Erster Zinsentscheid für Warsh
Zinsen bleiben unverändert. Doch es weht ein neuer Wind bei der Fed
Erste Fed-Sitzung unter neuer Führung: Gleicher Leitzins, aber ein Detail sorgt für Gesprächsstoff: Der Chef selbst gibt keine Zinsprognose ab. Die US-Aktienmärkte reagieren mit Verlusten.
- Fed belässt Leitzins bei 3,5–3,75 Prozent einstimmig
- Warsh verzichtet auf Zinsprognose und Dot Plot
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Die US-Notenbank Fed lässt die Zinsen wie erwartet unverändert. Der Leitzins bleibt in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent, dort liegt er bereits seit der letzten großen Zinssenkung Ende 2025. Die Entscheidung fiel einstimmig im Offenmarktausschuss.
Doch abgesehen davon ändert sich einiges bei der mächtigsten Notenbank der Welt. Denn anders als sein Vorgänger Jerome Powell gibt der neue Fed-Chef Kevin Warsh bei seiner ersten Sitzung an der Spitze keine Zinsprognose ab und beteiligt sich damit nicht am Dot Plot. "Ich habe keinen Dot eingereicht. Für mich ist das bei der Umsetzung der Politik nicht hilfreich", erklärte Warsh in seiner Pressekonferenz.
Die Notenbank hatte damit bisher angedeutet, wo die Zinsen künftig stehen könnten. Statt einer Zinssenkung rückte im aktuellen Stimmungsbild der Fed-Gouverneure eher eine Zinserhöhung wieder in den Fokus. Die Börsen reagierten am Mittwochabend prompt mit Kursverlusten, während kurzfristige Zinsen anzogen. Der S&P500 und der Tech-Index Nasdaq gaben jeweils rund 1,5 Prozent nach. Auch der Bitcoin verlor deutlich und büßte mehr als 2 Prozent ein.
"Die Fed des Kevin Warsh stellt die Preisstabilität ganz klar an die erste Stelle", kommentiert Thomas Altmann von QC Partners. "Im letzten Statement war noch von einem Streben nach Preisstabilität die Rede. Jetzt heißt es, dass die Fed Preisstabilität liefern wird. In der Sprache der Notenbanker, in der jedes einzelne Wort zählt, ist diese Veränderung ein Quantensprung."
Auch das Statement selbst wurde gestrafft. Die bisherige Formulierung zur künftigen Zinsrichtung fehlt komplett, die Fed gibt also keine Richtschnur mehr vor, woran sich Investoren orientieren könnten. Warsh sieht darin keinen Nachteil, im Gegenteil: Er argumentiert, Finanzmärkte funktionierten effizienter, wenn sie auf echte Wirtschaftsdaten reagieren statt auf Mutmaßungen über die nächste Notenbank-Reaktion.
Für Investoren heißt das konkret: Die gewohnte Orientierungshilfe der Fed fällt vorerst weg. Wer bislang aus den Notenbank-Signalen abgeleitet hat, wann er umschichten sollte, muss sich stärker an harten Konjunkturdaten orientieren.
Autor: Julian Schick, wallstreetONLINE Redaktion
