Größter Pharma-Deal ever
AstraZeneca & Bristol Myers: 400-Milliarden-Fusion – die Börse hasst die Idee
Der mögliche Zusammenschluss wäre historisch. Doch Anleger sehen vor allem Patentdruck, Integrationsrisiko und die Frage: Warum braucht AstraZeneca diesen Deal?
- Mega-Deal ausgelöst, AstraZeneca Aktie fällt stark
- Bristol Myers mit massiven Patentverlusten und Risiko
- Anleger skeptisch wegen Integrationsrisiko und Nutzen
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AstraZeneca steht nach Berichten über mögliche Fusionsgespräche mit Bristol Myers Squibb unter Druck. Die Aktie des britisch-schwedischen Pharmakonzerns fiel am Montag um bis zu 7,8 Prozent, nachdem mehrere Medien über Gespräche zwischen beiden Unternehmen berichtet hatten. Eine mit der Angelegenheit vertraute Person bestätigte Reuters, dass es vorläufige Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss gegeben habe. Zuvor hatte bereits die Financial Times berichtet, dass die Unternehmen seit mehreren Monaten über eine Fusion diskutierten.
Ein solcher Deal wäre einer der größten Pharmadeals der Geschichte. Zusammen kämen AstraZeneca und Bristol Myers Squibb auf einen Börsenwert von nahezu 400 Milliarden US-Dollar und einen Jahresumsatz von rund 107 Milliarden US-Dollar. AstraZeneca wurde zuletzt mit rund 264 Milliarden US-Dollar bewertet, Bristol Myers Squibb mit rund 133 Milliarden US-Dollar. Ob es tatsächlich zu einer Transaktion kommt, ist offen. AstraZeneca lehnte eine Stellungnahme ab, Bristol Myers Squibb reagierte zunächst nicht auf Anfragen.
An der Börse überwog dennoch sofort die Skepsis. Viele Investoren und Analysten stellten infrage, warum AstraZeneca ausgerechnet jetzt einen derart großen Schritt gehen sollte. Der Konzern hat sich unter CEO Pascal Soriot seit 2012 stark entwickelt, seine Marktkapitalisierung über Jahre gesteigert und eine breite Pipeline aufgebaut. Bis 2030 will AstraZeneca den Umsatz auf 80 Milliarden US-Dollar steigern, nach 58,7 Milliarden US-Dollar im vergangenen Jahr. Zuletzt trieben vor allem Krebsmedikamente sowie Therapien gegen seltene Krankheiten das Wachstum.
Bristol Myers steht dagegen vor größeren Patentproblemen. Wichtige Umsatzträger wie der Blutverdünner Eliquis und das Krebsmedikament Opdivo verlieren Schutzrechte; zusammen machen sie etwa die Hälfte des Bristol-Umsatzes aus. Genau daraus speist sich die zentrale Sorge am Markt: AstraZeneca könnte einen schwächeren Rivalen übernehmen, obwohl der Konzern selbst keinen offensichtlichen Befreiungsschlag braucht. Mizuho-Analyst Jared Holz brachte die Skepsis auf den Punkt: "Anleger werden argumentieren, dass AstraZeneca Bristol Myers nicht braucht, sondern nur umgekehrt, und sofern es keine massiven Synergieeffekte gibt, die Umsatz- und Gewinnrückgänge ausgleichen, ist diese Fusion schwer zu rechtfertigen."
Auch andere Experten reagieren irritiert. "Ein Zusammenschluss mit Bristol ergibt weder strategisch noch finanziell Sinn", sagte Markus Manns, Portfoliomanager bei Union Investment und Aktionär von AstraZeneca, gegenüber Reuters. "Viele frühere Mega-Fusionen haben Wert vernichtet, und es gibt keinen ersichtlichen Grund, warum Astra das tun sollte." Jefferies-Analyst Michael Leuchten sagte laut Bloomberg: "Angesichts des starken Wachstums und des Innovationsprofils von Astra sind wir von dieser Nachricht etwas überrascht." Zusätzlich könnten kartellrechtliche Fragen den Deal erschweren, weil sich beide Konzerne in Bereichen wie Lungenkrebs überschneiden.
Zwölf Jahre nach der abgewehrten Übernahmeofferte von Pfizer würde nun ausgerechnet AstraZeneca selbst einen Mega-Deal mit einem US-Konkurrenten prüfen. Für Anleger lautet die zentrale Frage deshalb: Wäre das ein strategischer Befreiungsschlag – oder der Anfang einer riskanten Großfusion, die mehr Wert vernichtet als schafft?
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

