Speicherchips vor Armageddon
Halbleiter-Crash: Gibt es 2027 ein Chip-Überangebot?
In diesem Jahr sind die Speicherchip-Kapazitäten derart eng, dass Halbleiterunternehmen hohe Preise am Markt verlangen konnten. Was passiert, wenn im nächsten Jahr die Nachfrage brüchiger wird?
- Aktuell knappe Speicherkapazitäten treiben Preise
- Ausbau führt zu Überkapazität und fallenden Preisen
- HBM- und DRAM-Überangebot könnte Aktien stark belasten
- Report: Achtung, Korrektur!
Während des KI-Booms um Speicherchips kam auch immer wieder diese Frage auf: haben sich Chip-Aktien eigentlich von ihrer Zyklizität gelöst? Die Antwort war häufig: ja, weil Künstliche Intelligenz eine so grundlegende neue Errungenschaft ist, deren Bedarf über Jahre nicht gedeckt werden kann.
Das aber wiederum ist aber nur eine Antwort, oder eine Seite der Medaille. Denn Nachfragespitzen lösen sich auch mit Überproduktion und wiederum sinkendem Bedarf ab. Es ist Zeit, genauer auf den Halbleitermarkt und seinen Perspektiven für das kommende Jahr zu schauen.
Die Speicherhersteller haben wegen der KI-Nachfrage massiv in die Produktion investiert. Der Boom war real, die Nachfrage kam nicht hinterher. Deswegen musste Apple schließlich die Preise seiner Endgeräte massiv erhöhen.
Diese neuen Produktionskapazitäten der Halbleiter-Hersteller kommen aber mit Verzögerung auf den Markt und zwar genau dann, wenn die erste Nachfragewelle sich erholt haben könnte. Geht man davon aus, dass viele Unternehmen bereits ab 2025 an ihren Kapazitäten nach oben geschraubt haben, so könnte sich ab 2027 eine ganz neue Perspektive für den Chipmarkt ergben.
Denn: Ab 2027 könnte dadurch mehr DRAM-Angebot entstehen, als der Markt aufnehmen kann. Und das würde typischerweise zu fallenden Preisen und sinkenden Margen führen, wie in früheren Speicherzyklen.
ABER: Chip ist nicht gleich Chip. Es geht bei den KI-Speicherchips vornehmlich um die HBM-Chips. Auch in diesem Segment könnte die Überkapazität auf den Markt treffen, vielleicht etwas verzögerter, als sich dies bereits ab nächstem Jahr mit den DRAM-Chips ereignen könnte.
Wenn der Markt sich normalisiert, dann werden die Margen der Chip-Hersteller wieder schmaler. Und der Zyklus gerät wieder in die Abschwungphase. Und da die Aktien Halbleiter-Hersteller hier große Gewinne für die Zukunft bereits eingepreist haben, könnte es auch am Kapitalmarkt zu erheblichen Abverkäufen kommen; zu noch viel stärkeren, als bereits es bereits jetzt schon der Fall ist.
Autor: Krischan Orth, wallstreetONLINE Redaktion

