Zinssorgen lassen nach
DAX: Neues ATH? | Berkshire: Gewinn explodiert, SK hynix und TSMC im Fokus
Schwache Daten vom US-Arbeitsmarkt haben Freitag die Zinsangst der Anleger wieder abgeschwächt und die Märkte angetrieben. Obwohl die Ölpreise wieder anziehen, scheint der DAX positiv in die neue Woche zu starten.
- Schwache US-Daten treiben DAX und Aktienmärkte an
- Ölpreise und Inflation bleiben wichtige Marktrisiken
- Berkshire verdoppelt Gewinn im zweiten Quartal
- Report: KI braucht Strom
Der DAX könnte zum Wochenstart erneut Kurs auf sein Rekordhoch nehmen. Rund eine Stunde vor Beginn des Xetra-Handels sieht der Broker IG den deutschen Leitindex bei 26.346 Punkten und damit leicht über dem Schlusskurs vom Freitag. Bis zum Rekordstand von 26.445 Punkten fehlt damit nicht mehr viel.
Für Rückenwind sorgt der gesunkene Zinsdruck aus den USA. Am Terminmarkt wird die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung der Federal Reserve im September nur noch auf rund 44 Prozent taxiert. Vor einer Woche waren es noch 67 Prozent. Der nächste große Test folgt am Mittwoch mit den US-Verbraucherpreisen für Juli.
Für Optimismus sorgen eher beruhigende Töne aus Washington. US-Präsident Donald Trump zeigte sich mit Blick auf die weiterhin blockierte Straße von Hormus demonstrativ gelassen. Obwohl bislang keine diplomatische Lösung mit dem Iran erreicht wurde, rechnet Trump offenbar weiter mit einer Einigung und verglich das Ringen zwischen beiden Seiten mit einer Schachpartie.
Schwacher Jobmarkt befeuert Wall Street – Nasdaq springt deutlich
Neue Arbeitsmarktdaten haben den US-Börsen am Freitag Rückenwind gegeben. In den Vereinigten Staaten ist die Beschäftigung im Juli überraschend zurückgegangen. Gleichzeitig legten die Löhne schwächer zu als erwartet.
Damit ließen die Sorgen etwas nach, dass die US-Notenbank ihre Leitzinsen schon bald anheben könnte. Noch am Donnerstag hatte genau diese Erwartung die Wall Street nach der jüngsten Rekordserie belastet. Hintergrund sind Befürchtungen, dass der Iran-Krieg über höhere Ölpreise zusätzlichen Inflationsdruck auslösen könnte.
Der Dow Jones Industrial stieg am Freitag um 0,28 Prozent auf 54.036,93 Punkte. Auf Wochensicht ergibt sich damit ein Plus von 2,96 Prozent. Der S&P 500 gewann 0,62 Prozent auf 7.757,64 Punkte. Der Nasdaq 100 legte mit einem Plus von 1,19 Prozent auf 29.722,30 Punkte am deutlichsten zu.
Asien springt auf den Zug auf – nur China verpasst ihn
Die asiatischen Aktienmärkte sind überwiegend mit kräftigen Gewinnen in die neue Woche gestartet. Rückenwind kommt von der Wall Street, die am Freitag auf Rekordständen geschlossen hatte. Ein schwächerer US-Arbeitsmarktbericht hat die Sorge vor einer baldigen weiteren Zinserhöhung der US-Notenbank gedämpft.
Besonders stark zeigt sich Japan. Der Nikkei 225 legt am Montagmorgen rund zwei Prozent zu. In Südkorea gewinnt der Kospi 1,1 Prozent. Der breite MSCI-Index für die Aktienmärkte im asiatisch-pazifischen Raum ohne Japan steigt um 0,8 Prozent.
China kann mit der guten Stimmung dagegen nicht mithalten. Der CSI 300 verliert 0,4 Prozent. Neue Inflationsdaten sind schwächer ausgefallen als erwartet und unterstreichen die weiterhin verhaltene Binnennachfrage in der Volksrepublik.
Buffett-Nachfolger liefert – Berkshire verdoppelt den Gewinn
Berkshire Hathaway hat im zweiten Quartal 2026 Umsatz und Gewinn kräftig gesteigert. Der den Aktionären zurechenbare Nettogewinn sprang von 12,37 auf 25,67 Milliarden US-Dollar. Es ist das zweite Quartal unter der operativen Führung von CEO Greg Abel.
Der Umsatz legte von 92,52 auf 101,81 Milliarden US-Dollar zu und übertraf damit die Analystenerwartungen von durchschnittlich 96,52 Milliarden US-Dollar deutlich.
Ein großer Teil des Gewinnsprungs stammt aus Kapitalanlagen. Die entsprechenden Gewinne stiegen von 6,36 auf 16,08 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen 15,64 Milliarden US-Dollar auf unrealisierte Buchgewinne im Aktienportfolio.
Auch operativ ging es aufwärts. Der Vorsteuergewinn der Tochtergesellschaften ohne Kapitalanlage- und Beteiligungsergebnisse erhöhte sich von 13,38 auf 14,38 Milliarden US-Dollar.
SK Hynix prüft Milliarden-Deal in China
SK Hynix erwägt, einen externen Investor an seinem Werk im chinesischen Chongqing zu beteiligen. Nach Informationen von Bloomberg führt der südkoreanische Chiphersteller Gespräche mit möglichen Beratern, darunter chinesische Fonds und wichtige Branchenvertreter.
Die Fabrik könnte dem Bericht zufolge mit rund drei Milliarden US-Dollar bewertet werden. SK Hynix könnte dabei eine Minderheitsbeteiligung behalten.
Eine Entscheidung ist bislang nicht gefallen. Die Gespräche befinden sich noch in einem frühen Stadium und könnten auch ohne Transaktion enden.
SK Hynix erklärte auf Anfrage von MT Newswires, das Unternehmen prüfe verschiedene Möglichkeiten, um seine Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Konkrete Beschlüsse gebe es bislang nicht.
TSMC und Sony schmieden Milliarden-Allianz für die nächste Chip-Welle
TSMC plant einem Bericht zufolge eine Investition von rund einer Billion Yen beziehungsweise etwa 6,3 Milliarden US-Dollar in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Sony in Japan. Das neue Unternehmen soll Bildsensoren der nächsten Generation produzieren.
TSMC dürfte rund 40 Prozent an der Gesellschaft halten. Beide Konzerne arbeiten derzeit an einer verbindlichen Vereinbarung, nachdem sie bereits im Mai 2026 eine Absichtserklärung unterzeichnet hatten. Die Massenproduktion könnte 2029 beginnen.
Die Kooperation soll Sonys Stärke beim Sensordesign mit der Fertigungstechnologie von TSMC verbinden. Im Fokus stehen Wachstumsfelder wie physische Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren und Robotik.
Hormus-Poker ohne Einigung – Ölpreis zieht wieder an
Die Ölpreise starten mit deutlichen Gewinnen in die neue Woche. Brent-Rohöl steigt am Montagmorgen um rund ein Prozent auf etwa 84,40 US-Dollar je Barrel. Die amerikanische Sorte West Texas Intermediate gewinnt rund 0,8 Prozent auf etwa 78,80 US-Dollar.
Grund ist erneut die Straße von Hormus. Iran erklärte am Sonntag zwar, dass eine Vereinbarung mit Oman über neue Schifffahrtsrouten kurz vor dem Abschluss stehe. Gleichzeitig machte Teheran jedoch deutlich, dass die wichtige Wasserstraße erst vollständig geöffnet werden soll, wenn die USA weitere iranische Bedingungen erfüllen. Der Schiffsverkehr bleibt deshalb stark eingeschränkt.
Damit kehrt nach dem jüngsten Rückgang wieder eine geopolitische Risikoprämie in den Ölpreis zurück. Die Entwicklung ist auch für die US-Notenbank relevant. Höhere Energiepreise könnten den Inflationsdruck erneut verstärken. Entsprechend gespannt wartet der Markt auf die amerikanischen Verbraucherpreise am Mittwoch.
