Strom statt Coins
Wie Krypto-Miner zum Nutznießer des KI-Booms werden
Ein Unternehmen, das einst Bitcoin schürfte, baut jetzt Rechenzentren für KI-Konzerne. Eine US-Bank sieht enormes Potenzial, vor allem wegen einer Ressource, die knapper ist als Chips.
- TeraWulf wandelt Bitcoin-Mining in KI-Rechenzentren
- Strom- und Netzanbindung als limitierender Engpass
- Langfristige Mietverträge mit Fluidstack und Google
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TeraWulf war einst ein klassischer Bitcoin-Miner, abhängig vom volatilen Krypto-Kurs. Jetzt wird daraus ein Vermieter für die KI-Industrie, und Analysten von Bank of America trauen dem Umbau einiges zu: Sie nehmen die Coverage mit einer Kaufempfehlung auf und nennen ein Kursziel von 34 Dollar.
Der Grund für den Optimismus: TeraWulf wandelt seine frühere Mining-Infrastruktur in Rechenzentren für High-Performance-Computing um, also genau die Art von Kapazität, die KI-Konzerne derzeit verzweifelt suchen. Aktuell laufen bei dem Unternehmen rund 60 Megawatt an Kapazität, bis Ende des Jahres sollen es über 500 Megawatt sein.
Mittelfristig peilt das Management sogar mehr als ein Gigawatt an. Der Umsatz soll laut den Analysten von rund 226 Millionen US-Dollar im kommenden Jahr auf etwa 1,8 Milliarden US-Dollar bis 2028 klettern, bei operativen Margen von rund 85 Prozent.
Was die Sache besonders attraktiv macht: Viele Standorte verfügen bereits über bestehende Stromanschlüsse und Umspannwerke, weil sie früher industriell genutzt wurden. Das verschafft TeraWulf einen Vorteil in einem Markt, in dem nicht Chips, sondern Strom und Netzanbindung der eigentliche Flaschenhals sind. Die Analysten bringen es auf den Punkt: Energieverfügbarkeit sei der entscheidende limitierende Faktor für den Ausbau von Rechenzentren, nicht die Hardware selbst.
Wichtige Mietverträge mit Laufzeiten von bis zu 25 Jahren sorgen zudem für planbare Einnahmen. Besonders bemerkenswert: Ein Großkunde namens Fluidstack least große Kapazitäten an mehreren Standorten, und im Hintergrund steht Google als Bonitäts-Absicherung für diese Verträge, was die Werthaltigkeit der Einnahmen zusätzlich untermauert.
Ganz ohne Risiko ist die Geschichte freilich nicht. Verzögerungen bei Bau oder Finanzierung könnten die Wachstumspläne ausbremsen, schon eine Verzögerung von 10 bis 20 Prozent beim Kapazitätsausbau würde die Umsatzprognose für 2028 um bis zu 12 Prozent drücken.
Auch regulatorische Hürden und möglicher Widerstand aus betroffenen Gemeinden gehören zu den Unsicherheiten. Die Nachfrageseite halten die Analysten dagegen für robust, schließlich wächst der Bedarf an KI-Training und vor allem an sogenannter Inferenz, also dem laufenden Betrieb von KI-Modellen, ungebremst weiter.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
