2,35 Milliarden Euro Schulden
TUIs Quartal hat gleich mehrere Haken: Gewinn halbiert, Aktie rutscht ab
TUI verfehlt beim operativen Gewinn die Erwartungen, die Nettoschulden steigen und das Veranstaltergeschäft rutscht ins Minus. Hoffnung macht ausgerechnet der jüngste Buchungsschub für den Sommer.
- TUI verfehlt Gewinnziel und Nettoschulden steigen
- Veranstaltergeschäft rutscht durch Kosten ins Minus
- Sommerbuchungen ziehen an Gewinnziel bleibt bestehen
- Report: KI braucht Strom
TUI hat im dritten Geschäftsquartal deutlich weniger verdient als erwartet – die Aktie reagiert mit Verlusten. Am Mittwochmorgen fällt das Papier um bis zu 3,7 Prozent. Das bereinigte operative Ergebnis brach von April bis Juni um 27 Prozent auf rund 234 Millionen Euro ein. Analysten hatten laut LSEG mit etwa 275 Millionen Euro gerechnet. Der Umsatz sank um gut sechs Prozent auf 5,82 Milliarden Euro und damit ebenfalls stärker als erwartet.
Besonders schwach entwickelte sich das Geschäft mit Reiseveranstaltern und Airlines. Dort rutschte das bereinigte EBIT von plus 50 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 17 Millionen Euro. Höhere Treibstoffkosten und die Folgen des Iran-Kriegs belasteten, gleichzeitig buchen viele Urlauber deutlich kurzfristiger. "2026 ist kein normales Jahr", sagte TUI-Chef Sebastian Ebel. Die Nachfrage nach Reisen bleibe bestehen, die Entscheidungen der Kunden fielen aber später.
Für die wichtige Sommersaison liegt der gebuchte Umsatz noch sechs Prozent unter dem Vorjahresniveau. Doch ausgerechnet hier liefert TUI ein Hoffnungssignal: In den vergangenen vier Wochen lagen die gebuchten Umsätze sieben Prozent über dem Vorjahreswert. Insgesamt wurden bislang 12,2 Millionen Sommerbuchungen registriert.
Auch unter dem Strich hinterlassen die Belastungen deutliche Spuren. Der auf die TUI-Aktionäre entfallende Konzerngewinn sank von 183 auf 82 Millionen Euro. Der Iran-Krieg und der Hurrikan auf Jamaika belasteten das bereinigte EBIT in den ersten neun Monaten zusammen mit 81 Millionen Euro. Ohne diese Effekte hätte das operative Ergebnis über dem Vorjahresniveau gelegen.
Ein weiterer Punkt dürfte Anleger beschäftigen: Die Nettoverschuldung stieg binnen eines Jahres von 1,91 auf 2,35 Milliarden Euro. TUI führt das vor allem auf niedrigere Kundenvorauszahlungen zurück, weil Reisen immer später gebucht werden.
Trotzdem hält der Konzern an seiner Gewinnprognose fest. Für das bis Ende September laufende Geschäftsjahr erwartet TUI weiterhin ein bereinigtes EBIT von 1,1 bis 1,4 Milliarden Euro. Die Umsatzprognose bleibt dagegen ausgesetzt.
Für Aktionäre ist zudem die Rückkehr zur Dividende entscheidend. Für 2025 schüttete TUI erstmals seit mehreren Jahren wieder 0,10 Euro je Aktie aus. Ab dem Geschäftsjahr 2026 sollen grundsätzlich 10 bis 20 Prozent des bereinigten Gewinns je Aktie an die Anteilseigner fließen. Eine konkrete Dividende für 2026 steht allerdings noch nicht fest.
Damit hängt für TUI viel an den letzten Wochen der Sommersaison: Dreht der jüngste Buchungsschub den Trend, verbessert das nicht nur die Aussicht auf das Jahresziel – sondern dürfte auch darüber entscheiden, wie attraktiv die nächste Dividende ausfällt.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

