwar keine gravierenden Fehler in seiner Amtszeit vorzuwerfen, aber er hat es auch nicht geschafft Nel so in die Spur zu bringen, dass die Anleger wieder Hoffnung für den Wasserstoffspezialisten hatten.
Erstes Quartal gemischt
Wie es aktuell um Nel bestellt ist, unterstreichen die Zahlen für den Jahresauftakt. Im ersten Quartal 2026 sanken die Erlöse aus Kundenverträgen auf 148 Millionen norwegische Kronen, ein Rückgang um 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das EBITDA blieb mit minus 100 Millionen norwegischen Kronen klar negativ. Besonders heikel: Der Auftragseingang brach auf 85 Millionen norwegische Kronen ein – 73 Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Der Auftragsbestand lag Ende März bei 1,113 Milliarden norwegischen Kronen und damit 24 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Keinen starken Partner an der Seite
Während ITM Power mit Linde, Ceres Power mit Weichai und Ballard Power mit dem Duo Vertiv und Siemens große Partner an ihrer Seite haben, ist Nel unter dem scheidenden Chef eher ein Einzelkämpfer in der Branche geblieben. Zuletzt hatte zwar der hohe Ölpreis wieder Fantasie in die Branche gebracht, von der auch Nel profitieren konnte, aber seit sich der USA-Iran-Konflikt seinem Ende nähert, kam der Kurs auch wieder unter Druck.
Nel vor ungewisser Zukunft
Die Pressemitteilung von Nel deutet zwar nicht darauf hin dass sich beide Parteien im Zwist trennen, sie kommt trotzdem zu einem denkbar schlechten Zeitpunkt für den norwegischen Konzern. Håkon Volldal ist zwar nicht von heute auf morgen weg, wird den Konzern aber spätestens nach seiner Kündigungsfrist von sechs Monaten verlassen. Damit steht Nel solange vor einer ungewissen Zukunft bis der Verwaltungschef einen Nachfolger gefunden hat.
Neuer Mann – neue Chance?
Ein Chefwechsel ist zwar nie eine einfache Sache, aber kann bei Nel für einen Neuanfang stehen. Zwar wird der neue CEO keine einfache Aufgabe übernehmen, aber unterm Strich kann er fast nur überraschen. Der Markt wartet darauf, dass Nel neue Aufträge verkündet, eine bessere Auslastung präsentiert und die Kosten für die Produktionskosten für Wasserstoff senkt. Hört sich nach einer Herkules-Aufgabe an, aber schon ein neuer Auftrag oder ein neuer starker Partner an der Seite von Nel könnte die Stimmung schnell wieder drehen lassen.
Schafft es der neue Mann wieder Fantasie für Nel zu wecken, könnte die Aktie schnell in die Höhe schießen. Aktuell ist das aber alles noch Zukunftsmusik. Zunächst muss erst einmal ein erfahrener Manager aus der Branche gefunden werden, der im besten Fall schon starke Beziehungen in der Branche besitzt.
Mein Tipp: Beobachten, aber noch nicht zuschlagen
Nach dem Höhenflug durch den hohen Ölpreis wird die gesamte Branche gerade hart auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Nel ist nicht der einzige Wert, der in den vergangenen fünf Handelstagen ordentlich Federn lassen musste. Trotzdem muss sich Nel stärker beweisen als Teile der Konkurrenz.
Anfang Mai hatten die Norweger verkündet, dass sie ein neues Alkali-Elektrolyse-System der nächsten Generation für den kommerziellen Einsatz entwickelt haben. Das neue System soll die Kosten der Wasserstoff-Produktion in etwa halbieren. Aber auch diese Nachricht hat den Kurs nicht besonders angeschoben, da die Verträge zu dem neuen System einfach fehlen.
Vielleicht schafft es der neue Chef ja, das neue System zu etablieren. Nachdem Nel in den vergangenen vier Jahren eher auf der Stelle getreten ist, kann es dem Konzern eher gut tun, wenn ein anderer Blickwinkel die Geschicke in die Hand nimmt.
Anleger sollten Nel trotz des heutigen Kurssturzes nicht abschreiben, sondern weiterhin im Auge behalten. Ein neuer Chef könnte frischen Wind in den Konzern bringen und die Fantasie für das Papier wieder erhöhen. Daher: Aktie auf die Watchlist packen und beobachten, wen der Konzern als neuen Chef präsentiert.
Markus Weingran, Chefredakteur wallstreetONLINE Börsenlounge
Die wallstreetONLINE Börsenlounge ist ein beliebtes YouTube-Format, das sich auf das Thema Börse und Finanzen spezialisiert hat. Die Börsenlounge wird von der Online-Finanzplattform wallstreetONLINE produziert und bietet den Zuschauern eine informative und unterhaltsame Show, die sich mit aktuellen Marktentwicklungen, Investitionstipps und Finanzthemen befasst. Täglich um 12 Uhr @wallstreetonlineTV
Übrigens: Zu den Musterdepots der wO Börsenlounge geht es hier lang!
