Neutron Start bremst Aktie aus
Rocket Lab: SpaceX-Konkurrent strauchelt nach Zahlen – ein Grund zur Sorge?
Nach dem Quartalsbericht geriet die Aktie von Rocket Lab zeitweise unter Druck. Die Zahlen waren dabei aber nicht das Problem. Der Starttermin für die Neutron-Rakete sorgte für Unruhe. Ist das wirklich ein Problem?
- Rocket Lab steigert Umsatz und reduziert Verluste
- Rekordaufträge stärken Rocket Labs Wachstumsstory
- Neutron-Termin sorgt trotz guter Zahlen für Unruhe
Kaum waren die Zahlen von Rocket Lab veröffentlicht, ging es mit dem Kurs erst einmal bergab. Allerdings wurde das Minus im Laufe des Handelstages deutlich kleiner und die Aktie kratze schon wieder am grünen Bereich. Die Zahlen konnten sich nämlich sehen lassen.
Rocket Lab hat im zweiten Quartal operativ kräftig zugelegt. Der Umsatz kletterte auf 234 Millionen US-Dollar und erreichte damit einen neuen Höchststand. Gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht das einem Anstieg von 62 Prozent. Auch im Vergleich zum ersten Quartal legte das Geschäft noch einmal deutlich zu.
Parallel dazu konnte das Unternehmen seinen Verlust reduzieren. Unter dem Strich stand ein Minus von 49,25 Millionen US-Dollar. Ein Jahr zuvor hatte Rocket Lab noch 66,41 Millionen US-Dollar verloren.
Auftragsbestand wächst auf Rekordniveau
Noch wichtiger für die weitere Entwicklung ist allerdings der Blick auf die Auftragslage. Zum Quartalsende lagen Bestellungen im Volumen von 2,36 Milliarden US-Dollar vor. Binnen zwölf Monaten hat sich dieser Wert damit mehr als verdoppelt. Seit Anfang Juli konnte Rocket Lab zudem bereits zusätzliche Verträge im Umfang von mehr als einer Milliarde US-Dollar abschließen.
Besonders stark wächst das Geschäft mit staatlichen Auftraggebern. Von der US Space Force erhielt Rocket Lab unter anderem einen Auftrag über 397 Millionen US-Dollar. Hinzu kommen weitere Verträge für geostationäre Satelliten sowie neue Startbuchungen für Electron, HASTE und Neutron. Insgesamt stehen inzwischen mehr als 90 Missionen im Auftragsbuch.
Auch für das laufende Quartal erwartet das Management weiteres Wachstum. Der Umsatz soll zwischen 250 und 265 Millionen US-Dollar liegen.
Das eigentliche Problem heißt Neutron
Trotzdem reagierten Anleger enttäuscht. Der Grund dafür lag vor allem bei Neutron. Die neue Mittelklasse-Rakete ist für Rocket Labs nächste Wachstumsphase von zentraler Bedeutung. Bislang hatte das Unternehmen den Jungfernflug für das vierte Quartal 2026 in Aussicht gestellt. Nach den jüngsten Aussagen steht nun zunächst im Vordergrund, die Rakete bis zum Jahresende vollständig zur Startrampe zu bringen.
Einen festen Termin für den ersten Flug nannte Rocket Lab nicht mehr. Finanzchef Adam Spice hält einen Start noch im gleichen Zeitraum zwar weiterhin für möglich. CEO Peter Beck machte zugleich deutlich, dass der zeitliche Spielraum bis Jahresende kleiner wird. Genau diese Unsicherheit drückte auf die Stimmung. Die Aktie verlor nachbörslich rund sieben Prozent.
Margen sorgen zusätzlich für Gegenwind
Neben Neutron enttäuschte auch die Margenprognose. Für das dritte Quartal rechnet Rocket Lab mit einer GAAP-Bruttomarge von lediglich 29 bis 31 Prozent. Analysten hatten laut LSEG im Schnitt 37,6 Prozent erwartet. Belastend wirkten vor allem der steigende Anteil margenschwächerer Satellitensysteme, hohe Entwicklungsausgaben für Neutron und Kosten im Zusammenhang mit den jüngsten Übernahmen.
Für Anleger mit langfristigem Horizont verändert sich die grundlegende Wachstumsstory zunächst jedoch kaum. Bei der Entwicklung einer neuen Rakete sind Terminverschiebungen ein erhebliches, aber keineswegs ungewöhnliches Risiko. Entscheidend dürfte weniger sein, ob der erste Flug einige Wochen früher oder später erfolgt. Viel wichtiger ist, dass Neutron erfolgreich in Betrieb geht und Rocket Lab anschließend regelmäßig Missionen durchführen kann.
Rocket Lab nimmt Europa ins Visier
Unterdessen baut das Unternehmen seine Präsenz weiter aus. Nach den Übernahmen von Mynaric und Motiv sowie der angekündigten Iridium-Transaktion richtet Rocket Lab den Blick zunehmend auf Europa.
Mit Rocket Lab Germany soll Deutschland künftig eine größere Rolle bei der Fertigung von Satelliten, Nutzlasten und Komponenten spielen. Gleichzeitig will sich das Unternehmen stärker für europäische kommerzielle Raumfahrtprogramme sowie Projekte aus den Bereichen Verteidigung und nationale Sicherheit positionieren.
Mein Tipp: Nicht abgehoben ist nicht aufgehoben
Die Börse hatte sich offenbar stärker auf den Zeitplan von Neutron konzentriert als auf die Rekordzahlen. Eine tatsächliche Verschiebung des Erstflugs über das vierte Quartal hinaus ist bislang nicht bestätigt, das Risiko dafür ist jedoch gestiegen.
Für kurzfristig orientierte Anleger ist das enttäuschend. Wer dagegen auf die langfristige Expansion von Rocket Lab setzt, dürfte vor allem eines brauchen: etwas mehr Geduld. Solange Aufträge, Umsatz und internationale Expansion weiter zulegen, bleibt die Wachstumsstory intakt.
Dass noch kein genaues Datum für den Erstflug der Neutron-Rakete feststeht, ist zwar ärgerlich, aber kein Beinbruch. Daher bietet die Aktien für mutige, langfristig orientierte Anleger immer noch eine Chance, sich bei einem der führenden Weltraum-Konzerne zu positionieren.
Markus Weingran, Chefredakteur wallstreetONLINE Börsenlounge
Die wallstreetONLINE Börsenlounge ist ein beliebtes YouTube-Format, das sich auf das Thema Börse und Finanzen spezialisiert hat. Die Börsenlounge wird von der Online-Finanzplattform wallstreetONLINE produziert und bietet den Zuschauern eine informative und unterhaltsame Show, die sich mit aktuellen Marktentwicklungen, Investitionstipps und Finanzthemen befasst. Täglich um 12 Uhr @wallstreetonlineTV
Übrigens: Zu den Musterdepots der wO Börsenlounge geht es hier lang!


