Der neue Sheriff
Kevin Warsh schockt die Wall Street – Gundlach warnt vor 70er-Jahre-Inflation
Statt Zinssenkungen setzt der neue Fed-Chef auf Preisstabilität. Für Anleger könnte das die Spielregeln verändern.
- Warsh stellt Preisstabilität über Zinssenkungen
- Gundlach warnt vor 1970er Parallelen zur Geldpolitik
- Mehr Nachfrage nach langfristigen US-Staatsanleihen
- Report: Achtung, Korrektur!
Künstliche Intelligenz verliert an der Wall Street vorerst ihren Status als wichtigstes Thema. Für den milliardenschweren Anleiheinvestor Jeffrey Gundlach steht nun die Geldpolitik im Mittelpunkt – und er sieht beunruhigende Parallelen zu den 1970er Jahren.
"Das ist der erste Tag seit langer Zeit, an dem KI nicht das Top-Thema ist. Es ist die Fed" schrieb der CEO von DoubleLine Capital nach der ersten geldpolitischen Entscheidung unter dem neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh.
Gundlach verwies auf aktuelle Daten aus dem verarbeitenden Gewerbe, die aus seiner Sicht eher an die Ära des früheren Fed-Chefs Arthur Burns erinnern als an die Zeit von Paul Volcker Anfang der 1980er Jahre. Während Volcker die Inflation mit einer aggressiven Zinspolitik eindämmte, gilt Burns vielen Ökonomen als Symbol für eine zu zögerliche Reaktion auf den Preisdruck.
Umso überraschender fiel für Gundlach der Ton von Warsh aus. Viele Anleger hatten nach dessen Ernennung durch US-Präsident Donald Trump auf eine lockerere Geldpolitik und schnelle Zinssenkungen gesetzt. Stattdessen rückte der neue Fed-Chef die Preisstabilität in den Mittelpunkt.
"Die Verpflichtung, dies zu erreichen, ist stark, einstimmig und eindeutig, und das ist meiner Meinung nach eine wichtige Botschaft, die wir fünf Jahre lang vermisst haben, und das werden wir korrigieren", sagte Warsh auf seiner ersten Pressekonferenz.
Für Gundlach ist das ein Signal, dass Warsh nicht der "Easy-Money"-Vorsitzende sein wird, den viele erwartet hatten. "Er sagt ganz klar, dass er Preisstabilität gewährleisten will. Das bedeutet also, dass wir keine so lockere Geldpolitik haben werden, wie alle vielleicht noch im ersten Quartal dieses Jahres von Warsh erwartet hatten, als alle mit Zinssenkungen rechneten", sagte der Anleiheinvestor bei CNBC.
Warsh verzichtete zudem darauf, eine eigene Zinsprognose im sogenannten Dot Plot zu veröffentlichen, und deutete eine umfassende Überprüfung der Kommunikationsstrategie der Notenbank an.
Gundlach sieht in Warshs Haltung vor allem Rückenwind für langfristige US-Staatsanleihen. "Ich denke, es gibt heute einen noch größeren Grund, langfristige Staatsanleihen zu halten, jetzt, wo der neue Sheriff im Amt ist", sagte er. Mit seinem klaren Bekenntnis zur Preisstabilität habe Warsh seine Glaubwürdigkeit an den Kampf gegen die Inflation geknüpft und das Risiko aggressiver Zinssenkungen deutlich reduziert.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
