Die Gier rächt sich
Siemens Energy am DAX-Ende: Deshalb fliegt die Aktie heute aus den Depots
Die Aktie war einer der großen DAX-Gewinner. Jetzt kommt Barclays mit der kalten Dusche: Der Markt könnte schon zu viel Zukunft eingepreist haben.
- Barclays stuft Siemens Energy wegen Bewertung ab
- Markt könnte künftiges Wachstum bereits einpreisen
- Auftragseingang und Free Cashflow erreichen 2026 Zenit
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Siemens Energy ist am Dienstag ans DAX-Ende gerutscht. Die Aktie verlor rund 7 Prozent, nachdem Barclays den Titel trotz eines höheren Kursziels abgestuft hatte. Die britische Investmentbank hob ihr Ziel zwar von 110 auf 130 Euro an, senkte die Einstufung aber von "Equal Weight" auf "Underweight". Für Anleger ist das ein ungewöhnlich hartes Signal: Barclays traut dem Unternehmen operativ weiter mehr zu, hält die Aktie nach der starken Rallye aber für zu teuer.
Analyst Vlad Sergievskii begründet die Abstufung vor allem mit der Bewertung. Die Aktie preise bereits ein, dass der beste Geschäftszyklus einer ganzen Generation dauerhaft anhalte. Zwar rechnet Barclays bis 2030 mit einer durchschnittlichen Ergebnissteigerung von 25 Prozent pro Jahr. Gleichzeitig könnten aber Auftragseingang und Free Cashflow bereits 2026 ihren Höhepunkt erreichen. Genau darin liegt der Kern der Warnung: Selbst wenn Siemens Energy weiter besser arbeitet, könnte der Markt die gute Nachricht längst vorweggenommen haben.
Besonders im Gasgeschäft sieht Barclays Anzeichen für eine Normalisierung. Die Nachfrage nach Gasturbinen dürfte sich demnach rund 30 Prozent unter dem aktuellen Tempo einpendeln, auch wenn sie weiterhin über dem langfristigen historischen Durchschnitt bleiben könnte. Zudem seien Lieferungen für Energieerzeugungsanlagen über die kommenden drei bis vier Jahre bereits weitgehend reserviert oder vorab gebucht. Das stützt zwar den Auftragsbestand, könnte aber die Fantasie für weitere positive Überraschungen begrenzen.
Auch beim Free Cashflow wird Barclays vorsichtiger. Die Bank erwartet, dass dieser bereits 2026 seinen Zenit erreicht. Danach könnten positive Effekte aus dem Working Capital nachlassen und die Cash Conversion ab 2028 schwächer werden. Hinzu kommt ein möglicher Mittelabfluss aus Indien im Jahr 2028, der den Spielraum für größere Ausschüttungen an Aktionäre begrenzen könnte.
Damit ist die Abstufung weniger ein Misstrauensvotum gegen die operative Entwicklung als ein Warnschuss gegen die Bewertung. Siemens Energy hat sich strategisch stabilisiert, im Gas- und Netzgeschäft besser umgesetzt und vom Energieinfrastruktur-Boom profitiert. Doch nach der starken Kursrallye wird die Messlatte höher. Barclays sieht das Risiko, dass Anleger für künftiges Wachstum bereits zu viel bezahlt haben. Der Kursrutsch zeigt, wie nervös der Markt inzwischen reagiert, wenn bei einer heiß gelaufenen Aktie nur der Verdacht aufkommt, dass der beste Teil des Zyklus näher am Höhepunkt als am Anfang liegt.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

