China schockt KI-Aktien
KI-Abverkauf lässt DAX kalt: Mercedes verdient mehr und Teamviewer unter Druck
China sorgt für den nächsten Abverkauf bei KI-Aktien. Besonders schlimm traf es dabei die asiatischen Märkte. Den DAX lässt das allerdings kalt. Nach den Zahlen von Mercedes rückt das Allzeithoch immer näher.
- Asiatische KI-Aktien stürzen wegen Chinaängsten ab
- Dax nähert sich Allzeithoch nach Mercedeszahlen
- Öl- und Goldpreise sinken, Dollar stärkt sich
- Report: KI-Euphorie kippt - Bei diesen 5 Aktien droht der Crash!
Die weiter sinkenden Energiepreise dürften dem Dax auch am Dienstag Rückenwind geben. Der deutsche Leitindex könnte an seine Gewinne vom Wochenauftakt anknüpfen und sich dem Rekordhoch von 25.900 Punkten nähern. Der Broker IG taxierte den Dax rund eine Stunde vor dem Xetra-Start 0,3 Prozent höher auf 25.445 Zähler.
Nach dem kräftigen Preisrückgang bei Rohöl und Gas am Montag geht es weiter abwärts. Ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Lieferung im September kostete zuletzt rund 87 US-Dollar. In der vergangenen Woche war der Preis zeitweise noch über 100 US-Dollar gestiegen.
Gleichzeitig gewinnt die Berichtssaison in Deutschland an Fahrt. Am Dienstag legen Mercedes-Benz und Teamviewer ihre Quartalszahlen vor. Im Fokus stehen zudem Aktien mit Bezug zu künstlicher Intelligenz. Sie gerieten im US-Handel sowie an den Börsen in Japan und Südkorea teils deutlich unter Druck. Belastend wirkten Sorgen vor stärkerer Konkurrenz aus China und steigenden Finanzierungskosten.
China schockt US-KI-Aktien
Die Hoffnung auf eine Entspannung im Nahost-Konflikt drückte am Montag die Ölpreise. An den US-Börsen sorgte das jedoch nur zeitweise für Rückenwind. Vor allem Technologiewerte gerieten unter Druck. Belastend wirkten Sorgen über wachsende Konkurrenz aus China und Zweifel an der Profitabilität großer KI-Projekte.
Zu Handelsbeginn legten die wichtigsten Indizes noch rund ein Prozent zu. Auslöser war eine erneute Feuerpause im Krieg zwischen den USA und dem Iran. Im weiteren Verlauf schmolzen die Gewinne jedoch weitgehend dahin.
Der Dow Jones Industrial rettete ein Plus von 0,51 Prozent ins Ziel und schloss bei 52.210,08 Punkten. Der S&P 500 gewann lediglich 0,02 Prozent auf 7.413,18 Zähler. Schwächer entwickelte sich der Nasdaq 100. Der technologielastige Index verlor 0,3 Prozent und beendete den Handel bei 28.039,21 Punkten. Damit setzte er seine jüngste Abwärtsbewegung fort. Zuvor war der Index bereits auf den tiefsten Stand seit Anfang Mai gefallen.
Besonders Halbleiterwerte litten unter neuen Berichten aus China. Das Magazin „The Information“ berichtete über den Start der Produktion von DUV-Lithografiesystemen im Land. Anleger befürchten deshalb, dass chinesische Anlagen die Technik des Branchenführers ASML zunehmend ersetzen könnten, sofern eine Serienfertigung gelingt.
Zusätzliche Aufmerksamkeit erhielt der Börsengang des chinesischen DRAM-Speicherherstellers CXMT. Die Aktie vervielfachte sich an ihrem ersten Handelstag in Shanghai.
KI-Angst zerlegt Asien: Südkoreas Börse stürzt um fast zehn Prozent
An den asiatischen Aktienmärkten ist am Dienstag ein heftiger Ausverkauf ausgebrochen. Besonders brutal traf es Südkorea. Der Kospi brach zeitweise um rund 9,4 Prozent ein und fiel auf den niedrigsten Stand seit drei Monaten. Wegen der massiven Verluste wurde der Handel vorübergehend unterbrochen.
Im Zentrum des Absturzes stehen die großen Chiphersteller. SK Hynix verlor zeitweise 14 Prozent. Samsung Electronics sackte um bis zu 13,4 Prozent ab. Beide Konzerne machen zusammen fast die Hälfte des Kospi aus. In Japan brach Kioxia um fast 18 Prozent ein. MediaTek verlor in Taiwan mehr als neun Prozent. Der japanische Nikkei gab rund vier Prozent nach.
Die Investoren zweifeln zunehmend daran, ob die enormen Ausgaben für künstliche Intelligenz jemals ausreichende Renditen liefern. Zusätzliche Sorgen bereiten Fortschritte chinesischer Chiphersteller und Berichte über mögliche Finanzierungszusagen von Nvidia für ein riesiges OpenAI-Rechenzentrum.
Die Botschaft des Dienstagshandels ist deutlich: Die KI-Euphorie ist nicht verschwunden. Aber erstmals stellen Anleger offen die Rechnung infrage – und fliehen ausgerechnet aus den bisherigen Börsenlieblingen.
Mercedes: Gewinn rauf - Prognose runter
Der Dax-Konzern senkte deshalb am Dienstag seine Umsatzprognose für das laufende Jahr. Statt eines Erlöses auf Vorjahresniveau erwartet Mercedes nun einen Umsatz leicht unter dem Wert des Vorjahres. Zusätzlich verbuchte der Autobauer eine Wertminderung von 704 Millionen Euro auf seine chinesischen Gemeinschaftsunternehmen.
Die bereinigte operative Marge im Pkw-Geschäft fiel im zweiten Quartal im Jahresvergleich um 1,1 Prozentpunkte auf vier Prozent. Damit lag sie dennoch etwas über den Erwartungen der Analysten.
Neben den Einfuhrzöllen in die USA macht Mercedes vor allem die schwache Nachfrage in China zu schaffen. Konzernchef Ola Källenius rechnet in der zweiten Jahreshälfte weiterhin mit einer Belebung durch neue Modelle. Die Prognosen für das Konzernergebnis vor Zinsen und Steuern sowie für die operative Pkw-Marge bestätigte das Unternehmen.
Der Konzernumsatz sank um 3,3 Prozent auf 32,1 Milliarden Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern stieg dagegen um gut ein Fünftel auf 1,55 Milliarden Euro. Zuwächse im Lieferwagengeschäft und bei den Finanzdienstleistungen stützten das Ergebnis.
Unter dem Strich verdiente Mercedes 1,09 Milliarden Euro. Das waren 13,5 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Damit stieg der Quartalsgewinn erstmals seit drei Jahren wieder.
Teamviewer schwächelt beim Umsatz – doch der Gewinn schießt hoch
Teamviewer hat auch im zweiten Quartal weniger umgesetzt. Die Erlöse sanken im Jahresvergleich um 4,1 Prozent auf 182,7 Millionen Euro. Ohne Währungseffekte lag das Minus bei 1,4 Prozent. Damit verfehlte der Fernwartungssoftwarespezialist die Erwartungen der von Bloomberg befragten Analysten. Das Unternehmen führte den Rückgang auf vorübergehende Wachstumsbremsen zurück.
Auch das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen gab nach. Es fiel um sechs Prozent auf 78,9 Millionen Euro und entsprach damit ungefähr den Schätzungen. Unter dem Strich entwickelte sich der Gewinn dagegen deutlich besser. Er stieg um ein Drittel auf 30,1 Millionen Euro. Im Vorjahresquartal hatten höhere Währungsbelastungen das Ergebnis stärker gedrückt.
An seiner Prognose für das Gesamtjahr hält Teamviewer fest. Konzernchef Oliver Steil erwartet währungsbereinigt mindestens einen stabilen Umsatz oder ein Wachstum von bis zu drei Prozent. Nach dem ersten Halbjahr liegt das Unternehmen allerdings noch knapp ein Prozent unter dem Vorjahreswert.
Neue Impulse sollen vor allem aus dem Geschäft mit größeren Unternehmenskunden kommen. Teamviewer setzt dabei auf eine Erholung bei der übernommenen Softwarefirma 1E, die zuvor zahlreiche Kunden verloren hatte. Zusätzlich soll das Produktpaket Teamviewer One das Geschäft mit besonders profitablen Kunden stärken. Bei kleinen und mittleren Unternehmen sieht das Management zudem erste Anzeichen für eine Stabilisierung der Kundenabwanderung.
Öl stürzt weiter – und jetzt gerät auch Gold unter die Räder
Die Rohstoffmärkte stehen am Dienstag gleich doppelt unter Druck. Die Ölpreise setzen ihren Absturz fort. Gleichzeitig gibt auch Gold nach. Die Gründe dafür könnten allerdings kaum unterschiedlicher sein.
Die Nordseesorte Brent verlor 1,66 Prozent auf 86,89 US-Dollar je Barrel. US-Leichtöl der Sorte West Texas Intermediate fiel um 1,76 Prozent auf 81,16 US-Dollar. Beide Sorten erreichten damit den niedrigsten Stand seit dem 20. Juli. Bereits am Montag waren die Preise um rund acht Prozent eingebrochen.
Auslöser ist die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung im Krieg zwischen den USA und Iran. Washington hatte seine Luftangriffe ausgesetzt. US-Präsident Donald Trump sprach von guten Gesprächen mit Teheran. Scheitern diese, könnten die Angriffe jedoch wieder beginnen.
Gold konnte von der weiterhin unsicheren Lage nicht profitieren. Der Preis fiel um 0,7 Prozent auf 4.045,89 US-Dollar je Feinunze. Der starke Dollar und die wachsende Angst vor einer Zinserhöhung der Federal Reserve belasteten das Edelmetall. Öl verliert seine Kriegsprämie – Gold kämpft dagegen mit der Zinsangst.
