KI-Aktien leerverkauft
Bei dieser Short-Wette dürfte Crash-Prophet Michael Burry genau richtig liegen!
Starinvestor Michael Burry wettet gegen die Aktien von KI-Profiteuren. Vor allem beim Großgerätehersteller Caterpillar dürfte er mit seiner Einschätzung richtig liegen.
Willkommen zum Smartbroker+ Chart der Woche – Caterpillar
Während der US-Leitindex Dow Jones pünktlich zum 250. Geburtstag der USA ein neues Allzeithoch erreicht und seine Rekordjagd damit fortgesetzt hat, müssen sich Anlegerinnen und Anleger von Technologiewerten weiter auf neue Kursrekorde gedulden. Der Nasdaq 100 notiert gegenwärtig knapp 4 Prozent unter seinen bisherigen Rekordnotierungen.
Daran nicht unbeteiligt ist die wachsende Kritik an den bei vielen KI-Gewinnern inzwischen hohen Unternehmensbewertungen. In den vergangenen Wochen und Monaten sind die mahnenden Stimmen insbesondere gegenüber Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerten lauter geworden. Ausgewählte Einzelwerte erreichen bei bestimmten Bewertungskennziffern inzwischen Niveaus über denen der Dotcom-Blase. Das trifft beispielsweise auf das Kurs-Umsatz-Verhältnis von Halbleiterzulieferer Applied Materials zu.
Crash-Prophet Michael Burry wettet gegen Caterpillar
Doch nicht nur die Kritik wird lauter, es beginnen erste Investoren auch aktiv gegen den KI-Trend zu wetten. Vor allem Crash-Prophet Michael Burry sorgte zuletzt für viel Aufmerksamkeit – weil er es gewagt hat, vor der Aktie des neuen Anlegerlieblings und Speicherchipherstellers Micron zu warnen. Doch Micron ist nicht seine einzige Short-Wette. Nach eigenen Angaben in seinem Blog auf Substack hat er auch die Aktie von Baumaschinen- und Gasturbinenhersteller Caterpillar leerverkauft.
Das erscheint mit Blick auf die Vorhersagbarkeit eines möglichen Tops der Aktie die bessere und aussichtsreichere Wette, weil sich Preisvorhersagen hier zuverlässiger treffen lassen.
Während bei Micron nicht absehbar ist, wie lange das Unternehmen seine Speicherpreise noch fast nach Belieben anheben kann, ohne die Nachfrage danach zu zerstören, sind die Möglichkeiten von Caterpillar begrenzt. Während bei KI-Investitionen noch immer nicht absehbar ist, wie profitabel diese letztendlich ausfallen werden, können Kraftwerksbetreiber, Bauunternehmen und Rohstoffkonzerne mit sehr viel größerer finanzieller Sichtbarkeit entscheiden, wann sich der Kauf eines Gerätes von Caterpillar für sie noch lohnt und wann nicht. Auch der Chart der Aktie sowie die Unternehmensbewertung mahnen zur Vorsicht.
Caterpillar Chartsignale
- Mehrjähriger Aufwärtstrend: Angetrieben von einer verbesserten Geschäftsentwicklung handelt Caterpillar in einem mehrjährigen Aufwärtstrend.
- Technische Extreme: Nach 2 starken Trendverschärfungen liegen einige technische und statistische Extremsituationen vor, die Gefahr signalisieren.
- Blow-Off-Top: Im Wochenchart liegen Indizien für eine bereits final erfolgte Übertreibung vor, die jetzt in eine Gegenbewegung münden könnte.
- Trendwende möglich: Angesichts des sowohl technisch als auch fundamental weit fortgeschrittenen Trends ist eine dauerhafte Trendumkehr wahrscheinlich.
Quelle: Eigene Darstellung, abgebildeter Zeitraum: 06.07.2021 bis 06.07.2026
Bitte beachten Sie: Frühere Wertentwicklungen sind kein verlässlicher Indikator für künftige Wertentwicklungen. Außerdem kann die Rendite infolge von Wechselkursschwankungen
kleiner oder größer als die Basiswertentwicklung ausfallen.
Haben sich Anleger hier das eigene Grab geschaufelt?
Die Aktie von Caterpillar blickt auf eine in den vergangenen Jahren und insbesondere in den zurückliegenden 12 Monaten sehr starke Kursentwicklung zurück. In der Wahrnehmung der Marktteilnehmenden hat sich das Unternehmen vom Großgerätehersteller zum KI-Profiteur gewandelt. Der Boom bei Rechenzentren sorgt für eine hohe Nachfrage nach Baugeräten und Gasturbinen, um dem stetig wachsenden Energiebedarf gerecht zu werden. Gleichzeitig sorgen die anhaltend hohen Rohstoffpreise für eine weitere Sonderkonjunktur, sodass Caterpillar gleich von mehreren Megatrends profitiert hat, die sich in einem hohen Auftragseingang und verbesserter Preissetzungsmacht niedergeschlagen haben.
So gelang dem Konzern eine bemerkenswerte Trendwende. Entwickelten sich die Erlöse in einigen Quartalen der Geschäftsjahre 2024 und 2025 noch rückläufig, zog das Wachstum in den vergangenen 3 Quartalen dynamisch an. Nach 18,0 Prozent im vorvergangenen Quartal steigerte sich Caterpillar im jüngsten Vierteljahr um beeindruckende 22,0 Prozent. Auch die Quartalsgewinne legten wieder zu, lagen aber noch unter früheren Rekordergebnissen – das steht in deutlichem Kontrast zur Kursentwicklung.
