Höhenflug?
Die erwartete Euro-Siegesserie ist zum Scheitern verurteilt
Nach dem Nahost-Friedensabkommen sollte eigentlich die große Euro-Wende starten mit Kursen über 1,25 US-Dollar. Doch dazu wird es nicht kommen.
- Friedensabkommen nimmt geopolitischen Druck deutlich
- US-Inflation bleibt hartnäckig und stützt Dollar
- Euro kurzfristig Auftrieb möglich doch kein EZB-Vorteil
- Report: Achtung, Korrektur!
Die Finanzmärkte blicken gebannt auf den Freitag. Mit der angekündigten Unterzeichnung des Friedensabkommens zur Beendigung des Iran-Konflikts fällt ein massiver geopolitischer Belastungsfaktor weg. Für das Währungspaar Euro zum US-Dollar (EUR/USD) markiert dieses Datum einen potenziellen Wendepunkt. Doch während Optimisten auf eine Wiederaufnahme der zu Jahresbeginn prophezeiten Euro-Siegesserie hoffen, zeigen sich an den fundamentalen Wirtschaftsfronten neue, unübersehbare Hürden.
Rückblick auf den Januar 2026: Die Analysten etablierter Häuser, darunter auch Deutsche Bank Research, zeichneten ein überaus optimistisches Bild für die europäische Gemeinschaftswährung. Die Konsensprognose sah eine massive Aufwertung des Euro vor, wobei Kursziele von bis zu 1,25 US-Dollar je Euro im laufenden Jahr als realistisch erachtet wurden. Die Argumente für dieses Szenario waren damals fundiert:
Es wurde erwartet, dass die US-Notenbank (Fed) aufgrund einer sich abkühlenden Wirtschaft die Zinsen schneller und deutlicher senken müsste als die Europäische Zentralbank (EZB). Eine schrumpfende Zinsdifferenz macht den Euro für globale Investoren im Vergleich zum US-Dollar attraktiver. Zudem signalisierte die Wirtschaft der Eurozone nach den Energiepreisschocks der Vorjahre eine robuste Erholung, gestützt durch sinkende Erzeugerpreise und ein anziehendes Konsumklima.
Mit dem Ausbruch des Iran-Krieges wurden diese Kalkulationen jäh eingestampft. In Zeiten extremer geopolitischer Unsicherheit greift an den Devisenmärkten ein psychologischer Automatismus: der "Safe Haven"-Effekt. Investoren flüchteten weltweit aus risikoreicheren Anlagen und schichteten Liquidität in den US-Dollar um – die ultimative globale Reservewährung. Zusätzlich traf der Konflikt die Eurozone über den Energiekanal empfindlicher als die weitgehend energieunabhängigen USA. Länder wie Deutschland mussten massiv Euros für US-Dollar verkaufen, um die höheren Ölpreise zu bezahlen.
Zwar entlastet das bevorstehende Friedensabkommen am Freitag das geopolitische Lagebild immens – der kriegsbedingte Risikoaufschlag des US-Dollars schmilzt ab –, doch eine Rückkehr zu den optimistischen Januar-Prognosen ist blockiert. Der Grund liegt in der drastischen Verschiebung der US-Makrodaten: Die jüngsten Inflationsdaten aus den USA verharren mit 4,2 Prozent deutlich über der Stabilitätsmarke von 2 Prozent. Von einer nachhaltigen Abkühlung kann keine Rede sein.
Diese zähe Inflation zwingt die amerikanische Notenbank zu einem Kurs, den zu Jahresbeginn kaum ein Analyst auf dem Zettel hatte. Anstatt der erwarteten Zinssenkungen steht nun sogar eine geldpolitische Straffung im Raum. Laut dem CME FedWatch Tool wird aktuell zu 57 Prozent mit einer Zinserhöhung der Fed bis Jahresende gerechnet. Für eine Zinssenkung liegt die Wahrscheinlichkeit bei 0 Prozent.
Das Friedensabkommen am Freitag kann dem Euro kurzfristig Auftrieb verleihen. Das Ende der akuten Kriegsängste führt zu Gewinnmitnahmen beim US-Dollar und entlastet die europäische Wirtschaft fundamental über sinkende Energiekosten. Ein kurzzeitiger, psychologisch getriebener Kurssprung des Euro ist daher durchaus möglich.
Für eine nachhaltige "Siegesserie" in Richtung der Marke von 1,25 US-Dollar fehlt dem Euro jedoch das geldpolitische Fundament. Solange die US-Inflation heiß läuft, bleibt die Zinsdifferenz der dominierende Treiber. Der US-Dollar behält seinen Renditevorteil – und bremst den Höhenflug des Euro somit wohl vorerst aus.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion


