War das erst der Anfang?
Infineon-Aktie mit Verkaufssignal: Kommt es jetzt erst richtig dick?
Die Anteile von Halbleiterwert Infineon sind am Dienstag unter die 50-Tage-Linie gefallen. Damit gewinnt die Korrektur technisch weiter an Fahrt.
- Aktie fällt unter 50-Tage-Linie als Verkaufssignal
- KI-Trade verliert Schwung mit starken Kursverlusten
- Hohe Bewertung KGVe 2026 von 61 treibt Verluste an
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Infineon: Erst wollte niemand die Aktie, dann plötzlich alle
Lange haben sich Anlegerinnen und Anleger mit der Idee schwer getan, dass auch Infineon ein Profiteur des KI-Booms sein könnte. Noch im vergangenen Jahr zeigte sich die Aktie von der Begeisterung der revolutionären Technologie weitestgehend unbeeindruckt – Investoren dachten im Zusammenhang mit dem DAX-Wert eher an die Absatzkrise in der Automobilindustrie und den begrenzten Möglichkeiten von Infineon, in diesem Umfeld zu operativ zu glänzen.
Mit dieser Einschätzung lagen sie kräftig daneben, denn die noch nie dagewesene Krise bei Speicherchips eröffnete auch Infineon neue Möglichkeiten, seine Geschäfte zu expandieren, und sorgte auf dem Höhepunkt der Begeisterung für die Aktie für eine Verdreifachung gegenüber den Notierungen noch im vergangenen Herbst. Selbst das uralte Allzeithoch, markiert auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase, konnte übertroffen werden.
Der KI-Trade gerät in immer größere Schwierigkeiten
Doch in den vergangenen Wochen hat der KI-Trade bei Halbleiter- und Infrastrukturwerten spürbar an Schwung verloren. Immer drängender werden Fragen nach der Nachhaltigkeit des Booms, nach den Bewertungen und der Finanzierung des immer teurer werdenden Ausbaus von Rechenzentren. Dazu kommen riskante Wetten von Anlegerinnen und Anlegern mit geliehenem Geld und hohen Hebeln – vor allem der südkoreanische Aktienmarkt sendete zuletzt wiederholt Schockwellen.
So auch am Dienstag, als die Anteile von Samsung trotz eines gewaltigen Gewinnergebnisses einbrachen und erneut für eine Handelsunterbrechung sorgten. Einmal mehr kam es branchenweit zu heftigen Kursverlusten, von diesen blieb auch die Infineon nicht verschont, dessen Aktie mit einem Minus von 8,3 Prozent am DAX-Ende landete – und deren Abwärtstrend sich nach einem frischen Verkaufssignal jetzt zu verschärfen droht.
Trendwende nach bearishen Divergenzen und Doppel-Top
Mit Blick auf das vor wenigen Tagen markierte Allzeithoch notiert Infineon in einem übergeordneten Aufwärtstrend. Zwar kam es im Zusammenhang mit dem Iran-Krieg zu einer zwischenzeitlich empfindlichen Korrektur der Aktie, doch diese konnte Infineon nichts anhaben, nachdem eine U-förmige Konsolidierung und ein Ausbruch über 48 Euro für neuen Schwung gesorgt hatte.
Im Anschluss kam es zu einem fahnenstangenartigen Kursanstieg, der schließlich in neue Rekordnotierungen mündete, gleichzeitig aber auch zur Vorsicht mahnte, da die Aktie mit Blick auf den Relative-Stärke-Index (RSI) extrem stark überverkauft war.
Der lieferte außerdem bearishe Divergenzen und konnte der Aktie nicht auf neue Hochs folgen – das gelang zwar dem Trendstärkeindikator MACD, doch die Hochs im Bereich von 90 Euro blieben technisch unvollständig, was den Abwärtsdruck jetzt verschärft.
Die 50-Tage-Linie könnte erst der Anfang gewesen sein
Am Dienstag ist die Aktie unter ihre 50-Tage-Linie gefallen, das stellt ein erstes Verkaufssignal dar. Diesem sollten Anlegerinnen und Anleger jetzt Beachtung schenken, weil es zur Verschärfung der Korrektur beitragen könnte. Anlass für diese Vermutung ist die Beobachtung, dass der RSI trotz der bereits hohen Verluste von rund 20 Prozent gegenüber den Allzeithochs noch nicht im überverkauften Bereich angelangt ist. Kurzfristig ist das Abwärtspotenzial also noch nicht ausgeschöpft.
Der Trendstärkeindikator MACD zeigt außerdem, dass die Aktie ganz erheblich an Momentum eingebüßt hat. Das ist gleich doppelt ein Problem, weil Infineon von Algorithmen und automatisierten Handelsstrategien, die Stärke kaufen, jetzt nicht mehr berücksichtigt wird. Gleichzeitig zeichnet sich bereits ein Vorzeichenwechsel ab, der dazu führen könnte, dass der MACD den Beginn eines neuen Abwärtstrends anzeigt und die jüngste Korrektur damit verstetigen dürfte.
Bullishe Divergenzen liegen unterdessen noch keine vor. Das zeigt ebenfalls, dass eine Kehrtwende der Aktie noch nicht auszumachen ist und mit weiteren Verlusten gerechnet werden sollte. Im Bereich von 60 Euro liegt eine vage Unterstützung, deutlich besser abgesichert dürfte Infineon im Bereich der Ausbruchszone um 48 Euro sein. Hier würde das Papier auch auf die 200-Tage-Linie treffen. Zur Oberseite hingegen ist die Gefahr erst gebannt, wenn Infineon technisch bestätigt auf neue Allzeithochs klettert. Das ist gegenwärtig jedoch nicht abzusehen.
Fazit: Auch die Bewertung lässt weitere Verluste befürchten
Mit Blick auf die Unternehmensbewertung war eine Korrektur längst überfällig. Selbst jetzt ist Infineon noch mit einem KGVe 2026 von fast 61 bewertet. Das liegt meilenweit über dem Durchschnitt der vergangenen 5 Jahre von 28,8. Selbst für 2027 liegt das KGVe mit 33 noch über der historischen Norm. Bis Infineon in seine Bewertung hingewachsen ist, müssen Anlegerinnen und Anleger also unter Annahme konstanter Kurse ein bis eineinhalb Jahre warten.
Branchenintern handelt sogar Nvidia inzwischen mit attraktiveren Gewinnvielfachen (auch unter Berücksichtigung des Kurs-Gewinnwachstumsverhältnisses). Das zeigt, dass es Anlegerinnen und Anleger hier zu gut gemeint haben – und dafür jetzt einen Preis bezahlen müssen.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion


