Aktie vor Neubewertung
Bayer: Der Roundup-Albtraum wird jetzt zur Zerschlagungs-Wette
Jahrelang war Roundup der Albtraum. Jetzt sieht Berenberg genau dort den Hebel: Juristische Siege könnten Bayer den Weg zum Teil-Börsengang von Crop Science öffnen.
- Bundesrichter prüft Auflösung gebündelter Roundupklagen
- 60.000 Landesklagen und 6,2 Mrd Euro Vergleich geplant
- Berenberg sieht Teil-Börsengang von Crop Science
- Report: Achtung, Korrektur!
Bayer steht in den USA vor einem wichtigen juristischen Termin im Dauerstreit um den Unkrautvernichter Roundup. Am Donnerstag will der Konzern einen Bundesrichter in San Francisco davon überzeugen, ein gebündeltes Verfahren mit fast 4.000 Klagen aufzulösen. Bayer beruft sich dabei auf eine jüngste Entscheidung des Supreme Court, wonach Kläger den Konzern nicht mit dem Argument verklagen können, Roundup habe Nutzer auf dem Etikett nicht ausreichend vor Krebsrisiken gewarnt. US-Bezirksrichter Vincent Chhabria hatte die Statuskonferenz zunächst für Dienstag angesetzt, sie aber um zwei Tage verschoben, um von beiden Seiten weitere Details zu den Folgen des Supreme-Court-Urteils zu erhalten.
Für Bayer geht es um mehr als nur diesen Verfahrenskomplex. Der Konzern, der Roundup 2018 mit der Monsanto-Übernahme ins Haus holte, kämpft seit Jahren mit milliardenschweren Glyphosat-Risiken. Bayer argumentiert, Ansprüche wegen unzureichender Warnhinweise stünden im Zentrum der Klagen. Das gebündelte Bundesverfahren habe nach der Supreme-Court-Entscheidung "keinen Grund zu existieren". Die Klägerseite widerspricht und verweist darauf, dass andere Vorwürfe wie Fahrlässigkeit oder Konstruktionsfehler von der Entscheidung nicht erfasst seien. Chhabria machte bereits deutlich, dass er keine einfache Alles-oder-nichts-Lösung erwartet und beide Seiten komplexe Rechtsfragen weiterverfolgen müssten.
Parallel bleiben mehr als 60.000 ähnliche Ansprüche vor einzelstaatlichen Gerichten anhängig. Bayer selbst erwartet, dass die Supreme-Court-Entscheidung darauf nur begrenzte Auswirkungen hat. Die meisten dieser Fälle will der Konzern über einen vorgeschlagenen Vergleich von rund 6,2 Milliarden Euro, umgerechnet 7,25 Milliarden US-Dollar, beilegen. Eine Fairness-Anhörung in Missouri ist für den 19. August geplant. Bayer betont weiterhin, jahrzehntelange Studien hätten gezeigt, dass Glyphosat sicher sei und keinen Krebs verursache.
An der Börse bekommt die juristische Entwicklung dennoch neue strategische Bedeutung. Berenberg hob das Kursziel für Bayer bei unverändertem "Halten"-Rating von 40,50 auf 55 Euro an. Die Analysten sehen in den jüngsten juristischen Erfolgen einen möglichen Türöffner für eine spätere Aufspaltung des Konzerns. Denkbar sei ein teilweiser Börsengang des Crop-Science-Geschäfts, also faktisch eines "neuen Monsanto". Ein solcher Schritt könnte Bayer finanziellen Spielraum verschaffen, während die Aspirin-Marke im Konzern bliebe und der Pharmabereich entweder frische Mittel oder eine Entlastung bei Schulden erhielte. Damit wird der Roundup-Komplex für Anleger nicht nur zur Rechtsfrage, sondern zum möglichen Schlüssel für den nächsten strategischen Befreiungsschlag.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

