Ölmarkt: Radikale Wende
Ölpreisprognose: Warum Brent-Öl jetzt auf 100 US-Dollar steigen könnte
Der Ölmarkt bebt. Die Ölpreise schießen in die Höhe. Die Nerven der Anleger liegen blank - ein Großteil wurde offenkundig auf dem falschen Fuß erwischt. Dabei mehrten sich zuletzt die Warnzeichen.
- Nahostkonflikt und Ölembargo treiben Ölpreis hoch
- Steigende Ölpreise treiben Renditen und Dollar an
- Leere Öllager vor Reisesaison erhöhen Verknappungsrisiko
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Aktuelle Ölpreisentwicklung: Brent-Öl und WTI-Öl starten wieder durch
Der Nahost-Konflikt flammt wieder auf. Die Waffenruhe ist beendet. Die USA haben zudem das gegen den Iran verhängte Ölembargo wieder aktiviert. Der Ölmarkt steht Kopf. Man hatte sich auf ein steigendes Ölangebot und damit einhergehend auf sinkende Ölpreise eingerichtet. Wie (fast) immer an der Börse rächte es sich auch dieses Mal, dass eine Marktmeinung zu dominant wurde und handfeste Warnsignale ignoriert wurden. Der Markt wähnte sich in trügerischer Sicherheit und unterschätzte die Risiken einer ohnehin fragilen Lage.
Brent-Öl hat die zuletzt an dieser Stelle thematisierte rasante Wende vollzogen und nähert sich nun mit großen Schritten dem skizzierten Bewegungsziel von 80 US-Dollar. Dabei muss es nicht bleiben, denn sowohl die aktuellen Entwicklungen als auch die gegenwärtig vorherrschende Rhetorik lassen kurzfristig nicht viel Gutes erwarten. Dass die Eskalation vor dem Hintergrund des laufenden NATO-Gipfels stattfindet, dürfte auch kein Zufall sein.
Rasant steigende Ölpreise lassen Finanzmärkte beben
Die Zinssorgen sind zurück. Die rasant steigenden Ölpreise haben die Anleiherenditen beflügelt. So sprangen die Renditen der 10-jährigen US-Staatsanleihen kräftig nach oben. Die eminent wichtige und bislang limitierende Marke von 4,5 Prozent wurde pulverisiert. Der US-Dollar ist wieder obenauf. Der US-Dollar-Index hat die 101-Punkte-Marke übersprungen. Unter der Last hoher Renditen rutschen die Aktienmärkte ab. DAX, Dow Jones Industrial, Nasdaq 100 und andere suchen nach Halt. Für die Edel- und Industriemetalle kommt es knüppeldick. So werden etwa Gold, Silber und Kupfer zur Stunde gerupft. Aber es gibt sie, die Ausnahmen. Ein Metall stemmt sich gegen den Abverkauf und bewahrt somit die Chance auf eine Fortsetzung der fulminanten Rallye.
Explosives Gemisch – drohende Angebotsverknappung, Saisonalität und leere Öllager
Die Situation ist außerordentlich explosiv. Die Verschärfung des Nahost-Konflikts könnte Brent-Öl und WTI-Öl wieder in Richtung der 100-Dollar-Marke treiben. Die Öllager sind vergleichsweise leer. Eine Angebotsverknappung würde daher auf die Ölpreise durchschlagen. Bestes Beispiel sind die USA. Unmittelbar vor der nachfragestarken Reisesaison wies die EIA (U.S. Energy Information Administration) für die Woche zum 26. Juni die kommerziellen US-Rohöllagerbestände mit 408,4 Mio. Barrel aus. Damit lagen die Ölvorräte 7 Prozent unter dem saisonalen 5-Jahres-Durchschnitt. Im weiteren Tagesverlauf (nach Redaktionsschluss) werden die aktuellen Daten für die Woche zum 03. Juli erwartet.
Fazit - Warum Brent-Öl jetzt auf 100 US-Dollar steigen könnte
Brent-Öl hat im Bereich von 70 US-Dollar die erwartete Wende vollzogen. Der Ölpreis steuert aktuell auf die 80-US-Dollar-Marke zu. Das zuletzt an dieser Stelle skizzierte Szenario nimmt Form an. Wie könnte es nach dem Erreichen der 80 US-Dollar weitergehen? Die Wucht und die Vehemenz der zu beobachtenden Zwischenrallye lassen eine Ausdehnung der Bewegung über die 80 US-Dollar hinweg erwarten. Aber noch notiert Brent-Öl unterhalb dieses Preisbereiches. Damit lebt die Chance, dass der Ölmarkt doch nicht vollständig eskaliert. Sollte Brent-Öl aber der Sprung über die 80 US-Dollar gelingen, könnte es rasch in Richtung 90 US-Dollar oder gar 100 US-Dollar gehen. Der Preisbereich von 70 US-Dollar hat nun zentrale Bedeutung als Unterstützung.
Die Aktien der Ölkonzerne drehten zunächst ebenfalls nach oben. ExxonMobil, Chevron, Shell, BP & Co. verzeichnen gegenwärtig kräftige Kursgewinne und könnten vor der Wiederaufnahme ihrer Aufwärtsbewegungen stehen.
Autor: Marcel Torney, freier Redakteur, Rohstoffexperte
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