Bayers Milliarden-Wette
Bayer greift nach dem nächsten Blockbuster – Aktie zieht an
Bayer greift nach einem Milliarden-Hoffnungsträger für Augenleiden. Doch PER-001 ist noch nicht zugelassen – gelingt der nächste große Coup?
- Bayer kauft Perfuse für bis zu 2,45 Mrd US-Dollar
- PER-001 intravitreal Phase II noch nicht zugelassen
- Implantat zielt auf Durchblutungsstörungen im Auge
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Bayer hat laut einer Mitteilung vom Mittwoch die Übernahme des US-amerikanischen Biopharmaunternehmens Perfuse Therapeutics abgeschlossen. Der deutsche Gesundheits- und Agrarkonzern zahlte 300 Millionen US-Dollar im Voraus. Das Gesamtvolumen der Transaktion beläuft sich vorbehaltlich erfolgsabhängiger Meilensteinzahlungen auf 2,45 Milliarden US-Dollar. Das Zielunternehmen wird vollständig in Bayer integriert. Perfuse Therapeutics entwickelt einen niedermolekularen Endothelinrezeptorantagonisten mit verzögerter Wirkstofffreisetzung zur Behandlung von Glaukom und diabetischer Retinopathie.
Der Deal ist vor allem ein Pipeline-Kauf für Bayers Augenheilkundegeschäft. Kurzfristig ist die Zahlung mit 300 Millionen US-Dollar überschaubar, aber strategisch setzt Bayer auf einen möglichen Nachfolger beziehungsweise Ergänzer für sein Ophthalmologie-Geschäft rund um Eylea. Im Zentrum steht PER-001, ein in Phase II befindliches Augenimplantat. Es wird direkt in den Glaskörper des Auges eingebracht und soll den Wirkstoff über längere Zeit freisetzen. Bayer spricht von einem first-in-class Endothelinrezeptorantagonisten zur Behandlung von Glaukom und diabetischer Retinopathie. Mit Abschluss der Übernahme hält Bayer nun die vollständigen Rechte an PER-001.
PER-001 zielt nicht einfach darauf ab, den Augeninnendruck zu senken oder Symptome zu stabilisieren. Der Ansatz richtet sich gegen Durchblutungsstörungen und neurovaskuläre Schäden im Auge. Perfuse beschreibt das Präparat als langsam freigesetztes, biologisch abbaubares intravitreales Implantat, das etwa alle 6 Monate verabreicht werden soll. In früheren Phase-II-Daten meldete Perfuse Verbesserungen bei Glaukompatienten unter anderem beim Gesichtsfeld sowie bei diabetischer Retinopathie Verbesserungen bei Kontrastempfindlichkeit, Sehschärfe, retinaler Ischämie, Leckagen und Mikroaneurysmen. Insgesamt wurden in den beiden Studien 60 Patienten behandelt; Perfuse bezeichnete Sicherheit und Verträglichkeit nach 24 Wochen als günstig.
Für Bayer passt Perfuse in eine bestehende Stärke: Augenheilkunde. Bayer vermarktet mit Partner Regeneron bereits Eylea, ein wichtiges Medikament gegen Netzhauterkrankungen. Genau dort wächst aber der Druck durch Konkurrenz und Biosimilars. Der Markt ist groß: Bayer verweist auf rund 76 bis 80 Millionen Menschen mit Glaukom weltweit im Jahr 2020, mit einer erwarteten Zunahme auf rund 112 Millionen bis 2040. Bei diabetischer Retinopathie nennt Bayer etwa 146 Millionen Betroffene weltweit.
Der wichtigste Punkt: PER-001 ist noch nicht zugelassen. Es handelt sich weiter um ein klinisches Phase-II-Programm. Die hohen Meilensteinzahlungen werden also nur relevant, wenn Entwicklung, Zulassung und spätere Vermarktung erfolgreich verlaufen. Fierce Biotech weist zudem darauf hin, dass Bayer zum Zeitpunkt der ursprünglichen Ankündigung keinen klaren Zeitplan für die weitere Entwicklung genannt hatte. Kurzfristig dürfte die Transaktion finanziell verkraftbar sein: Die sofortige Zahlung von 300 Millionen US-Dollar steht einem Konzern gegenüber, der 2025 einen Umsatz von 45,6 Milliarden Euro und F&E-Ausgaben von 5,8 Milliarden Euro auswies. Der eigentliche Hebel liegt also nicht in der Größe des Upfront-Betrags, sondern in der Frage, ob PER-001 tatsächlich ein neues, krankheitsmodifizierendes Augenmedikament werden kann.
Die Aktie von Bayer ist am Mittwoch (10:00 Uhr, MESZ) auf Tradegate 0,78 Prozent im Plus. Ein Anteilsschein kostet 36,14 Euro.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion
Die Bayer Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Plus von +1,65 % und einem Kurs von 36,45EUR auf Tradegate (17. Juni 2026, 10:35 Uhr) gehandelt.

