100.000 USD für Millisekunden
Trump verkauft der Wall Street jetzt den Vorsprung auf seine eigenen Posts
Beiträge zu Zöllen oder militärischen Entscheidungen können Kurse bewegen. Genau diesen Zeitvorteil vermarktet Donald Trumps Medienkonzern nun für sechsstellige Monatsgebühren.
- Truth API verkauft Wall-Street-Firmen Zeitvorsprung
- Handelsfirmen erhalten Trumps Posts per Datenfeed
- Zeitvorsprung löst rechtliche und politische Kritik
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Donald Trumps Medienkonzern verkauft Wall-Street-Firmen einen Zeitvorsprung auf potenziell marktbewegende Beiträge des US-Präsidenten: Die neue Truth API ist ein kostenpflichtiger Datenfeed, über den Handelsfirmen Posts von Truth Social automatisiert und Millisekunden vor der breiten Öffentlichkeit abrufen können. Der Dienst kostet 100.000 US-Dollar pro Monat und speist die Beiträge direkt in algorithmische Handelssysteme ein. Fünf Unternehmen sollen bereits unterschrieben haben. Damit kämen jährlich sechs Millionen US-Dollar Umsatz zusammen – und Trump würde als indirekter Großaktionär mit einem Anteil von rund 41 Prozent davon profitieren.
Der Dienst richtet sich ausdrücklich an Hochfrequenzhändler, für die selbst Bruchteile einer Sekunde über Gewinne oder Verluste entscheiden können. Statt Trumps Plattform manuell nach neuen Aussagen zu durchsuchen, erhalten Kunden einen maschinenlesbaren Datenfeed. Gerade Äußerungen zu Zöllen, militärischen Maßnahmen oder anderen politischen Entscheidungen können Kurse binnen Sekunden bewegen.
Wirtschaftsprofessor Gian Luca Clementi von der NYU Stern School of Business erhebt deshalb einen schweren Vorwurf. "Das ist per Definition Insiderhandel", erklärte er gegenüber Fortune. Andere Juristen widersprechen: Da die Beiträge unmittelbar danach öffentlich erscheinen, sei fraglich, ob der schnellere Zugriff allein die rechtlichen Voraussetzungen für Insiderhandel erfüllt.
Das größere Risiko entsteht nach Einschätzung von Rechtsexperten, sobald Trump über den kostenpflichtigen Kanal tatsächlich noch unbekannte politische Entscheidungen veröffentlicht. Renée Jones, Rechtsprofessorin und frühere SEC-Beamtin, sagte dazu gegenüber Fortune: "Wesentliche nicht öffentliche Informationen gehören der US-Regierung oder dem amerikanischen Volk, nicht Truth Social oder Präsident Trump."
In Washington läuft bereits eine offizielle Untersuchung. Der demokratische Abgeordnete Jamie Raskin forderte Unterlagen zu den zahlenden Firmen und den über die API verfügbaren Konten an. Er wirft Trump vor, das Präsidentenamt zur Bereicherung seiner Familie und seines Unternehmens einzusetzen.
Für Trump Media eröffnet der Dienst eine neue Einnahmequelle, die dringend benötigt wird. Der Konzern meldete im ersten Quartal 2026 bei weniger als 900.000 US-Dollar Umsatz einen Nettoverlust von rund 405 Millionen US-Dollar. Truth API verkauft nun kein klassisches Produkt, sondern einen exklusiven Zeitvorteil auf die öffentlichen Aussagen des Präsidenten – genau dort beginnt der politische und rechtliche Konflikt.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

