Aktie vor dem nächsten Schub?
Nucera, TKMS und jetzt tk accelis: Thyssenkrupps nächster großer Schnitt
Thyssenkrupp zerlegt sich weiter. Eine neue Tochter soll an die Börse, und Analysten sehen darin enormes Potenzial für die Aktie.
- Thyssenkrupp spaltet Stahlhandelssparte tk accelis
- Bank bewertet Sparte auf rund 3,5 Milliarden Euro
- BofA sieht Kursziel 15 Euro als Kurstreiber
- Report: Achtung, Korrektur!
Thyssenkrupp macht ernst mit der nächsten großen Aufspaltung. Der Aufsichtsrat hat grünes Licht gegeben, die Stahlhandelssparte als eigenständiges Unternehmen unter dem Namen "tk accelis" abzuspalten und bis Ende 2026 an der Frankfurter Börse zu listen. Der Konzern will dabei 51 Prozent der neuen Gesellschaft behalten, der Rest soll an die Börse. Genau das Modell, das schon bei der U-Boot-Sparte TKMS im vergangenen Jahr funktioniert hat.
Was die Sache für Anleger interessant macht: Analysten der BofA taxieren den Wert der Sparte auf rund 3,5 Milliarden Euro, was ungefähr dem gebundenen Betriebskapital entspricht. Gemessen an der aktuellen Marktkapitalisierung von Thyssenkrupp wäre das ein gewaltiger Batzen, etwa die Hälfte des gesamten Konzernwerts.
Die Bank bleibt bei ihrer Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 15 Euro und sieht in der Aufspaltung einen konkreten Hebel, um schlummernden Wert sichtbar zu machen. Erst Anfang Juni hatten die Thyssen-Papiere wieder an ihrem im Februar erreichten Mehrjahreshoch von 12,48 Euro gekratzt. Ein weiterer Börsengang könnte nun weitere Kursbooster liefern.
Das operative Geschäft hinter der Materials-Sparte ist unspektakulär, aber lukrativ: tk accelis handelt mit Stahl und anderen Werkstoffen, ähnlich wie die Wettbewerber Klöckner oder Reliance. Verdient wird nicht am Stahlpreis selbst, sondern am Service drumherum, schnelle Lieferung, kleine Losgrößen, keine Lagerhaltung beim Kunden. Wer wenig Stahl braucht und keine eigenen Lager unterhalten will, zahlt für diese Bequemlichkeit einen Aufschlag. Wichtig dabei: Das Geschäft hängt nicht an Thyssenkrupps eigener Stahlproduktion, sondern kauft Material flexibel am Markt ein, ganz unabhängig davon, wer es herstellt.
Die nächste formale Hürde ist eine außerordentliche Hauptversammlung, die für den 7. August 2026 angesetzt ist. BofA verweist zudem auf mögliche Rückenwind-Effekte durch neue europäische Schutzzölle auf Stahlimporte, die die Preise stabilisieren könnten. Für Thyssenkrupp ist die Botschaft klar: Nach der Marine-Sparte soll auch der Stahlhandel zeigen, was im Konzern wirklich steckt, während Aufsichtsrat und Management parallel an weiteren Bausteinen arbeiten, etwa der Aufzugssparte und dem Kernstahlgeschäft.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
