Jetzt brennt die Marine-Wette
Rheinmetall friert 900 Jobs ein – und der Markt zieht die Reißleine
CEO Pappergers Schiffbau-Plan bekommt den nächsten Schlag: Rheinmetall stoppt den weiteren Jobaufbau bei Naval Systems. Anleger schicken die Aktie deutlich ins Minus.
- Rheinmetall stoppt Personalaufbau bei Naval Systems
- Fregattenauftrag platzt Anleger drücken Aktie ins Minus
- Pappergers Schiffbaupläne nach Lürssen Kauf gebremst
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Rheinmetall zieht nach dem geplatzten Fregattenauftrag der Bundeswehr offenbar direkte Konsequenzen. Die Aktie reagiert deutlich und liegt aktuell rund 3,7 Prozent im Minus. Der Düsseldorfer Rüstungskonzern hat den geplanten Personalaufbau bei seiner Militärschiffbausparte Naval Systems gestoppt. Nach einem Bericht von Capital sollten dort ursprünglich rund 1.000 neue Stellen entstehen. In den vergangenen Monaten hatte Rheinmetall bereits 100 Mitarbeiter eingestellt, weil das Unternehmen auf den Auftrag für das F126-Projekt der Bundeswehr hoffte. Der weitere Aufbau von 900 Stellen liegt nun auf Eis. "Ohne den Auftrag der Bundeswehr können wir keinen weiteren Mitarbeiter einstellen", heißt es laut Capital aus Unternehmenskreisen.
Der Rückschlag trifft Rheinmetall nur wenige Monate nach einem strategisch wichtigen Zukauf. Im März hatte der Konzern die Militärmarinesparte Naval Vessels Lürssen von der Bremer Lürssen Werft übernommen und damit seinen Einstieg in den militärischen Schiffbau deutlich ausgebaut. Die Hoffnung: Rheinmetall könnte beim milliardenschweren F126-Projekt eine zentrale Rolle übernehmen, nachdem der ursprüngliche Auftragnehmer, die niederländische Werft Damen, wegen Verzögerungen unter Druck geraten war.
Ende Juni stoppte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius das Projekt jedoch. Das Ministerium verwies auf erhebliche Verzögerungen, erwartete Kostensteigerungen und Risiken bei einer möglichen Übertragung auf einen neuen Auftragnehmer. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits mehr als 2 Milliarden Euro in das Vorhaben geflossen. Rheinmetall hatte dem Verteidigungsministerium später ein Angebot für sechs Fregatten vorgelegt. Die Kosten hätten bei rund 18 Milliarden Euro gelegen, die Übergabe an die Bundeswehr wäre statt 2028 erst 2032 möglich gewesen.
Stattdessen will Pistorius nun acht Fregatten des Typs Meko A-200 beim deutschen Wettbewerber TKMS beschaffen. Für Rheinmetall bedeutet die Entscheidung einen empfindlichen Dämpfer im Ausbau des Marinegeschäfts. Der Konzern hatte nach der Übernahme von NVL auf zusätzliche Bundeswehr-Aufträge gesetzt, um seine Position im Schiffbau zu stärken und neue Umsatzquellen neben dem boomenden Land- und Munitionsgeschäft zu erschließen.
Rheinmetall will die fehlenden Erlöse nun offenbar durch andere Aufträge kompensieren. Konzernchef Armin Papperger führt dazu Gespräche mit Verteidigungsminister Pistorius. Der Ausgang ist offen. Klar ist aber schon jetzt: Der geplatzte Fregattendeal bremst nicht nur die Expansionspläne im Marinegeschäft, sondern stellt auch die Frage, wie schnell Rheinmetall seine ehrgeizigen Wachstumsziele nach dem Sprung in den Schiffbau tatsächlich erreichen kann.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

