L’Oréal greift nach ChatGPT
L’Oréal und OpenAI: Dieser Deal könnte vieles verändern
L’Oréal bringt Beauty in ChatGPT: Make-up-Test, Werbung und Forschung per KI sollen den Konzern zur Beauty-Tech-Plattform machen.
- L'Oréal bringt virtuelle Make-up-Anprobe in ChatGPT
- Werbung und Produktsuche in ChatGPT für Lancôme
- Hautmikrobiomanalyse mit GPT-Rosalind für La Roche
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L’Oréal gab am Mittwoch den Abschluss einer umfassenden Kooperationsvereinbarung mit OpenAI, dem Entwickler von ChatGPT, bekannt. Ziel dieser Partnerschaft ist es, das Kundenerlebnis durch personalisierte, KI-gestützte Beauty-Tools zu verbessern und gleichzeitig interne Abläufe in den Bereichen Forschung und Marketing zu optimieren. Die auf der VivaTech in Paris vorgestellte Kooperation umfasst unter anderem die geplante Integration einer virtuellen Make-up-Anprobefunktion in ChatGPT durch Maybelline New York. Die dafür entwickelte Technologie stammt von L’Oréal.
Ziel ist es, Nutzern die Möglichkeit zu geben, Make-up-Looks in Echtzeit per KI-gestütztem Chat zu entdecken und zu testen. Parallel dazu plant L’Oréal in Zusammenarbeit mit OpenAI die Steigerung der Sichtbarkeit seiner Produkte in ChatGPT in den USA, insbesondere für Marken wie Lancôme und Kérastase. Darüber hinaus nehmen die Marken SkinCeuticals, CeraVe und Garnier am globalen Werbepilotprojekt von ChatGPT teil. Diese Initiative soll den Weg für KI-gestützte Werbung ebnen und die Möglichkeit bieten, unmittelbar auf die Kaufabsicht der Konsumenten zu reagieren und den Kaufprozess zu vereinfachen.
Operativ plant L’Oréal die Kartierung des Hautmikrobioms mithilfe von GPT-Rosalind, dem speziell für die Biowissenschaften entwickelten Analysemodell von OpenAI. Ziel ist es, nützliche Bakterien zu identifizieren, die die Entwicklung neuer Hautpflegeprodukte, vor allem für die dermatologische Marke La Roche-Posay, beschleunigen könnten. Geplant ist außerdem, das neueste OpenAI-Modell für CreAItech, die interne KI-Plattform von L’Oréal zur Erstellung von Beauty-Inhalten, einzusetzen, um Bilder und Videos zu produzieren.
Der Deal ist deutlich breiter als nur eine virtuelle Make-up-Anprobe: L’Oréal will ChatGPT zugleich als Beauty-Berater, Werbekanal, Produktsuche, Forschungstool und Kreativmaschine nutzen. Im Mittelpunkt steht zunächst der Konsumentenkontakt. Maybelline New York soll eine virtuelle Make-up-Anprobe direkt in ChatGPT bringen. Technologische Basis ist ModiFace, die AR- und KI-Technologie von L’Oréal. Damit könnten Nutzer künftig per Dialog Make-up-Looks entdecken und direkt visuell testen, statt nur Produktempfehlungen zu lesen. L’Oréal hatte ModiFace bereits 2018 übernommen, um seine Beauty-Tech-Kompetenz auszubauen.
Die Kooperation betrifft auch die Content-Produktion. Das neueste OpenAI-Modell soll CreAItech, L’Oréals interne GenAI-Plattform für Beauty-Inhalte, antreiben. Damit sollen Bilder und Videos entstehen, die zur jeweiligen Markenidentität passen und menschliche Kreativität ergänzen. Für Anleger ist die Botschaft: L’Oréal positioniert sich nicht nur als Kosmetikkonzern, sondern als Beauty-Tech-Plattform. Kurzfristig dürften die finanziellen Effekte schwer messbar sein. Langfristig geht es aber um drei große Hebel: mehr personalisierte Produktempfehlungen, effizientere Forschung und schnellere Content-Produktion. Gleichzeitig öffnet der Vorstoß eine heikle Debatte über KI-Werbung, Produktempfehlungen und die Frage, wie transparent kommerzielle Empfehlungen in ChatGPT künftig sein müssen.
Die Aktie von L’Oréal ist am Mittwoch auf Tradegate0,69 Prozent im Plus. Ein Anteilsschein kostet 386,55 Euro.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion

