3,1 % und hohe Qualität
Darum schlägt dieser stinklangweilige Dividenden-ETF jetzt Tech- und KI-Werte!
Viele Anlegerinnen und Anleger hoffen aktuell bei KI-Aktien auf das große Geld. Bequemer lässt sich das im Moment jedoch mit einem Dividenden-ETF verdienen.
- Dividenden-ETF schlägt Nasdaq 100 deutlich
- Pharma- und Konsumwerte liefern stabile Cashflows
- Vanguard-ETF bietet passende UCITS-Alternative
- Report: KI braucht Strom
Starkes Börsenjahr – mit überraschenden Gewinnern!
Aller Sorgen zum Trotz – Iran-Krieg, Energiekrise, KI-Angst – steuert 2026 darauf zu, ein weiteres erfolgreiches Börsenjahr zu werden. Nachdem die Kursgewinne monatelang auf Halbleiter- und KI-Infrastrukturwerte konzentriert waren, hat die Marktbreite zuletzt deutlich zu genommen.
Es kam jüngst sogar zu einer Outperformance des Dow-Jones-Index sowie des US-Gesamtmarktindex S&P 500 gegenüber dem technologielastigen Nasdaq 100, der angesichts des KI-Booms besonders im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit von Anlegerinnen und Anlegern steht.
Ausschüttungen schlagen Künstliche Intelligenz
Doch die vielleicht bemerkenswerteste Outperformance hat an anderer Stelle stattgefunden. Eigentlich als langweilig und eher träge geltenden Dividendenwerte konnten Technologieaktien ebenfalls schlagen. Kein ETF spiegelt das so klar wider, wie der Schwab US Dividend Equity ETF des US-Brokeranbieters Charles Schwab, der mit einem verwalteten Vermögen von über 105 Milliarden US-Dollar der größte und beliebteste seiner Art ist.
Während sich mit einem Investment in den Nasdaq 100 in den vergangenen 12 Monaten eine Gesamtrendite (Kurswachstum + Dividende) von 28,1 Prozent erwirtschaften ließ, warf der Schwab US Dividend Equity ETF 31,7 Prozent ab.
Das entspricht einer Outperformance von 3,6 Prozentpunkten und verdeutlicht, wie stark ausschüttungsorientierte Unternehmen zuletzt an Popularität gewonnen haben.
Sicherheit ist plötzlich angesagt
Die Überrendite gegenüber dem Nasdaq 100 ist umso erstaunlicher, wenn ein Blick auf die größte Einzelpositionen des ETFs geworfen wird. Dabei handelt es sich auf den ersten drei Plätzen mit Abbott Laboratories, Amgen und Merck um drei Werte aus der Biotechnologie- und Pharmabranche. Ihnen folgen Coca-Cola, UnitedHealth und die Heimwerkerkette Home Depot. Ergänzt werden die Top 10 um Chevron, Procter & Gamble, Verizon und PepsiCo.
Das alles sind Werte, die vielen Anlegerinnen und Anleger inmitten eines vermeintlich von Technologie- und Wachstumsunternehmen getriebenen Aktienmarktes lange als zu langweilig und behäbig galten. Jetzt haben sie die gegenüber dem Nasdaq 100 bessere Performance geboten – und dass bei einer gleichzeitig deutlich geringeren Schwankungsbreite.
Während der in diesem Jahr größte Drawdown im Schwab US Dividend Equity ETF bei 5,9 Prozent lag, büßte der Nasdaq 100 zeitweise 12,9 Prozent. Damit konnten Dividendenwerte Technologietitel nicht nur schlagen, sondern Anlegerinnen und Anleger auch deutlich besser schlafen.
Die Gründe für die Outperformance sind vielfältig
Für die Outperformance gibt es eine ganze Reihe von Erklärungen. So wurde eine bessere Performance im Nasdaq 100 dadurch verhindert, dass es immer wieder zu Rotationen zwischen Soft- und Hardware-Titeln kam und die Technologiebranche Kapital eher verteilte, als neues anzuziehen.
