$600 Milliarden Kredite
Krise am US-Agrarmarkt weitet sich aus, Banken werden nervös
Amerikas Farmer kämpfen mit sinkenden Einnahmen und steigenden Kosten. Nun verschärfen Kreditgeber ihre Kontrollen. Der Agrarkreditmarkt sendet ein deutliches Warnsignal.
- US-Farmer kämpfen mit Kosten und sinkenden Einnahmen
- Banken prüfen Agrarkredite strenger und verlangen Sicherheiten
- Kreditrisiken belasten Höfe und Agrarbranche
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Auf den Feldern der Vereinigten Staaten schrillt die nächste Warnsirene. Viele Farmer leiden bereits unter niedrigen Verkaufspreisen, hohen Betriebskosten und schwachen Exportaussichten. Nun wächst auch bei ihren Kreditgebern die Nervosität. Banken und landwirtschaftliche Finanzierer beobachten eine Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage. Die Institute verlangen bereits mehr Sicherheiten und prüfen neue Kredite deutlich genauer. Die Krise der amerikanischen Landwirtschaft beginnt, auf den Kreditmarkt überzugreifen.
Noch sprechen die Finanzierer nicht von einer flächendeckenden Kreditklemme. Sie wollen den Betrieben auch in der aktuellen Schwächephase Kapital zur Verfügung stellen. Doch die Bedingungen werden härter. Farmer müssen ihre Zahlen offenlegen, Investitionen genauer begründen und zusätzliche Nachweise für ihre Zahlungsfähigkeit liefern.
Der Agrarkreditmarkt entwickelt sich damit zu einem Frühwarnsystem. Wenn Banken bei der Verlängerung bestehender Kreditlinien vorsichtiger werden, bedeutet das, dass sie mit steigenden Risiken rechnen. Für viele Betriebe könnte das die Lage weiter verschärfen. Sie benötigen jedes Jahr große Summen für Saatgut, Dünger, Diesel, Maschinen und Pachtflächen. Ohne ausreichende Finanzierung lässt sich der nächste Erntezyklus kaum vorfinanzieren.
Mehr als 80 Prozent der amerikanischen Agrarkredite stammen aus zwei Quellen: klassischen Geschäftsbanken und dem Farm-Credit-System. Das staatlich regulierte Netzwerk regionaler Kreditgenossenschaften stellt nach Angaben seiner Aufsicht rund 46 Prozent der landwirtschaftlichen Finanzierungen bereit, das entspricht etwa 273 Milliarden US-Dollar. US-Banken wie Bank of America hielten Ende 2025 laut dem Bankenverband American Bankers Association weitere Farmkredite über knapp 212 Milliarden US-Dollar. Insgesamt belaufen sich die bekannten Farmkredite auf ein Volumen von etwa 600 Milliarden US-Dollar.

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Das Farm-Credit-System gewinnt seit Jahren Marktanteile. Seine Institute sind genossenschaftlich organisiert. Kreditnehmer werden damit zugleich zu Mitgliedern und können teilweise von günstigeren Konditionen oder Rückvergütungen profitieren. Das macht die Anbieter gerade in schwierigen Zeiten attraktiv.
Daneben nutzen Farmer zunehmend Kredite von Saatgut-, Dünger- und anderen Zulieferern. Diese Unternehmen liefern Betriebsmittel auf Rechnung und übernehmen damit faktisch die Rolle einer Bank. Das schafft zusätzliche Flexibilität, macht den tatsächlichen Verschuldungsgrad der Betriebe aber schwerer messbar. Bis sie bankrott sind. Zudem ist es fast unmöglich eindeutig zu bestimmen, welche Institute die größten Kreditrisiken tragen.
Klar ist aber, dass es für die Landwirte schwieriger geworden ist, Kredite aufzunehmen, während gleichzeitig ihre Ausgaben immer weiter steigen. Die Zollpolitik der US-Regierung und die zunehmende Entfremdung einstmals sicherer Abnehmerländer tun ihr Übriges. Es ist ein Teufelskreis: Bleiben die Einnahmen niedrig und die Kosten hoch, könnten die Kreditausfälle zunehmen. Dann Banken würden ihre Anforderungen weiter verschärfen, was wiederum dazu führen würde, dass Farmer notwendige Investitionen aufschieben, wenn sie nicht gleich in die Insolvenz rutschen.
Das betrifft nicht nur Landwirte und Kreditgeber. Auch Landmaschinenhersteller wie Deere, CNH Industrial (Case IH, New Holland) und AGCO (Fendt, Massey), Saatgutproduzenten wie Corteva (Pioneer), Bayer und BASF, Düngemittelkonzerne wie Nutrien, Mosaic und Yara und Agrarhändler wie ADM und Bunge könnten die Folgen spüren. Wenn Farmer sparen müssen, kaufen sie weniger neue Maschinen, verschieben Wartungen und reduzieren den Einsatz teurer Betriebsmittel.
Der Kreditmarkt ist ein wichtiger Indikator für die Lage am Agrarmarkt insgesamt. Noch signalisiert er keinen Zusammenbruch der US-Landwirtschaft. Doch die Banken stellen sich bereits auf schwierigere Zeiten ein.
Amerikas Farmkrise ist längst mehr als ein Problem schwacher Erzeugerpreise, steigender Kosten und fehlender Käufer. Sie erreicht zunehmend die Finanzierung der Betriebe. Und wenn Kreditgeber vorsichtiger werden, kann aus einer konjunkturellen Schwäche schnell eine strukturelle Belastungsprobe werden.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

