Preise bis 210 Euro

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    Gas-Poker rächt sich: Deutschland muss jetzt teuer einkaufen

    Deutschlands Gasspeicher sind nur zu 47 Prozent gefüllt. Nun muss teures LNG eingekauft werden, doch die Konkurrenz ist scharf. Es drohen Gaspreise von mehr als 200 Euro. Die Rechnung zahlt der Verbraucher.

    Für Sie zusammengefasst
    • Deutschlands Speicher nur zu 47 Prozent gefüllt
    • Teures LNG wird knapp, Europa konkurriert mit Asien
    • Leere Speicher erhöhen Winterpreise für Verbraucher
    • Report: KI braucht Strom
    Preise bis 210 Euro - Gas-Poker rächt sich: Deutschland muss jetzt teuer einkaufen

    Deutschland hat ein Gasproblem. Zwar ist aktuell noch genügend Brennstoff vorhanden, doch der Puffer für den kommenden Winter ist ungewöhnlich klein. Die deutschen Gasspeicher sind Anfang August nur zu rund 47 Prozent gefüllt. Das ist der niedrigste Stand für diese Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen der Daten durch Gas Infrastructure Europe (GIE) im Jahr 2011.

    Auch europaweit sieht es kaum besser aus. Die Speicher der Europäischen Union sind nur zu knapp 58 Prozent gefüllt. Das sind rund zwölf Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr und ebenfalls der niedrigste Stand für diese Jahreszeit seit Beginn der Aufzeichnungen. Das Timing könnte kaum schlechter sein. Ende Juli kostete europäisches Erdgas am niederländischen Handelspunkt TTF zeitweise fast 60 Euro je Megawattstunde. Anfang August entspannte sich der Preis etwas, aber am heutigen Montag wurden zeitweise wieder mehr als 57 Euro aufgerufen. Vor den jüngsten geopolitischen Verwerfungen hatte Gas noch bei rund 31 Euro gelegen.

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    Deutschland muss seine Speicher damit ausgerechnet in einer Phase auffüllen, in der Gas erheblich teurer geworden ist. Ein Grund sind die Störungen in der Straße von Hormus. Über die Route wurden normalerweise LNG-Mengen aus Katar transportiert, die rund 20 Prozent des weltweiten Angebots entsprechen. Seit dem Ausbruch des Krieges mit Iran fehlen große Teile dieser Lieferungen am Weltmarkt. Für Europa wird das besonders unangenehm. Seit dem weitgehenden Ende russischer Pipeline-Lieferungen ist der Kontinent stärker von Flüssigerdgas abhängig. LNG kann jedoch dorthin fahren, wo der höchste Preis bezahlt wird. Europa konkurriert deshalb direkt mit Abnehmern in Japan, Südkorea oder China. Auch asiatische Käufer müssen derzeit Lieferungen ersetzen, die normalerweise durch Hormus kommen.

    Wer seine Speicher füllen will, muss also mitbieten. Analysten rechnen inzwischen nur noch damit, dass die europäischen Speicher vor dem 1. November auf einen Höchststand von 67 bis 76 Prozent steigen werden, verglichen mit eigentlich anvisierten 90 Prozent, berichtet Reuters. Selbst für diese deutlich niedrigere Füllstände müssten europäische Käufer höhere Preise bieten, um LNG-Ladungen aus Asien abzuziehen.

    Hinzu kommt ein ungewöhnlicher Marktmechanismus. Normalerweise ist Gas im Sommer günstiger als für den kommenden Winter. Händler wie Uniper – die sowohl Speicherbetreiber als auch einer der größten LNG-Einkäufer und -Händler des Landes sind – oder RWE kaufen es, lagern es ein und verkaufen es später teurer. Momentan ist die Struktur teilweise umgekehrt: Kurzfristiges Gas kostet mehr als Wintergas. Für die Händler gebe es also keinerlei finanziellen Anreiz, Speicher zu den aktuellen Marktpreisen zu füllen, sagen Experten. Um jetzt noch eine Befüllung von nur 80 Prozent zu erreichen, müsste es zu beinahe rekordhohen Zukäufen und Einspeicherungen kommen – wahrscheinlich mit staatlicher Unterstützung.

    Dabei ist die heutige Lage auch eine Folge der Entscheidungen des vergangenen Jahres. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hatte unter Katharina Reiche seine verpflichtenden Speicherziele 2025 bewusst abgesenkt. Für die meisten Speicher galt zum 1. November nur noch ein Ziel von 80 statt zuvor 90 Prozent. Für sechs große Porenspeicher, darunter Rehden, wurde die Vorgabe sogar auf 45 Prozent reduziert. Infolgedessen ging Deutschland mit deutlich weniger Reserven in den Winter als in den Jahren nach der Energiekrise. Anschließend wurden die Speicher kräftig geleert. Ende März 2026 waren sie nur noch zu rund 22 Prozent gefüllt – der niedrigste Stand seit sieben Jahren.

    Was damals wie eine Entlastung des Marktes aussah, rächt sich nun. Deutschland muss den verlorenen Puffer unter deutlich schwierigeren Bedingungen wieder aufbauen. Gleichzeitig erhöht der heiße Sommer den europäischen Strombedarf für Kühlung und damit teilweise auch den Einsatz von Gaskraftwerken. Wie teuer es im Winter werden könnte, hängt vor allem von der Entwicklung der Nahost-Krise und vom Wetter ab. Bei einer Normalisierung der LNG-Lieferungen könnten die Preise bei etwa 60 bis 80 Euro je Megawattstunde liegen, erwartet Energy Aspects. Bleiben katarische LNG-Lieferungen dagegen aus und wird der Winter überdurchschnittlich kalt, könnte der durchschnittliche Preis zwischen November und März auf etwa 110 Euro steigen. Die europäischen Speicher wären anschließend nur noch zu zehn Prozent gefüllt.

    Noch drastischer fällt ein Stressszenario aus, in dem Europa zusätzlich einen Sicherheitspuffer von 16 Prozent erhalten will. Dann könnte der Durchschnittspreis laut Energy Aspects sogar 210 Euro je Megawattstunde erreichen. Das wäre noch unter den Spitzen von mehr als 300 Euro aus der Energiekrise 2022, aber ein schwerer Belastungsschock für Haushalte und energieintensive Unternehmen wie beispielsweise die BASF.

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    Eine Wiederholung von 2022 ist nicht das Basisszenario. Europa verbraucht heute weniger Gas, verfügt über mehr erneuerbare Energien und deutlich größere LNG-Importkapazitäten. Doch die niedrigen Speicherstände nehmen dem Markt seinen wichtigsten Puffer.

    Deutschland hat 2025 darauf gesetzt, dass weniger staatlicher Kaufdruck die Preise niedrig hält. Heute zeigt sich die Kehrseite dieser Strategie: Die Speicher sind leerer als je zuvor zu dieser Jahreszeit – und das Gas zum Auffüllen ist ausgerechnet jetzt teuer.

    Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion



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    Verfasst vonRedakteurIngo Kolf
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