Rekordjahr winkt
Ölpreis-Turbo bei INPEX: Gewinnprognose schießt auf Rekordhoch
INPEX hebt die Gewinnprognose auf Rekordniveau, erhöht die Dividende und startet Rückkäufe. Doch Nahostrisiken und Umweltklage bleiben.
- INPEX hebt Gewinnprognose auf Rekordniveau an
- Dividende steigt und INPEX startet Aktienrückkäufe
- Nahostrisiken und Umweltklage belasten den Ausblick
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Der japanische Öl- und Gaskonzern Inpex hob am Freitag seine Gewinnprognose für das Gesamtjahr um bis zu 46 Prozent auf einen Rekordwert von rund 2,81 Milliarden Euro an, wie Reuters berichtet. Als Gründe nannte Inpex höhere Ölpreise und eine starke Produktion aus seinem Ichthys-LNG-Projekt in Australien. Das Unternehmen hatte im Mai für 2026 einen Nettogewinn von rund 1,93 bis 2,48 Milliarden Euro prognostiziert. Im Zeitraum Januar bis Juni verzeichnete es einen Anstieg des Nettogewinns um 17,7 Prozent auf rund 1,45 Milliarden Euro.
Inpex erhöhte außerdem seine Dividendenprognose für das Gesamtjahr von rund 0,59 Euro auf 0,62 Euro je Aktie und kündigte einen Aktienrückkauf von bis zu 50 Millionen Aktien beziehungsweise rund 770 Millionen Euro an.
Toshiaki Takimoto, leitender Vizepräsident, erklärte, dass die Rohölverkäufe des Unternehmens aus Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten im ersten Halbjahr bis zum 30. Juni aufgrund des Iran-Krieges im Vergleich zum Vorjahr um etwa 30 Prozent zurückgegangen seien. Das Unternehmen wolle aber weiterhin in die Produktionssteigerung in der Region investieren, fügte er hinzu.
Die Lieferungen aus dem Ichthys-Projekt verlaufen weiterhin reibungslos und werden voraussichtlich in diesem Jahr 120 Ladungen übersteigen, sagte Takimoto. Takimoto sagte, das Unternehmen sei weiterhin auf Kurs, Mitte 2027 eine endgültige Investitionsentscheidung für das Abadi-LNG-Projekt in Indonesien zu treffen.
Das Halbjahr war beim Gewinn stark, beim Umsatz dagegen schwächer. Der Umsatz sank von rund 5,77 Milliarden Euro auf 5,50 Milliarden Euro, ein Minus von 4,6 Prozent. Der operative Gewinn erhöhte sich dagegen leicht von rund 3,39 auf 3,40 Milliarden Euro. Der den Aktionären zurechenbare Nettogewinn sprang von rund 1,23 auf 1,45 Milliarden Euro, also um 17,7 Prozent. Der Gewinn je Aktie stieg von rund 1,03 auf 1,24 Euro. Der Grund für diese ungewöhnliche Kombination liegt im Ölgeschäft. INPEX verkaufte im ersten Halbjahr 22,8 Prozent weniger Rohöl als ein Jahr zuvor.
Die Erlöse aus Rohöl fielen deshalb um 10,9 Prozent auf rund 3,82 Milliarden Euro. Gleichzeitig stieg der durchschnittliche Verkaufspreis aber von 73,51 auf 79,51 US-Dollar je Barrel. Hinzu kam der schwächere Yen, der die in US-Dollar erzielten Erlöse bei der Umrechnung aufwertete. Das Erdgasgeschäft entwickelte sich besser: Die Umsätze stiegen um 8,2 Prozent auf rund 1,50 Milliarden Euro.
Noch wichtiger ist der neue Jahresausblick. INPEX erwartet jetzt nicht mehr rund 1,93 bis 2,48 Milliarden Euro Gewinn, sondern rund 2,81 Milliarden Euro. Das wären rund 29 Prozent mehr als die etwa 2,17 Milliarden Euro des Vorjahres und ein Rekord. Gleichzeitig erwartet INPEX für 2026 einen Umsatz von rund 10,85 Milliarden Euro und einen operativen Gewinn von rund 6,73 Milliarden Euro. Der erwartete Gewinn je Aktie liegt bei rund 2,41 Euro.
Bemerkenswert sind die zugrunde liegenden Annahmen. INPEX rechnet für das Gesamtjahr nun mit einem durchschnittlichen Brent-Preis von 81,40 US-Dollar je Barrel. Im ersten Halbjahr lag Brent tatsächlich bei durchschnittlich 87,60 US-Dollar. Für das zweite Halbjahr kalkuliert der Konzern mit 75 US-Dollar, davon 80 US-Dollar im dritten und 70 US-Dollar im vierten Quartal. Gleichzeitig wird mit durchschnittlich 159,20 Yen je US-Dollar gerechnet.
Damit profitiert INPEX sowohl von vergleichsweise hohen Ölpreisen als auch von der schwachen japanischen Währung. Das australische Ichthys-LNG-Projekt lieferte im ersten Halbjahr 64 LNG-Ladungen aus. Trotz eines Arbeitskampfs seien die Auswirkungen auf den Betrieb gering geblieben. Für das Gesamtjahr erwartet INPEX inzwischen sogar mehr als die bislang avisierten rund 120 LNG-Ladungen. Der Konzern spricht von mehreren zusätzlichen Lieferungen.
Auch die Dividende steigt stärker als zuvor geplant. Statt rund 0,59 Euro sollen für 2026 insgesamt rund 0,62 Euro je Aktie gezahlt werden. Im Vorjahr waren es rund 0,55 Euro. INPEX erwartet, dass Dividenden und Rückkäufe zusammen zu einer Ausschüttungsquote von rund 53 Prozent führen. Das gesamte Volumen der Aktionärsrückflüsse soll einen Rekord erreichen. Der Konzern erwartet für 2026 zudem einen operativen Cashflow von etwa 5,80 Milliarden Euro. Nach Investitionscashflows von rund 4,72 Milliarden Euro sollen etwa 1,08 Milliarden Euro freier Cashflow verbleiben. INPEX kalkuliert zugleich mit Aktionärsrückflüssen von rund 1,50 Milliarden Euro.
Ein Risikofaktor sollte allerdings nicht fehlen: Erst am Mittwoch erhob die Umweltbehörde des australischen Northern Territory Klage gegen INPEX wegen angeblich zu niedrig ausgewiesener Emissionen am Ichthys-LNG-Standort zwischen 2019 und 2024. Unter anderem geht es um Benzol und Toluol. Der Fall ist noch nicht entschieden, könnte aber zusätzliche Umweltauflagen für das wichtigste Projekt des Konzerns nach sich ziehen.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion

