Ölpreise ziehen weiter an
Neue Eskalation vor US-Infaltionsdaten – Zahlen von SMCI, EON, Bilfinger und Tui
Ein kurzer Hoffnungsschimmer an den US-Märkten konnte die Kurse an Ende des Tages nicht im Plus halten. Der DAX nutzt die Vorgaben um verhalten in der Nähe seines ATH in den Tag zu starten.
- DAX startet kaum verändert nahe dem Rekordhoch
- US-Inflation und Ölpreise prägen die Märkte
- Eon bestätigt Prognose, TUI-Gewinn bricht ein
- Report: KI braucht Strom
Der Dax dürfte am Mittwoch zunächst kaum verändert in den Handel starten und damit in der Nähe seines Rekordhochs von 26.504 Punkten bleiben. Rund eine Stunde vor dem Xetra-Start taxierte der Broker IG den deutschen Leitindex 0,1 Prozent tiefer bei 26.366 Punkten.
Am Dienstag hatte der Dax ein neues Allzeithoch erreicht und sein Plus seit Jahresbeginn auf gut acht Prozent ausgebaut. Neue Impulse fehlen zunächst. Während die US-Börsen zuletzt etwas nachgaben, zeigten sich die Märkte in Japan und Südkorea am Mittwochmorgen erholt. Für etwas Gegenwind sorgen weiter steigende Ölpreise, die inzwischen den höchsten Stand seit Ende Juli erreicht haben.
US-Börsen drehen ins Minus
Die US-Börsen haben am Dienstag trotz zwischenzeitlicher Hoffnungen auf Fortschritte im Iran-Krieg im Minus geschlossen. Der Dow Jones verlor 0,34 Prozent auf 53.791,85 Punkte, der S&P 500 gab 0,32 Prozent nach und der Nasdaq 100 fiel um 0,33 Prozent. Besonders schwach zeigten sich die Alphabet-Aktien mit einem Minus von 3,8 Prozent.
Für Zurückhaltung sorgten vor allem die weiter steigenden Ölpreise und damit verbundene Inflationssorgen. Entsprechend richtet sich der Blick nun auf die am Mittwoch anstehenden US-Verbraucherpreise für Juli. Erwartet wird ein leichter Rückgang der Inflationsrate auf 3,4 Prozent. Bleibt eine negative Überraschung aus, könnten Spekulationen auf eine weitere Zinserhöhung der US-Notenbank zunächst an Schwung verlieren. Bereits der schwache Arbeitsmarktbericht vom vergangenen Freitag hatte entsprechende Erwartungen gedämpft.
SMCI: Starker Ausblick macht schwachen Umsatz wett
Super Micro Computer hat mit starken Prognosen und einer überraschend hohen Marge überzeugt. Der Umsatz im vierten Geschäftsquartal stieg zwar um 93 Prozent auf 11,12 Milliarden US-Dollar, blieb aber unter den Erwartungen. Dafür übertraf der bereinigte Gewinn je Aktie mit 1,70 US-Dollar den Konsens deutlich.
Besonders stark fiel die Bruttomarge aus: Sie sprang auf 17,5 Prozent nach 9,9 Prozent im Vorquartal. Zudem meldete Supermicro neue Aufträge von mehr als 60 Milliarden US-Dollar und einen Rekordauftragsbestand.
Für das Geschäftsjahr 2027 erwartet der Konzern 65 bis 72 Milliarden US-Dollar Umsatz. Risiken bleiben jedoch: Der Gewinn je Aktie soll im laufenden Quartal wieder sinken, zudem verbrauchte Supermicro im vergangenen Geschäftsjahr 6,8 Milliarden US-Dollar operativen Cashflow. Die Aktie legte nachbörslich rund sieben Prozent zu.
Hongkong rutscht ab – Japan trotzt der Nervosität
Die asiatischen Börsen liefern am Mittwoch kein einheitliches Bild. Der Nikkei 225 legt nach der Feiertagspause rund 0,5 Prozent auf 67.317 Punkte zu, der Shanghai Composite gewinnt etwa 0,3 Prozent. Deutlich schwächer zeigt sich dagegen Hongkong: Der Hang Seng verliert rund 1,2 Prozent auf 25.352 Punkte. Australien gibt ebenfalls etwa 0,6 Prozent nach. Der breitere MSCI-Index für Asien-Pazifik ohne Japan liegt trotzdem rund 0,5 Prozent im Plus. Anleger halten sich vor den heute anstehenden US-Inflationszahlen zurück; zusätzlich sorgen die neuen geopolitischen Spannungen für Nervosität.