Umgekehrt profitierten Dividendentitel wie die im Schwab US Dividenden Equity ETF enthaltenen Werte von starken Branchentrends, wie zum Beispiel innerhalb der Biotechnologie- und Pharmabranche – so konnte beispielsweise auch der Nasdaq Biotechnology Index den herkömmlichen Nasdaq 100 schlagen – und auch Konsumgüterwerte stießen wieder auf Resonanz.
Zwar fiel der Arbeitsmarktbericht für Juli enttäuschend aus, doch insgesamt befindet sich die US-Wirtschaft auch über den KI-Boom hinaus in einer unverändert guten Verfassung, während sich auch das konjunkturelle Umfeld auch in Deutschland und Europa wieder verbessert und die Fußball-WM gleichzeitig zu einer höheren Nachfrage nach Konsumgütern geführt hat.
Nachfrage nach positiven Cashflows dürfte anhalten
Doch das vielleicht gewichtigste Argument für die Outperformance ist neben der Furcht vor einem Platzen der KI-Blase und einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis die neue Bedeutung zuverlässiger Cashflows. Hier haben sich die Machtverhältnisse nämlich deutlich verschoben.
Angesichts der gewaltigen Investitionen in Künstliche Intelligenz erwirtschaften Unternehmen, die in dieser Disziplin lange unschlagbar galten, nicht mehr die gewünschten Barmittelzuflüsse – bei Alphabet und Meta Platforms ist es bereits soweit, Microsoft könnte im kommenden Quartal vor einem Vorzeichenwechsel bei den Cashflows stehen. Dabei sind das die Konzerne, die ihren Anlegerinnen und Anlegern über viele Jahre hinweg Barmittelzuflüsse in zweistelliger Milliardenhöhe erwirtschaftet haben. Jetzt verzeichnen sie plötzlich (auf absehbar lange Zeit) Abflüsse.
In einem Umfeld mit immer weiter steigenden Anleiherenditen und wachsenden Zinserwartungen sind Cashflows aber unverzichtbar, weil sie aus der Sicht von Investoren die größere finanzielle Visibilität und Berechenbarkeit bieten, als Zukunftsversprechen. Dazu kommt, dass eine möglichere Bilanzverkleinerung der Fed unter ihrem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh. Damit würde Liquidität geringer werden, was Cashflows umso begehrenswerter macht. Die in den vergangenen 12 Monaten zu beobachtende Outperformance könnte daher nur der Anfang einer langfristigen Entwicklung gewesen sein. Anlegerinnen und Anleger sollten das bei ihren Investitionsentscheidungen bedenken.
Fazit: Nicht für jeden zugänglich, aber es gibt eine passende Alternative
Der Schwab US Dividend Equity ETF bietet Anlegerinnen und Anlegern Exposure zu Dividendenwerten mit besonders hoher Qualität und Zuverlässigkeit. Aktuell liegt die Ausschüttungsrendite bei 3,3 Prozent. Die im ETF enthaltenen Werte weisen im Durchschnitt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von 18,4 und eine Cashflow-Rendite von fast 10 Prozent auf – das ist jeweils attraktiver als ein Investment in den US-Gesamtmarkt. Mit einer Gesamtkostenquote von 0,06 Prozent ist der Schwab US Dividend Equity ETF außerdem äußerst kostengünstig.
Gleichzeitig gibt es ein Problem: Der ETF verfügt über keine UCTIS-Zulassung und ist daher für europäische Anlegerinnen und Anleger nicht oder nur über einen Broker mit direkter Anbindung an den US-Markt handelbar. Es gibt jedoch eine Alternative: Der Vanguard FTSE All-World High Dividend Yield UCITS ETF verfügt über ein ähnliches Investmentprofil, hat die Technologiebranche mit einem Plus von 29,6 Prozent in den vergangenen 12 Monaten ebenfalls schlagen können und bietet eine Ausschüttungsrendite von knapp 2,6 Prozent bei einem vierteljährlichen Auszahlungsturnus. Die Gesamtkostenquote liegt hier bei 0,29 Prozent.
Autor: Max Gross, wallstreetONLINE Redaktion

