Der American Dream bricht
Junge Amerikaner begraben den Hauskauf – und landen beim Krypto-Zocken
US-Studienkosten explodieren, Schulden steigen – und immer mehr Familien ziehen Konsequenzen. Während Gen Z früher investiert, verschiebt sich leise, aber massiv die Strategie für Vermögensaufbau.
- Eigenheim für viele unter 40 zunehmend unerreichbar
- Immer weniger junge sehen Hauskauf als gute Investition
- Aufgegebenes Wohneigentum steigert Konsum und Risiko
- Report: Achtung, Korrektur!
Für viele junge Amerikaner bricht ein zentraler Teil des amerikanischen Traums weg: das eigene Haus. Wie Fortune unter Berufung auf Daten des Pew Research Center berichtet, sagen fast 90 Prozent der US-Erwachsenen unter 40, dass der Kauf eines Eigenheims heute schwieriger ist als für ihre Eltern. Der Frust hat einen klaren Grund. Der Medianpreis für ein Eigenheim in den USA liegt inzwischen bei rund 400.000 US-Dollar und damit mehr als 20 Prozent über dem Niveau von 2019. Die mittleren Haushaltseinkommen sind im selben Zeitraum weitgehend stehen geblieben.
Diese Schere trifft vor allem junge Mieter. 2019 konnten sich laut Pew noch 56 Prozent der Mieterhaushalte unter 40 die monatlichen Kosten für Wohneigentum leisten. Bis 2024 fiel dieser Anteil auf nur noch 37 Prozent. Damit verändert sich nicht nur der Immobilienmarkt, sondern auch der Blick auf Vermögensaufbau. Nur 24 Prozent der Amerikaner unter 40 halten den Kauf eines Eigenheims noch für eine sehr gute Investitionsentscheidung. Bei Erwachsenen ab 60 Jahren sind es 38 Prozent.
Auch die Erwartung, überhaupt bald kaufen zu können, sackt ab. Eine Gallup-Umfrage zeigte im April, dass nur noch 25 Prozent der Nicht-Eigentümer damit rechnen, innerhalb von fünf Jahren ein Haus zu kaufen. Unter den 18- bis 34-Jährigen sind es 29 Prozent. Vor zehn Jahren lag dieser Anteil noch bei 53 Prozent. Gleichzeitig hat sich der Anteil derjenigen, die in absehbarer Zeit gar keinen Kauf erwarten, mehr als verdoppelt.
Die Folgen reichen über den Wohnungsmarkt hinaus. Eine Studie von Forschern der Northwestern University und der University of Chicago zeigt, dass Menschen, die die Hoffnung auf Wohneigentum aufgeben, im Verhältnis zu ihrem Vermögen mehr konsumieren, weniger arbeiten und häufiger riskante Anlagen wie Kryptowährungen wählen. Der Hauskauf war für viele Haushalte lange ein konkretes Sparziel: Anzahlung aufbauen, Bonität schützen, Schulden reduzieren. Fällt dieses Ziel weg, verliert auch die klassische Finanzplanung an Halt.
So entsteht ein gefährlicher Kreislauf. Wer Eigentum für unerreichbar hält, spart weniger zielgerichtet und weicht eher auf kurzfristigen Konsum oder spekulative Wetten aus. Gleichzeitig überdehnen sich manche Käufer, die trotz hoher Preise und Hypothekenzinsen noch in den Markt wollen. Laut VantageScore stiegen die mehr als 90 Tage überfälligen Hypothekenzahlungen im Dezember gegenüber dem Vorjahr um 18,6 Prozent.
Langfristig könnte sich der Markt entspannen, wenn Babyboomer in den kommenden ein bis zwei Jahrzehnten mehr Immobilien freimachen. Für junge Amerikaner, die heute im idealen Kaufalter sind und trotzdem zur Miete feststecken, ist das jedoch kaum Trost. Für sie bleibt das Eigenheim immer öfter kein Vermögensanker, sondern ein Traum auf dem Papier.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
