Milliarden-Buyback
Warren Buffett und Greg Abel halten die Berkshire-Aktie offenbar für zu billig
Berkshire Hathaway hat eigene Aktien für Milliarden zurückgekauft – nach fast zwei Jahren Pause. Laut Konzernregeln passiert das nur, wenn der Kurs unter dem inneren Wert liegt.
- Berkshire kauft Milliarden eigener Aktien zurück
- Rückkäufe signalisieren eine Unterbewertung
- Operativer Gewinn steigt, Geico enttäuscht
- Report: KI braucht Strom
Berkshire Hathaway kauft eigene Aktien wieder für Milliarden zurück – und gibt damit ein klares Signal zur Bewertung der Berkshire-Aktie. Im zweiten Quartal flossen rund 4,5 Milliarden US-Dollar in Rückkäufe, im Juli weitere gut 3,3 Milliarden. Nach den Konzernregeln kommen Rückkäufe infrage, wenn CEO Greg Abel nach Rücksprache mit Warren Buffett den Aktienkurs unter dem konservativ ermittelten inneren Wert sieht. Die Botschaft dahinter: Die Berkshire-Führung hält die eigene Aktie derzeit für zu billig.
Gleichzeitig setzt Abel einen größeren Teil des gewaltigen Cash-Bergs ein. Nach 14 Quartalen als Nettoverkäufer kaufte Berkshire erstmals wieder mehr Aktien, als es verkaufte – netto für fast 20 Milliarden US-Dollar. Die liquiden Mittel sanken von rund 397 Milliarden US-Dollar Ende März auf etwa 365 Milliarden Ende Juni. Zusätzlich gab Berkshire 6,8 Milliarden US-Dollar für die inzwischen abgeschlossene Übernahme des Hausbauers Taylor Morrison aus.
Auch das operative Geschäft lieferte. Der operative Gewinn stieg im zweiten Quartal um 16 Prozent auf 12,98 Milliarden US-Dollar und übertraf die Analystenschätzungen von rund 10,6 Milliarden deutlich. Der Nettogewinn verdoppelte sich auf 25,67 Milliarden US-Dollar, wobei fast 13 Milliarden US-Dollar Anlagegewinne enthalten waren. Der Umsatz legte um zehn Prozent auf 101,81 Milliarden US-Dollar zu.
BNSF, ehemals Burlington Northern Santa Fe und eine 100prozentige Tochter von Berkshire, steigerte den Gewinn um sechs Prozent auf 1,56 Milliarden US-Dollar. Berkshire Hathaway Energy, ebenfalls eine wichtige Tochtergesellschaft von Berkshire, verdiente mit 891 Millionen US-Dollar 27 Prozent mehr. Deutlich schlechter lief es bei Geico, eine weitere hundertprozentige Tochtergesellschaft der Holding: Der versicherungstechnische Gewinn des Kfz-Versicherers brach um 45 Prozent ein. Höhere Schaden- und Marketingkosten belasteten. CFRA-Analystin Cathy Seifert bezeichnete die Zahlen als "absolut desaströs" und sprach von "Warnsignalen".
Buffett bleibt trotz des Führungswechsels in die Entscheidungen eingebunden. Gegenüber CNBC erklärte er zuletzt, weder er noch Abel täten etwas, dem der jeweils andere nicht zugestimmt habe. Damit bekommen die milliardenschweren Rückkäufe zusätzliches Gewicht: Abel kauft nicht gegen Buffett, sondern mit dessen Zustimmung.
An der Börse hinkt Berkshire 2026 bislang deutlich hinterher. Rund drei Prozent Kursplus stehen etwa 13 Prozent beim S&P 500 gegenüber. Genau hier wird das Rückkaufsignal interessant: Während die Berkshire-Aktie dem Gesamtmarkt hinterherläuft, steckt der Konzern selbst Milliarden in seine Aktien – zu Kursen, die Abel und Buffett nach den eigenen Rückkaufregeln unter dem inneren Wert sehen.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

