Alle Augen auf den CPI
US-Inflation: Ein paar Zehntel entscheiden morgen über Rallye oder Abverkauf
JPMorgan sieht je nach Kerninflation mehrere Prozent Bewegungspotenzial beim S&P 500. Entscheidend sind Unterschiede, die auf den ersten Blick fast lächerlich klein wirken.
- JPMorgan sieht je nach Kerninflation Kursbewegungen
- Kerninflation über 0,3 Prozent könnte Verluste bringen
- Niedrige Kernrate könnte den S&P 500 deutlich stützen
- Report: KI braucht Strom
Am Mittwoch könnte eine einzige Inflationszahl über den nächsten größeren Move an der Wall Street entscheiden. JPMorgan rechnet je nach Ausgang des US-Verbraucherpreisindex für Juli mit einer Spanne von minus 2,5 bis plus 2 Prozent beim S&P 500. Entscheidend ist dabei vor allem die Kerninflation, also die Preisentwicklung ohne Lebensmittel und Energie.
Ökonomen erwarten laut Dow Jones, dass die Verbraucherpreise im Juli gegenüber dem Vormonat um 0,1 Prozent gestiegen sind. Im Jahresvergleich dürfte die Inflation bei 3,4 Prozent liegen. Für die Kernrate werden 0,2 Prozent zum Juni und 2,5 Prozent zum Vorjahr erwartet. Genau um diese Marke könnte sich die Börsenreaktion drehen.
Fällt die monatliche Kerninflation höher als 0,3 Prozent aus, sieht JPMorgan den S&P 500 um 1,5 bis 2,5 Prozent fallen. Bei 0,25 bis 0,3 Prozent wären noch Verluste von 0,5 bis 1,25 Prozent möglich. Trifft die Kernrate dagegen die Spanne von 0,2 bis 0,25 Prozent, erwartet die Bank ein Plus von 0,25 bis 0,75 Prozent. Unter 0,2 Prozent könnte der Index um bis zu ein Prozent steigen. Bei weniger als 0,15 Prozent hält JPMorgan sogar einen Sprung von ein bis zwei Prozent für möglich.
Damit wird der CPI-Bericht auch zum Zinstest. Für die Fed steht bei ihrer September-Sitzung erneut die Frage einer Zinserhöhung an. Am Terminmarkt liegt die Wahrscheinlichkeit für einen solchen Schritt derzeit bei fast 52 Prozent. Nach dem Ölpreisanstieg durch den Nahostkonflikt dürfte die Notenbank besonders genau darauf achten, ob der Preisdruck wieder hartnäckiger wird.
Interessant ist der Kontrast zwischen Ökonomen und Prognosemärkten. Während der Dow-Jones-Konsens mit 3,4 Prozent Gesamtinflation rechnet, setzen Händler auf Kalshi eher auf einen etwas niedrigeren Wert. Die Wahrscheinlichkeit für mehr als 3,4 Prozent liegt dort nur bei 15 Prozent. Bei der Kerninflation sehen die Händler lediglich eine Wahrscheinlichkeit von elf Prozent für einen Wert über 2,5 Prozent.
Im Juni war die Inflation überraschend deutlich zurückgegangen: Die Jahresrate lag mit 3,5 Prozent unter den erwarteten 3,8 Prozent, monatlich sanken die Verbraucherpreise um 0,4 Prozent – der stärkste Rückgang seit mehr als sechs Jahren. Am Mittwoch entscheidet sich, ob daraus ein neuer Disinflationstrend wird oder ob die Fed schon im September wieder härter reagieren muss. Für den S&P 500 könnte die Differenz von wenigen Zehntelprozentpunkten mehrere Prozent Kursbewegung bedeuten.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