Die Trendwende könnte bereits angelaufen sein
Die zeichnete sich seit dem Bärenmarkttief im Herbst 2022 durch einen dauerhaften Aufwärtstrend aus, der von zwei bemerkenswerten Trendbeschleunigungen gekennzeichnet ist, die zur starken Performance insbesondere in den vergangenen 12 Monaten beigetragen haben. Zuletzt erreichte Caterpillar knapp unterhalb von 1.100 US-Dollar neue Rekordnotierungen. Genau hier will Burry nach eigenem Bekunden eingestiegen sein (seine Transaktionen sind nicht veröffentlichungspflichtig).
Die Entscheidung ist sowohl aus technischer wie auch aus fundamentaler Perspektive nachvollziehbar. Im Chart deuten die zwei sehr langen Dochte nach Abprallern an der Aufwärtstrendkanalkante auf ein potenzielles Blow-Off-Top hin – eine These, welche durch das extrem hohe Handelsvolumen in der vorletzten Woche unterstützt wird (höchstes wöchentliches Volumen seit fast 2 Jahren).
Gleichzeitig ist die Rekordjagd der vergangenen Monate technisch unvollständig. Zwar konnte der Trendstärkeindikator MACD dem Anstieg der Aktie folgen, doch im Relative-Stärke-Index liegen trotz überkaufter Niveaus der Aktie (Wochen-, Monats-RSI um 75 Punkte) bearishe Divergenzen vor. Die gelten als Vorboten potenzieller Trendwenden. Weitere Warnsignale sind der enorm große Abstand zu den Durchschnittslinien, die ebenfalls auf einen überhitzten Trend hindeuten, sowie Wochen- und Monatskerzen, die zuletzt über die (nicht eingezeichneten) Bollinger Bänder geklettert sind. Das zeigt eine statistische Extremsituation an und mündet oft in empfindliche und nachhaltige Korrekturen. Bei Caterpillar dürften auf der Long-Seite die Risiken die Gefahren also längst übersteigen.
Die Bewertung ist außer Kontrolle geraten
Auch der Blick auf die Unternehmensbewertung zeigt, dass die Kritik von Michael Burry gerechtfertigt ist. Die Aktie hat sich mit ihren Kennziffern weit sowohl vom Branchendurchschnitt als auch der historischen Norm entfernt.
Für das laufende Geschäftsjahr ist ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 39,8 veranschlagt. Das liegt um das Doppelte gegenüber dem 5-Jahres-Mittel von 19,8. Gegenüber dem Branchendurchschnitt handelt Caterpillar mit einem Aufpreis von 70 Prozent. Zum Vergleich: die beiden Mitbewerber Komatsu und Cummins handeln mit Gewinnvielfachen von 15,1 beziehungsweise 23,3. Gleichzeitig dürfte Caterpillar kaum in der Lage dazu sein, schnell genug in seine Bewertung hineinzuwachsen, denn das Kurs-Gewinnwachstumsverhältnis (PEG) liegt bei 2,23 und ist damit als teuer zu bewerten – in den vergangenen 5 Jahren handelte die Aktie durchschnittlich mit einem PEG von 1,79.
Dieser Trend setzt sich durch die gesamte Bandbreite von Bewertungskennzahlen fort, wo Aufschläge sowohl gegenüber der Vergleichsgruppe als auch der historischen Norm zwischen 70 und über 100 Prozent bestehen. Das deutet auf eine strukturelle Überbewertung hin. Dementsprechend vergibt die Börseninformationsplattform SeekingAlpha der Aktie für ihre Bewertung eine glatte 6 (F-Grade nach dem US-amerikanischen Schulsystem).
Fairer Wert laut Wall Street bereits erreicht
Unter Wall-Street-Expertinnen und -Experten ist die Aktie mehrheitlich zum Kauf empfohlen. Bei insgesamt 28 Einschätzungen kommt Caterpillar 14 mal auf „Kaufen“ sowie einmal auf „Übergewichten“. Dem stehen 11 neutrale Bewertungen sowie zwei mit „Verkaufen“ gegenüber, was in Summe zu einer Empfehlung zum „Übergewichten“ ergibt.
Den fairen Wert der Aktie sehen Analystinnen und Analysten inzwischen erreicht. Der liegt mit 957,76 US-Dollar um 0,6 Prozent unter dem Schlusskurs vom vergangenen Donnerstag. Die Bandbreite der aktuellen Kursziele reicht dabei weit. Während die eine der beiden Verkaufsempfehlungen Caterpillar bei 575,00 US-Dollar (-40, Prozent) fair bewertet sieht, traut Truist Securities Caterpillar einen Anstieg bei 1.218,00 US-Dollar (+26,4 Prozent) zu.
Grundsätzlich sind Analystinnen und Analysten dem Preisanstieg der vergangenen Monate reaktiv und nicht proaktiv gefolgt. Sollte es zu einer Trendwende kommen, liegt der Verdacht nahe, dass die Kursziele ebenso schnell sinken werden, wie sie zuvor angehoben wurden.
Caterpillar auf einen Blick
- ISIN: US1491231015
- Börsenwert: 443,8 Milliarden US-Dollar
- Dividendenrendite: 0,7 Prozent
- KGVe 2026: 39,1
- Durchschnittliche Analystenempfehlung: Übergewichten
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion
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