Wie ein Elfmeter im Fußball
Der Commerzbank-Deal könnte UniCredit zur "Bank Europas" machen
Die Analysten der Bank of America trauen UniCredit nach der Commerzbank-Offensive deutlich mehr zu als der Markt bisher einpreist. Drei Szenarien zeigen, wie groß der Hebel wirklich sein könnte.
- BofA hebt Kursziel auf 100€ und favorisiert UniCredit
- UniCredit hält 43–55% und könnte Aufsichtsrat umbauen
- 50%+ erhöht EPS rund 7%, 75% hebt Synergien 2 Mrd
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UniCredit ist nach Einschätzung der Bank of America die spannendste Wette unter Europas Großbanken. Die Analysten haben ihr Kursziel für die italienische Bank von 92 auf 100 Euro angehoben und sie zum neuen Favoriten innerhalb des europäischen Bankensektors gekürt. Damit verbunden ist ein Kurspotenzial von gut einem Drittel gegenüber dem aktuellen Niveau.
Der Auslöser ist die laufende Übernahmeschlacht um die Commerzbank. UniCredit-Chef Andrea Orcel verfolgt sein Ziel, aus der Bank den führenden Champion Europas zu formen, mittlerweile seit über vier Jahren. BofA vergleicht die Ausgangslage mit einem Strafstoß im Fußball: Ein gewisses Risiko bleibt immer, doch die Chance, daraus ein Tor zu machen, ist enorm.
Konkret rechnen die Analysten drei mögliche Ausbaustufen durch. Schon bei einer Mehrheitsbeteiligung von etwas über 50 Prozent ließe sich die Commerzbank-Bilanz voll in die UniCredit-Zahlen einbeziehen, was den Gewinn pro Aktie um rund sieben Prozent steigern würde.
Bei einer sogenannten Beherrschungsvereinbarung ab 75 Prozent der Stimmrechte könnten sämtliche bislang geplanten Synergien von rund zwei Milliarden Euro bis 2030 gehoben werden, mit einer Kapitalrendite von knapp 20 Prozent.
Und im Maximalszenario einer Komplettübernahme sehen die Experten einen möglichen Jahresgewinn der fusionierten Bank von gut 21 Milliarden Euro. Das sei ein Szenario, das der Markt bislang überhaupt nicht einpreise.
"Wir vertreten schon seit Langem die Ansicht, dass Europa größere, stärkere und rentablere Banken braucht, um mit internationalen Konkurrenten mithalten zu können", so Analyst Antonio Reale. Mit der Commerzbank im Konzern könnte die UniCredit zu solch einem Riesen heranwachsen.
Aktuell hält UniCredit über direkte Aktien und Derivate zusammen zwischen 43 und 55 Prozent, abhängig davon, wie sich Andienungen und Termingeschäfte überlappen.
Mit ausreichend Stimmrechten könnte UniCredit zudem den Aufsichtsrat der Commerzbank umbauen und damit auch das Management auswechseln, ein Schritt, der allerdings erst auf einer Hauptversammlung 2027 formal bestätigt werden müsste.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE
