Nach den Chips kommt der Strom
Nvidias nächster Milliarden-Coup: Dieser KI-Engpass wird zum Schlüssel
Nvidia will bis zu drei Milliarden US-Dollar in Lancium investieren und sich damit frühzeitig Stromkapazitäten für den KI-Boom sichern.
- Nvidia plant bis zu drei Milliarden für Lancium
- Lancium sichert in Texas Strom für KI-Rechenzentren
- Der Deal sichert Nvidia wichtige Stromkapazitäten
- Report: KI braucht Strom
Nvidia plant, 2 Milliarden US-Dollar in das US-Energieunternehmen Lancium zu investieren, wobei möglicherweise weitere 1 Milliarde US-Dollar zur Verfügung stehen, wenn der Energieentwickler neue Kapazitäten hinzufügt, berichtete The Information. Die anfängliche Investition würde Nvidia einen Anteil von etwa 20 Prozent an dem von Blackstone unterstützten Unternehmen sichern, der auf etwa 30 Prozent steigen würde, wenn Lancium bestimmte Meilensteine im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme zusätzlicher Stromkapazitäten erreicht, so der Bericht.
Laut dem Bericht wird das Geschäft von Lancium, einschließlich seiner Grundstücke und Stromanschlüsse, durch die Transaktion auf Unternehmenswertbasis mit rund 10 Milliarden US-Dollar bewertet. Nvidia will zunächst zwei Milliarden US-Dollar in Lancium investieren und dafür rund 20 Prozent erhalten. Eine weitere Milliarde US-Dollar könnte fließen, wenn Lancium zusätzliche Stromkapazitäten beziehungsweise Netzanschlüsse realisiert. Dann könnte Nvidias Anteil auf rund 30 Prozent steigen. Lancium werde inklusive Grundstücken und gesicherten Stromanschlüssen mit einem Enterprise Value von etwa zehn Milliarden US-Dollar bewertet. Bemerkenswert: Es handelt sich laut The Information um ein reines Eigenkapitalinvestment. Nvidia übernimmt demnach keine Kreditgarantien für den Bau der Rechenzentren oder Leasingverträge.
Lancium ist deshalb interessant, weil das Unternehmen in Texas große Grundstücke mit bereits genehmigten Netzanschlüssen entwickelt. Das Geschäftsmodell besteht im Kern darin, gigawattgroße Standorte für KI-Rechenzentren samt Stromversorgung vorzubereiten. Lancium selbst spricht von Standorten ab einem Gigawatt mit Ausbaupotenzial auf mehr als fünf Gigawatt. Der Engpass ist also weniger das Gebäude als der Zugang zu mehreren hundert Megawatt oder sogar Gigawatt Strom. Das wichtigste Projekt liegt in Abilene, Texas. Der Lancium Clean Campus verfügt über einen von ERCOT genehmigten Netzanschluss von 1,2 Gigawatt. Dort steht auch der erste große Standort des Stargate-Projekts. Die ersten beiden Rechenzentrumsgebäude mit mehr als 200 Megawatt IT-Leistung gingen bereits 2025 in Betrieb. Insgesamt sollen dort acht Gebäude mit bis zu 1,2 Gigawatt entstehen.
Und genau hier wird der Nvidia-Deal strategisch interessant: Stargate gehört zu den größten potenziellen Abnehmern von Nvidia-Chips überhaupt. OpenAI, Oracle und SoftBank hatten das Programm ursprünglich mit einer langfristigen Größenordnung von bis zu 500 Milliarden US-Dollar und zehn Gigawatt Rechenzentrumsleistung angekündigt. OpenAI teilte im September 2025 mit, dass mit zusätzlichen Standorten bereits der Weg zu dieser Zehn-Gigawatt-Kapazität gesichert sei. Gleichzeitig wächst Abilene inzwischen über Stargate hinaus. Crusoe kündigte im März 2026 neben dem bestehenden 1,2-Gigawatt-Komplex einen weiteren 900-Megawatt-Campus für Microsoft an. Damit könnte die gesamte Infrastruktur am Standort auf etwa 2,1 Gigawatt anwachsen.
Nvidia bewegt sich vertikal nach unten in der KI-Wertschöpfungskette. Der Chiphersteller verkauft nicht mehr nur GPUs, Netzwerktechnik und komplette Server-Racks, sondern beteiligt sich zunehmend
an der Infrastruktur, die überhaupt erst dafür sorgt, dass diese Chips betrieben werden können. Das ist eine logische Reaktion auf den KI-Boom: Chips können produziert werden – Stromanschlüsse im
Gigawattbereich lassen sich dagegen nicht beliebig schnell schaffen. Diese Interpretation ist eine Schlussfolgerung aus Nvidias Beteiligung und Lanciums Geschäftsmodell. Dem Bericht zufolge erwägt
Lancium bereits einen Börsengang im Jahr 2027. Nvidias Einstieg könnte damit nicht nur strategisch sein, sondern Nvidia würde sich möglicherweise vor einem IPO zu einer Bewertung von rund zehn
Milliarden US-Dollar einen großen Anteil sichern.
Die Aktie von Nvidia ist am Montag (12:00 Uhr, MESZ) auf Tradegate 0,38 Prozent im Plus. Ein Anteilsschein kostet 194,42 Euro.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion

