Für 20 Prozent ist Schluss
Jamie Dimon: Für Millionen Amerikaner ist der American Dream vorbei
Der JPMorgan-Chef verteidigt Amerikas Aufstiegsversprechen. Doch für die unteren 20 Prozent fällt sein Urteil so düster aus, dass genau daran die Debatte kippt.
- Dimon verteidigt den amerikanischen Traum
- Für die unteren 20 Prozent stockt der Aufstieg
- Ungleichheit lässt das Vertrauen weiter bröckeln
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Jamie Dimon hält die Generation Z für zu pessimistisch – und liefert ihr zugleich selbst das stärkste Gegenargument. Der Chef von JPMorgan Chase sagte in einem Interview mit dem US-Sender PBS, der amerikanische Traum sei für die Mehrheit weiterhin "voll und ganz erreichbar". Für die unteren 20 Prozent der Haushalte räumt er jedoch ein, dass der soziale Aufstieg praktisch nicht mehr funktioniert.
"Aber das eigentliche Problem sind die unteren 20 Prozent. Ihre Einkommen sind seit 20 Jahren nicht gestiegen – vielleicht sogar schon länger", zitiert Fortune Dimon. Diese Menschen lebten häufiger in Vierteln mit höherer Kriminalität und schickten ihre Kinder auf Schulen, die ihnen schlechtere Chancen eröffneten. Sein Fazit: "Also ja, ich denke, es stimmt: Für sie geht es bergab."
Gerade junge Amerikaner zweifeln immer stärker an dem alten Versprechen, dass harte Arbeit automatisch zu einem besseren Leben führt. Laut einer im Juni veröffentlichten Umfrage von Associated Press und dem Forschungsinstitut NORC glaubt nur etwa jeder fünfte Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren daran, dass der amerikanische Traum noch erreichbar ist. Dimon hält diese Skepsis dennoch für überzogen. "Ich bin kein großer Fan von Umfragen, und die meisten dieser Leute werden sich irren", sagte er.
Gleichzeitig versteht er die Wut am unteren Ende der Einkommensskala. Viele Menschen sähen, dass Vermögende immer reicher würden, während sie selbst kaum vorankämen. Genau darin sieht Dimon einen Treiber der politischen Polarisierung in den USA. Politiker beider Lager müssten deshalb stärker bei Bildung, Arbeitsmarktchancen und wirtschaftlicher Teilhabe ansetzen.
JPMorgan versucht mit seiner mehrjährigen "American Dream Initiative" gegenzusteuern. Das Programm soll unter anderem kleine Unternehmen fördern und den Zugang zu beruflicher Weiterbildung verbessern.
Der Widerspruch bleibt trotzdem brutal: Der Chef der größten US-Bank sagt der Generation Z, sie solle den amerikanischen Traum noch nicht abschreiben – und bestätigt zugleich, dass ein Fünftel der Haushalte seit Jahren kaum noch aufsteigt. Genau diese Lücke zwischen wachsendem Wohlstand und fehlenden Chancen erklärt, warum das Vertrauen in das amerikanische Erfolgsversprechen immer weiter bröckelt.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion
