E-Auto-Wende
China-Beben: Dieser E-Auto-Schock trifft BMW, VW und Mercedes
In China wurden erstmals mehr reine Elektroautos als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zugelassen. Damit bricht für BMW, Mercedes und VW ausgerechnet im wichtigsten Markt die alte Gewinnmaschine weg.
Wie aus Daten von Marklines hervorgeht, die das Handelsblatt zitiert, wurden im April in China rund 580.000 reine Elektroautos zugelassen. Verbrenner kamen dagegen nur noch auf rund 560.000 Neuzulassungen. Damit lagen E-Autos erstmals vor Benzinern und Dieseln. Was nach einer reinen Statistik klingt, ist für BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen ein Warnsignal mit Sprengkraft.
Denn ausgerechnet in China, dem mit Abstand wichtigsten Einzelmarkt der Branche, verdienen die deutschen Hersteller noch immer viel Geld mit klassischen Verbrennungsmotoren. Diese Säule bröckelt nun jedoch schneller als erwartet. BMW hat die Folgen bereits zu spüren bekommen und seine Jahresprognose gesenkt. Die erwartete Marge liegt nur noch bei 1 bis 3 Prozent – ein Niveau, das zuletzt in Krisenzeiten erreicht wurde.
Der Druck kommt von mehreren Seiten. Einerseits belasten hohe Spritpreise den Verbrennermarkt, andererseits reagieren chinesische Kunden extrem schnell auf Kostenänderungen. So sank die Spritnachfrage im April um rund 16 Prozent und im Mai um 13 Prozent. Gleichzeitig brachen die Zulassungen von Verbrennerfahrzeugen seit Januar um mehr als 40 Prozent ein.
Für Volkswagen ist diese Entwicklung besonders heikel. In Spitzenzeiten lag der operative Gewinn aus China bei mehr als 4 Milliarden Euro. Für dieses Jahr rechnet der Konzern jedoch nur noch mit 0,2 bis 0,6 Milliarden Euro. Auch die Auslieferungen der deutschen Hersteller zeigen seit Jahren nach unten. BMW verzeichnet ein Sechsjahrestief, Mercedes ein Zehnjahrestief und VW sogar ein Fünfzehnjahrestief.
Zwar wollen die Hersteller mit neuen E-Modellen und Range-Extendern zurückschlagen. Doch auch diese Übergangstechnik gerät unter Druck, da sie weiterhin Sprit benötigt.
Für Anleger lautet die unbequeme Frage: Ist China nur eine Delle – oder verliert die deutsche Autoindustrie gerade ihren wichtigsten Gewinnmotor?
Autor: Ferdinand Hammer, wallstreetONLINE Redaktion