Gold bleibt heiß – jetzt wartet der Markt auf den nächsten Zünder
Gold verteidigt zum Wochenstart sein hohes Kursniveau. Der Spotpreis liegt am Montagmorgen bei rund 4.339 US-Dollar je Feinunze und bewegt sich damit nur geringfügig gegenüber dem vorherigen Handelstag.
Hinter dem Edelmetall liegt allerdings eine starke Woche. Reuters zufolge hatte Gold zuletzt innerhalb einer Woche mehr als sieben Prozent zugelegt. Unterstützung kamen von sinkenden US-Renditen, einem schwächeren US-Dollar und der anhaltenden geopolitischen Unsicherheit.
Die nächste Richtungsentscheidung könnte bereits am Mittwoch fallen. Dann werden die amerikanischen Verbraucherpreise veröffentlicht. Fallen sie überraschend hoch aus, könnten die Erwartungen an weitere Zinserhöhungen der Federal Reserve wieder steigen. Das wäre tendenziell Gegenwind für das zinslose Edelmetall. Bleibt der Inflationsdruck dagegen moderat, dürfte die Zinsseite Gold weiter unterstützen.
Dollar wankt zum Wochenstart – der Euro greift wieder an
Der Dollar-Index liegt am Montagmorgen bei rund 99,6 Punkten und damit in der Nähe seines tiefsten Standes seit Anfang Juni. Belastet wird der Greenback durch den überraschenden Rückgang der US-Beschäftigung im Juli und die schwächere Lohnentwicklung. Damit haben die Erwartungen an eine baldige Zinserhöhung der US-Notenbank deutlich nachgelassen.
Der Euro gehört entsprechend zu den Gewinnern. Die Gemeinschaftswährung steigt bis auf rund 1,156 US-Dollar und bewegt sich damit nahe ihrem höchsten Niveau seit Mitte Juni. Auch das britische Pfund hält sich mit etwa 1,349 US-Dollar vergleichsweise stark.
Beim japanischen Yen hat sich die Lage nach den heftigen Bewegungen der vergangenen Wochen zunächst beruhigt. Ein US-Dollar kostet am Montagmorgen rund 158 Yen. Damit bleibt die japanische Währung deutlich stärker als noch Ende Juli, als der Dollar zeitweise bis auf etwa 164 Yen gestiegen war. Die jüngsten gemeinsamen Interventionen Japans und der USA wirken damit weiterhin nach.
Bitcoin knackt die 65.000 – kommt jetzt der nächste Ausbruch?
Bitcoin startet freundlich in die neue Woche und kämpft erneut mit der Marke von 65.000 US-Dollar. Am Montagmorgen kostet die größte Kryptowährung rund 65.009 US-Dollar. In den vergangenen 24 Stunden liegt Bitcoin leicht im Plus.
Damit hat sich der Bitcoin deutlich vom Tief zu Beginn der vergangenen Woche erholt. Noch am vergangenen Wochenende hatte die Kryptowährung die Woche bei rund 62.600 US-Dollar beendet. Entscheidend ist nun, ob sich Bitcoin nachhaltig oberhalb von 65.000 US-Dollar festsetzen kann.
Auch bei mehreren großen Altcoins zeigt sich zum Wochenstart eine leicht positive Tendenz. Der Kryptomarkt profitiert dabei wie die Aktienmärkte von der etwas entspannteren Zinsperspektive in den USA. Gleichzeitig bleibt das Umfeld fragil: Die geopolitische Unsicherheit im Nahen Osten und der erneute Ölpreisanstieg könnten die Risikobereitschaft jederzeit wieder belasten.
Für Bitcoin dürfte daher ebenfalls der Mittwoch entscheidend werden. Die US-Inflationsdaten könnten bestimmen, ob die Hoffnung auf weniger Zinsdruck neuen Schwung liefert – oder die Marke von 65.000 US-Dollar erneut zur unüberwindbaren Hürde wird.
Autor: Markus Weingran, wallstreetONLINE Redaktion
