Beliebteste Anlagestrategie
Buffett und Tech-Elite setzen jetzt auf diese Strategie
Aktien und Krypto brechen Rekorde, doch das große Geld flieht in eine Strategie, die schon Star-Investor Warren Buffett Milliarden beschert hat. Was steckt dahinter?
- Warren Buffett hortet große Summen in T-Bills
- Geldmarktfonds bilden Zinsen schnell und flexibel ab
- Börsliche Geldmarkt-ETFs als sicherer Tagesgeldersatz
- Report: SpaceX-Hype zu teuer – Diese 5 Aktien bieten bessere Chancen
Während der Aktienmarkt von einem Allzeithoch zum nächsten jagt und Krypto-Anleger hoffen, mit Bitcoin schnell zu Millionären zu werden, vollzieht sich im Hintergrund die größte Umschichtung von Kapital seit Jahrzehnten. Das Ziel ist weder der nächste Tech-Hype noch das digitale Gold, sondern ein extrem unaufgeregtes, klassisches Finanzprodukt: der Geldmarkt.
Allein im vergangenen Jahr flossen mehr als 1 Billion US-Dollar neu in die US-Geldmarktindustrie, wodurch sie ein historisches Rekordvolumen von über 8,29 Billionen US-Dollar erreichte, zeigen Daten des Branchenbeobachters Crane Data. Das ist mehr als die gesamte Wirtschaftskraft Deutschlands und Italiens zusammen. Unter dem an der Wall Street populär gewordenen Slogan "T-bill and chill" (US-Staatsanleihen kaufen und entspannen) hat sich das Parken von Bargeld vom Notnagel zur absoluten Trend-Strategie der letzten Jahre entwickelt.
Niemand hat diesen Trend so spektakulär verkörpert wie die Investoren-Legende Warren Buffett. Mit seiner Holding Berkshire Hathaway hat das "Orakel von Omaha" bis zu seinem offiziellen Rücktritt zum Jahresende einen gigantischen Berg an Liquidität angehäuft. Weil Buffett den Aktienmarkt seit Jahren als überhitzt eingeschätzt hat, weigerte er sich, überteuerte Unternehmen zu kaufen. Stattdessen hat er das Geld konsequent in U.S. Treasury Bills (kurz: T-Bills) geparkt – also in amerikanische Staatsanleihen mit kürzester Laufzeit.
Das führte zu einem historischen Novum: Zeitweise hielt Berkshire Hathaway mit über 234 Milliarden US-Dollar mehr kurzfristige US-Staatsanleihen als die amerikanische Notenbank selbst auf ihrer eigenen Bilanz (ca. 195 Milliarden US-Dollar). Buffett kontrollierte damit zeitweise fast 5 Prozent des gesamten T-Bill-Marktes. Für Berkshire ist das ein Milliardensegen: Bei den aktuellen US-Zinsen wirft dieses risikolose Abwarten jährlich immense Zinserträge ab.
Buffett ist nicht allein. Die Strategie zieht sich durch die gesamte Riege der Tech-Giganten und Top-Investoren. Alphabet (Google) hat laut der jüngsten Quartalsberichten über 40 Prozent seiner gesamten Cash-Reserven in Geldmarktfonds und kurzfristigen Staatsanleihen geparkt. Und selbst Kevin Warsh, der neue Chef der US-Notenbank Federal Reserve, gab in seinen Offenlegungen bekannt, den Großteil seines privaten Multimillionen-Vermögens (geschätzt über 192 Millionen US-Dollar) in ebensolchen Cash-Vehikeln zu halten.
Was macht Geldmarktfonds so attraktiv?
Doch was genau fasziniert Milliardäre wie Kleinanleger gleichermaßen? Ein Geldmarktfonds investiert das Geld der Anleger ausschließlich in extrem sichere, kurzfristige Schuldtitel – wie eben Staatsanleihen mit Restlaufzeiten von wenigen Wochen oder Bankguthaben.
Ihre Attraktivität speist sich aus drei Faktoren. Zum einen bilden die Fonds das Zinsniveau der Zentralbanken (EZB oder Fed) fast eins zu eins ab. Steigen die Zinsen, profitiert der Anleger sofort am nächsten Tag. Im Gegensatz zum Festgeld ist das Kapital zudem nicht für Monate eingefroren. Anteile können an jedem Börsentag zu Geld gemacht werden. Und zuletzt kommt auch noch hinzu, dass Geldmarktfonds als Sondervermögen gelten. Sie sind auch dann geschützt, wenn die emittierende Fondsgesellschaft pleitegeht – im Gegensatz zur Einlagensicherung, die nur bis zu bestimmten Obergrenzen geht.
Die Favoriten: Vier beliebte Produkte im Check
Wer der Strategie von Buffett und Co. folgen möchte, greift meist zu börsengehandelten Geldmarkt-ETFs. Hier sind jeweils zwei der meistgenutzten Produkte in Deutschland und den USA:
Für den Euro-Raum (Fokus: EZB-Zins)
- Xtrackers II EUR Overnight Rate Swap UCITS ETF 1C (WKN: DBX0AN): Der unangefochtene Platzhirsch im deutschsprachigen Raum. Er bildet den Euro-Kurzfristzins (€STR) ab. Nach der jüngsten EZB-Zinserhöhung im Juni 2026 wirft er aktuell eine jährliche Rendite von knapp 2,15 % bis 2,18 % ab. Gewinne werden automatisch wieder angelegt (thesaurierend).
- Lyxor Smart Overnight Return UCITS ETF (WKN: LYX0WM): Eine ebenfalls sehr liquide Alternative, die nach einem ähnlichen Swap-Prinzip den Euro-Geldmarkt abbildet und sich ideal als flexibler Tagesgeld-Ersatz im Depot eignet.
Für den US-Dollar-Raum (Fokus: Fed-Zins)
- Xtrackers II USD Overnight Rate Swap UCITS ETF 1C (WKN: DBX0A0): Das direkte US-Pendant zum DBX0AN. Es profitiert vom höheren Zinsniveau der US-Notenbank (Fed) und wirft aktuell ca. 3,5 % bis 3,6 % ab. Achtung für Euro-Anleger: Hier besteht ein volles Wechselkursrisiko.
- Amundi US Treasury Bond 0-1Y UCITS ETF EUR Hedged Acc (WKN: A2P6TT): Dieser ETF investiert im Gegensatz zu den Swap-Modellen physisch direkt in echte, kurzlaufende US-Staatsanleihen (T-Bills) und spiegelt damit exakt das wider, was Warren Buffett im großen Stil betrieben hat. Er ist gegen Währungsrisiken abgesichert und kostet 0,07 % TER. (die nicht abgesicherte Dollar-Variante A2P6TS kostet 0,05 % TER)
Fazit: Eine der sichersten Anlagestrategien
Der globale Run auf den Geldmarkt zeigt deutlich, dass die Ära von "TINA" (There Is No Alternative – Es gibt keine Alternative zu Aktien) endgültig vorbei ist. Geldmarktfonds haben das traditionelle Tagesgeldkonto als effizientestes Parkwerkzeug abgelöst. Solange die Märkte von geopolitischen Spannungen und wirtschaftlichen Fragezeichen begleitet werden, bleibt "T-bill and chill" nicht nur für Warren Buffett, sondern auch für rationale Privatanleger einer der sichersten und vielleicht auch smartesten Anlagen der Finanzwelt.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

