Mehr Geld für Erzeuger
18,5 statt 7,1 Cent: Wo Bauern an unserem Essen wirklich verdienen
Wenn Verbraucher seltener essen gehen, leiden Restaurants. Für Landwirte kann der Trend sogar positiv sein.
- Weniger Restaurantbesuche belasten die Gastronomie
- Zu Hause gekocht, erreicht mehr Geld die Landwirte
- Bio und Regionalität können die Nachfrage stärken
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Weniger Restaurantbesuche sind ein großes Problem für die Gastronomie. Doch dieselbe Entwicklung könnte für Landwirte überraschende Vorteile haben: Wer häufiger zu Hause kocht, lenkt einen deutlich größeren Teil seiner Ausgaben in Richtung Landwirtschaft.
Wie groß dieser Unterschied sein kann, zeigen Daten des US-Landwirtschaftsministeriums USDA. Im Jahr 2024 erhielten Farmer dort durchschnittlich 18,5 Cent von jedem Dollar, den Verbraucher für Lebensmittel zum Verzehr zu Hause ausgaben. Beim Essen außer Haus waren es lediglich 7,1 Cent. Der Anteil der Landwirtschaft am Verbraucher-Dollar war beim heimischen Essen damit mehr als zweieinhalbmal so hoch.
Der Grund ist einfach: Im Restaurant bezahlt der Gast nicht nur das Essen. In einer Rechnung von 30 Euro stecken auch Löhne für Küche und Service, Miete, Energie, Reinigung, Einrichtung und die Marge des Betriebs. Der Wert der Kartoffeln, des Fleisches oder des Gemüses macht davon nur einen kleinen Teil aus.
In europäischen Supermärkten Ahold, Carrefour und Tesco sieht die Rechnung anders aus. Auch dort verdienen Verarbeiter, Logistiker und Händler mit. Doch ein wesentlich größerer Anteil des Endpreises entfällt auf das eigentliche Lebensmittel. Für Bauern macht es deswegen einen Unterschied, wo der Verbraucher seinen Euro ausgibt.

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Internationale Daten der Welternährungsorganisation FAO stützen diesen Zusammenhang. Im Durchschnitt fließen rund 20 Prozent der Ausgaben für Lebensmittel, die zu Hause gegessen werden, an die Landwirtschaft. Beim Essen außer Haus sind es lediglich rund 6,7 Prozent.
Noch interessanter wird die Rechnung, wenn Verbraucher das beim Restaurantbesuch eingesparte Geld teilweise in höhere Qualität stecken. Ein Essen für zwei Personen kostet im Restaurant schnell 50 oder 60 Euro. Wer selbst kocht, kann auch mit hochwertigen Zutaten deutlich darunterbleiben. Dadurch bleibt Spielraum für Bio-Fleisch, regionale Eier, hochwertiges Gemüse oder Produkte direkt vom Erzeuger. Das könnte neben den Landwirten auch Unternehmen wie dem Kochboxen-Anbieter HelloFresh oder dem Bremer Tiefkühlkosthersteller FRoSTA zugute kommen.
Für Landwirte könnte das einen doppelten Effekt bedeuten: Ein größerer Anteil der Konsumausgaben landet überhaupt bei Lebensmitteln – und gleichzeitig könnte die Nachfrage nach höherpreisigen Produkten steigen. Gerade Bio und Regionalität spielen hier eine wichtige Rolle. Wer im Supermarkt einkauft, kann seinen gesamten Warenkorb vergleichsweise einfach auf hochwertige Produkte umstellen. In Restaurants ist das deutlich schwieriger. Selbst Betriebe, die mit Nachhaltigkeit oder regionalen Zutaten werben, arbeiten nicht zwangsläufig vollständig mit Bio-Produkten. Selbst in Großstädten wie Berlin ist es nahezu unmöglich, Restaurants zu finden, die vollständig auf Bio-Qualität setzen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder ausgefallene Restaurantbesuch automatisch mehr Gewinn für Bauern bringt. Entscheidend bleibt, was der Verbraucher stattdessen kauft. Wer ausschließlich zur billigsten Handelsmarke greift oder greifen muss oder das gesparte Geld für andere Dinge ausgibt, erzeugt kaum zusätzlichen Nutzen für die Landwirtschaft.
Auch ein höherer Anteil am Verbraucherpreis ist nicht automatisch gleichbedeutend mit einer höheren Gewinnmarge. Landwirte müssen weiterhin Betriebsmittel, Energie, Maschinen und Personal bezahlen. Trotzdem zeigen die Daten einen bemerkenswerten Zusammenhang: Je näher der Konsum am eigentlichen Lebensmittel bleibt, desto größer ist tendenziell der Anteil, der bei der Landwirtschaft ankommt.
Für Bauern könnte die aktuelle Restaurant-Zurückhaltung deshalb mehr sein als nur eine Begleiterscheinung hoher Preise. Wenn Verbraucher häufiger selbst kochen und dabei einen Teil ihrer Ersparnis in Qualität, Regionalität und Bio investieren, könnte aus der Gastronomie-Schwäche zumindest für Teile der Landwirtschaft eine unerwartete Chance werden.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