Dollar vor dem Fed-Knall: Der Yen taumelt am Abgrund
Der US-Dollar behauptet sich am Dienstag nahe seinem höchsten Stand seit einem Monat. Der Dollar-Index gab zwar leicht um 0,07 Prozent auf 101,45 Punkte nach. Die Aussicht auf eine mögliche Zinserhöhung der US-Notenbank hält die amerikanische Währung jedoch stark.
Der Euro legte um 0,09 Prozent auf 1,1377 US-Dollar zu. Das britische Pfund gewann ebenfalls 0,09 Prozent und kostete 1,3299 US-Dollar. Der Australische Dollar verlor dagegen 0,11 Prozent auf 0,6981 US-Dollar.
Besonders brisant bleibt die Lage beim Yen. Ein US-Dollar kostete 163,73 Yen. Die japanische Währung notiert damit weiter nahe ihrem tiefsten Stand seit rund 40 Jahren. Der Markt wartet nun auf die Bank of Japan. Bleibt sie bei ihrer vorsichtigen Linie, könnte der Yen erneut abrutschen und die Regierung in Tokio zu einer Intervention zwingen.
Die entscheidende Richtung dürfte jedoch aus Washington kommen. Eine überraschende Zinserhöhung der Federal Reserve könnte den Dollar weiter nach oben treiben – und den Yen endgültig unter die Räder bringen.
Krypto-Schock am Dienstag: Bitcoin rutscht ab – Ether trifft es härter
Der Kryptomarkt ist am Dienstag erneut unter Druck geraten. Bitcoin verlor am frühen Morgen 2,56 Prozent und fiel laut Reuters auf 63.255,62 US-Dollar. Noch härter traf es Ether. Die zweitgrößte Kryptowährung sackte um 3,34 Prozent auf 1.880,38 US-Dollar ab. Es war der stärkste prozentuale Rückgang seit einem Monat.
Der Verkaufsdruck kommt zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Die US-Notenbank entscheidet am Mittwoch über die Zinsen. Am Terminmarkt wird inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von knapp 38 Prozent für eine Erhöhung um 25 Basispunkte eingepreist. Vor einer Woche waren es lediglich 16 Prozent.
Damit kehrt ein Risiko zurück, das der Kryptomarkt nicht gebrauchen kann. Steigende Zinsen machen verzinste Anlagen attraktiver und setzen spekulative Vermögenswerte unter Druck. Die Entspannung im Konflikt zwischen den USA und Iran reicht bislang nicht aus, um die Stimmung zu drehen. Statt einer neuen Rally dominiert am Dienstag wieder die Angst vor der Federal Reserve.
TERMINE UNTERNEHMEN
06:00 CHE: Sulzer, Halbjahreszahlen
07:00 DEU: Mercedes-Benz Group, Q2-Zahlen (8.00 Analystencall, 9.15 Pk)
07:00 DEU: Teamviewer, Q2-Zahlen (10.00 Analystencall)
07:00 CHE: Sika AG, Halbjahreszahlen
07:00 FRA: Safran, Halbjahreszahlen
07:15 FRA: Air Liquide, Halbjahreszahlen
07:30 FRA: Orange, Halbjahreszahlen
08:00 GBR: Unilever, Halbjahreszahlen
08:00 GBR: Barclays, Halbjahreszahlen
08:00 GBR: GSK, Halbjahreszahlen
08:00 GBR: MAN Group, Halbjahreszahlen
09:00 NLD: Philips, Conference Call Halbjahreszahlen
11:30 USA: Pfizer, Hauptversammlung
12:00 USA: UPS, Q2-Zahlen
12:00 USA: Sherwin-Williams, Q2-Zahlen
12:55 USA: Coca-Cola, Q2-Zahlen
13:00 USA: American Tower, Q2-Zahlen
13:00 USA: Transunion, Q2-Zahlen
13:00 USA: Invesco Ltd, Q2-Zahlen
13:15 USA: S&P Global, Q2-Zahlen
13:15 USA: Paypal, Q2-Zahlen
13:30 USA: Boeing, Q2-Zahlen
14:00 USA: Linde, Hauptversammlung
17:45 FRA: Kering, Halbjahreszahlen
18:00 FRA: EssilorLuxottica, Halbjahreszahlen
18:00 NLD: AMS International, Halbjahreszahlen
22:00 CHE: Logitech, Q1-Zahlen
22:00 USA: Visa, Q3-Zahlen
22:05 USA: Ford Motor, Q2-Zahlen
22:05 USA: Mondelez, Q2-Zahlen
22:10 USA: NXP Semiconductor, Q2-Zahlen
TERMINE KONJUNKTUR
08:45 FRA: Verbrauchervertrauen 7/26
09:00 ESP: Arbeitslosenquote Q2/26
09:00 ESP: Einzelhandelsumsatz 6/26
12:00 DEU: Bundesbank, Monatsbericht
14:15 USA: ADP-Index
14:30 USA: Lagerbestände Großhandel 6/26 (vorläufig)
15:00 USA: FHFA Hauspreisindex 5/26
16:00 USA: Richmond Fed Herstellerindex 7/26
16:00 USA: Verbrauchervertrauen 7/26
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Autor: Markus Weingran, wallstreetONLINE Redaktion