Eon überrascht beim Gewinn und bestätigt Prognose
Eon hat im ersten Halbjahr 2026 etwas mehr verdient als ein Jahr zuvor und die Erwartungen weitgehend erfüllt. Wachstumstreiber war vor allem das Industriekundengeschäft im Bereich Energy Solutions.
Das bereinigte EBITDA stieg um ein Prozent auf 5,4 Milliarden Euro. Der bereinigte Konzernüberschuss legte von 1,83 auf 1,92 Milliarden Euro zu. Je Aktie verdiente Eon bereinigt 74 Cent nach 70 Cent im Vorjahr. Analysten hatten mit 5,39 Milliarden Euro EBITDA und 73 Cent je Aktie gerechnet.
Für das Gesamtjahr hält der Energiekonzern an seiner Prognose fest. Erwartet werden weiterhin ein bereinigtes EBITDA von 9,4 bis 9,6 Milliarden Euro sowie ein bereinigter Konzernüberschuss von 2,7 bis 2,9 Milliarden Euro. Der Gewinn je Aktie soll zwischen 1,03 und 1,11 Euro liegen.
Gleichzeitig treibt Eon seine Investitionen weiter voran. Für 2026 sind rund 8,7 Milliarden Euro vorgesehen. Im ersten Halbjahr flossen davon bereits 3 Milliarden Euro.
Bilfinger wächst weiter – doch beim Auftragseingang gibt es einen Dämpfer
Bilfinger hat im zweiten Quartal Umsatz und operativen Gewinn gesteigert und die Jahresprognose bestätigt. Der Umsatz legte um sieben Prozent auf 1,45 Milliarden Euro zu. Das EBITA stieg um vier Prozent auf 77 Millionen Euro und lag damit leicht über den Analystenerwartungen.
Unter dem Strich verdiente der Industriedienstleister 54 Millionen Euro nach 48 Millionen Euro im Vorjahr. Die EBITA-Marge sank allerdings leicht von 5,5 auf 5,3 Prozent und blieb damit unter dem für das Gesamtjahr angepeilten Korridor.
Ein Schwachpunkt war der Auftragseingang. Dieser fiel gegenüber dem außergewöhnlich starken Vorjahresquartal um 16 Prozent auf knapp 1,5 Milliarden Euro. Bilfinger begründete dies mit einer vorsichtigeren Haltung der Kunden angesichts geopolitischer Unsicherheiten. Dennoch war es der dritthöchste Auftragseingang der vergangenen zehn Jahre.
Für 2026 erwartet Bilfinger weiterhin einen Umsatz von 5,4 bis 5,9 Milliarden Euro, eine EBITA-Marge von 5,8 bis 6,2 Prozent sowie einen Free Cashflow zwischen 250 und 300 Millionen Euro.
TUI-Gewinn bricht um 45 Prozent ein – trotzdem hält der Konzern Kurs
TUI hat im dritten Geschäftsquartal 2025/26 deutliche Rückgänge bei Umsatz und operativem Ergebnis verbucht. Belastungen durch den Iran-Krieg und einen Hurrikan auf Jamaika summierten sich auf 81 Millionen Euro. Dennoch hält der Reisekonzern an seiner im Frühjahr gesenkten Gewinnprognose fest.
Von April bis Juni sank der Umsatz um 6,1 Prozent auf 5,82 Milliarden Euro. Das bereinigte EBIT fiel um 27,1 Prozent auf 233,8 Millionen Euro. Unter dem Strich brach der Konzerngewinn um 44,7 Prozent auf 142,2 Millionen Euro ein.
Damit blieb TUI bei Umsatz und operativem Ergebnis etwas unter den Erwartungen der Analysten. Beim Nettogewinn schnitt der Konzern dagegen deutlich besser ab als erwartet: Experten hatten lediglich mit 73 Millionen Euro gerechnet.
Die Nachfrage nach Urlaubsreisen bleibt laut TUI trotz geopolitischer Krisen stabil, allerdings buchen Kunden weiterhin kurzfristiger. Zuletzt habe die Buchungsdynamik wieder angezogen.
