50 Prozent sind schon weg
Der Crash beschleunigt sich – jetzt geht es auch dieser KI-Aktie an den Kragen!
Der Hersteller von Spezialglas, Corning, gehörte in diesem Jahr zu den größten KI-Gewinnern. Doch inzwischen befindet sich die Aktie im Crash-Modus. Die am Dienstag vorgelegten Zahlen machen die Lage noch schlimmer.
- Corning-Aktie stürzt trotz Umsatzplus massiv ab
- Umsatz und Gewinn stiegen, Quartalsprognose enttäuscht
- 200-Tage-Linie gebrochen, Aktie weiter überbewertet
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Crash bei KI-Aktien – Investoren flüchten aus der Branche
Der Crash bei KI- und Halbleiterwerten droht am Dienstag ungebremst weiterzugehen. Nach ganz schwachen Vorgaben aus Japan und Südkorea, wo der Handel aufgrund crashartiger Verkäufe zeitweise unterbrochen wurde, notieren viele Technologiewerte am Dienstagnachmittag nach einem ohnehin schwachen Wochenauftakt mit fortgesetzten Kursverlusten.
Anlegerinnen und Anleger ziehen inzwischen verstärkt in Zweifel, dass die innerhalb der Branche getätigten Investitionszusagen jemals in der vereinbarten Höhe erfüllt werden können. Schon jetzt sind die Bilanzen vieler Unternehmen am Anschlag, während die Cashflows selbst bei Gelddruckmaschinen wie Alphabet das Vorzeichen gewechselt haben.
Glasspezialist Corning: Minus 50 Prozent und kein Ende in Sicht
Zu den in den vergangenen Wochen größten Verlieren innerhalb der KI-Branche gehören die Anteile von Corning. Da optische Halbleiter beim Auf- und Ausbau von KI-Rechenzentren eine immer wichtigere Rolle spielen, da sie besonders hohe Datenraten bieten, haben Investoren beim Spezialglashersteller aggressiv auf explosives Unternehmenswachstum gewettet.
Dabei sind sie mit Blick auf die Bewertung aber weiter über das Ziel hinausgeschossen – das wird für die Aktie jetzt zum Bumerang. Sie verliert nach frischen Quartalszahlen zweistellig an Wert.
Gegenüber dem Vorjahresquartal legten die Erlöse um 22,8 Prozent auf 4,74 Milliarden US-Dollar zu. Damit wurden die Erwartungen um 110 Millionen US-Dollar übertroffen. Angetrieben wurde das Wachstum von einer hohen Nachfrage nach Kommunikationslösungen. Der Umsatz legte in diesem Segment um 32 Prozent auf 2,07 Milliarden US-Dollar zu. Die auf KI-Anwendungen zurückzuführenden Erlöse kletterten sogar um 65 Prozent.
Hohes Wachstum, aber Q3-Prognose enttäuscht
Auf der Ertragsseite legte Corning einen bereinigten Gewinn von 0,78 US-Dollar vor. Das lag um 3 Cent über den Schätzungen der Analystinnen und Analysten sowie um 18 Cent (+30,0 Prozent) über dem Vorjahreswert. Nach standardisierter Rechnungslegung (GAAP) lag der Ertrag je Anteil bei 0,64 US-Dollar. Insgesamt verzeichnete das Unternehmen einen Nettogewinn von 559 Millionen US-Dollar.
Damit konnte sich Corning gegenüber dem Vorjahresergebnis von 371 Millionen US-Dollar um 50,7 Prozent steigern. Wachstumstreiber war auch hier das Glasfasergeschäft, das einen Gewinnsprung von 77 Prozent auf 438 Millionen US-Dollar verzeichnete. Schwach entwickelte sich dagegen das Geschäft mit Auto- und Solarglas. Hier machen sich die branchenspezifischen Krisen bemerkbar.
Für das kommende Quartal stellte das Management um CEO Wendel Weeks ein Umsatzplus von 16 Prozent und Erlöse zwischen 4,9 und 5,0 Milliarden US-Dollar in Aussicht. Damit lag die Mittelpunktschätzung von 4,95 Milliarden US-Dollar knapp unterhalb der Konsensprognose von 5,0 Milliarden US-Dollar. Den bereinigten Gewinn pro Aktie veranschlagte Corning auf 0,85 und 0,89 US-Dollar, womit die Marktschätzungen von 0,85 US-Dollar nur knapp übertroffen werden konnte.
Der Abverkauf beschleunigt sich, 200-Tage-Linie aufgegeben
Schon vor der Ergebnispräsentation hatte die Aktie gegenüber ihren noch vor wenigen Wochen markierten Allzeithochs fast die Hälfte ihres Wertes verloren. Die enttäuschende Prognose für das kommende Quartal beschleunigte den Abverkauf – bereits in der US-Vorbörse brach die Aktie zeitweise um 17 Prozent ein. Das gegenüber dem Jahreswechsel gewährte Plus droht damit auf rund 30 Prozent zusammenzuschrumpfen.
Aus charttechnischer Perspektive verschärft sich die Krise der Aktie, da die wichtige 200-Tage-Linie per Gap-Down unterschritten wird – das gilt als starkes Verkaufssignal. Gleichzeitig büßt Corning damit eine wichtige Unterstützung ein. Kurz- und mittelfristig droht damit das Schließen der bei 95,55 US-Dollar noch offenen Kurslücke.

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Fazit: Immer noch eine teure Aktie, weitere Verluste zu erwarten
Trotz des Crashs der Anteile ist die Unternehmensbewertung immer noch ambitioniert. Vor den Zahlen handelte Corning für 2026 mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 44,7. Selbst für 2027 stand bereits ein KGVe von 33,4 zu Buche – selbst das liegt meilenweit über dem 5-Jahres-Mittel von 23,0. Gleichzeitig ist das Gewinnwachstum angesichts eines Kurs-Gewinnwachstumsverhältnisses von 1,54 nicht günstig zu haben, was die hohen KGVs noch schwieriger zu rechtfertigen machte.
Auch bei vielen anderen Bewertungskennziffern handelte Corning sowohl gegenüber dem Branchendurchschnitt als auch der historischen Norm mit Aufschlägen von zum Teil über 100 Prozent. Damit ist Corning selbst nach den zweistelligen Kursverlusten vom Dienstag deutlich überbewertet. Der Ausverkauf der Aktie dürfte daher weitergehen.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion
Die Corning Aktie wird zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Nachricht mit einem Minus von -18,25 % und einem Kurs von 103EUR auf Tradegate (28. Juli 2026, 14:38 Uhr) gehandelt.