Für das Gesamtjahr erwartet TUI weiterhin ein bereinigtes EBIT von 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro zu konstanten Wechselkursen. Im Vorjahr waren es 1,41 Milliarden Euro. Die Umsatzprognose bleibt ausgesetzt.
Hormus-Angst ist zurück – Ölpreis nimmt 90 Dollar ins Visier
Die Ölpreise ziehen am Mittwochmorgen weiter an. Brent steigt um rund 0,8 Prozent auf 89,60 US-Dollar je Barrel, die US-Sorte WTI gewinnt knapp 0,9 Prozent auf 83,94 US-Dollar. Damit setzt sich die jüngste Erholung fort: Schon am Dienstag hatten beide Sorten mehr als einen Dollar zugelegt, am Montag waren die Preise sogar um rund fünf Prozent nach oben gesprungen.
Der wichtigste Preistreiber bleibt der Iran-Konflikt und die Unsicherheit um die Straße von Hormus. Die Hoffnung auf eine schnelle Einigung zwischen Washington und Teheran hat zuletzt wieder deutlich nachgelassen. Iran beharrt darauf, die strategisch wichtige Meerenge nur unter bestimmten Bedingungen wieder vollständig zu öffnen. Gleichzeitig wurden erneut Schiffe attackiert: Bei einem Huthi-Angriff auf ein ägyptisches Schiff kamen laut Reuters vier Besatzungsmitglieder ums Leben. Auch die USA meldeten einen Angriff auf ein Schiff auf dem Weg zu einem iranischen Hafen.
Gold greift wieder 4.400 Dollar an – jetzt entscheidet die US-Inflation
Auch Gold startet fester in den Mittwoch. Der Spotpreis steigt am Morgen um rund 0,5 Prozent auf 4.387 US-Dollar je Feinunze und nähert sich damit erneut der Marke von 4.400 US-Dollar. Am Dienstag hatte Gold zwischenzeitlich sogar 4.434,84 US-Dollar erreicht – den höchsten Stand seit Anfang Juni –, bevor Gewinne wieder abgegeben wurden.
Unterstützung kommt zunächst von der gestiegenen geopolitischen Unsicherheit. Die neuen Angriffe auf Schiffe im Nahen Osten, die weiter ungelöste Hormus-Frage und zusätzliche Spannungen in Asien erhöhen die Nachfrage nach sicheren Häfen. Noch wichtiger für den weiteren Tagesverlauf dürften jedoch die US-Verbraucherpreise werden.
Nach den schwachen US-Arbeitsmarktdaten vom vergangenen Freitag hatten Investoren ihre Erwartungen an weitere Zinserhöhungen der Federal Reserve bereits zurückgeschraubt. Das half Gold kräftig: Allein am Freitag legte der Preis 2,4 Prozent zu. Höhere Zinsen sind für das unverzinste Edelmetall grundsätzlich belastend – entsprechend sensibel reagiert der Markt derzeit auf jedes neue Inflationssignal.
Dollar macht Druck – der Yen fällt trotz Intervention zurück
Der US-Dollar gewinnt leicht, der Dollar-Index steigt auf etwa 99,9 Punkte. Der Euro verliert rund 0,1 Prozent auf 1,1534 US-Dollar. Besonders interessant bleibt der Yen: Der Dollar steigt auf 159,44 Yen – damit fällt die japanische Währung auf den schwächsten Stand des Monats und hat einen erheblichen Teil der Gewinne nach den jüngsten gemeinsamen Interventionen Japans und der USA wieder abgegeben. Das Pfund hält sich bei rund 1,3505 US-Dollar, der australische Dollar verliert leicht.
Bitcoin klebt an 64.000 US-Dollar-Marke – Ethereum zeigt etwas mehr Leben
Am Kryptomarkt herrscht am Mittwochmorgen bislang auffallend wenig Bewegung. Bitcoin notiert laut Reuters im asiatischen Handel praktisch unverändert bei rund 63.700 US-Dollar und bleibt damit knapp unter der psychologisch wichtigen Marke von 64.000 US-Dollar. Ethereum steht etwas besser da und gewinnt rund 0,3 Prozent auf etwa 1.887 US-Dollar. Auch hier dürfte das große Ereignis des Tages erst noch kommen: die US-Inflationsdaten und die daraus resultierenden Erwartungen an die Fed.
Autor: Markus Weingran, wallstreetONLINE Redaktion

