JPMorgan gerät ins Schwärmen
Nicht Meta, Reddit oder Snap: Hier spielt die Social-Media-Musik
3,2 Milliarden Dollar Cash, rasant wachsendes Werbegeschäft und eine Ausschüttung, die aufhorchen lässt: JPMorgan gerät ins Schwärmen und hebt das Kursziel für diesen Social-Media-Wert drastisch an.
- JOYY wächst stark dank Werbung und 3,18 Mrd. Cash
- JPMorgan hebt das Kursziel auf 98 Dollar an
- Aktionäre sollen bis 2028 rund 1,5 Mrd. erhalten
Da staunen Meta, Reddit und Snap nicht schlecht. Während alle drei Aktien seit Jahresanfang zwischen 30 bis 8 Prozent im Minus liegen, läuft ihnen ein eher unbekannter Konzern aus Singapur der Rang ab. Die Rede ist von Joyy. Nach einem Plus von 36 Prozent im Jahr 2025, liegt der Kurs seit dem ersten Januar erneut um etwas mehr als 16 Prozent im Plus.
Hinter Joyy verstecken sich Bigo Live, Likee und Hago. Groß geworden ist der Konzern vor allen Dingen durch Live-Streamimng. Mittleweile stellt er sich aber breiter auf und gliedert sich in drei Bereiche: Social Entertainment, BIGO Ads und Shopline. Das Live-Streaming-Geschäft ist zwar weiterhin wichtig, aber inzwischen wächst das Werbegeschäft deutlich schneller.
JOYY erreicht weltweit rund 276 Millionen monatlich aktive mobile Nutzer. Gleichzeitig versucht der Konzern, sich von der starken Abhängigkeit vom Live-Streaming zu lösen: Nicht-Livestreaming-Umsätze stiegen im ersten Quartal um 42,6 Prozent und machten bereits 31,6 Prozent des Gesamtumsatzes aus.
Starke Zahlen unterstreichen die richtige Neuausrichtung
Im ersten Quartal 2026 stieg der Umsatz um 12,4 Prozent auf 555,7 Millionen US-Dollar. Social Entertainment wuchs um 3,2 Prozent auf 400,4 Millionen Dollar. Der eigentliche Wachstumsmotor war BIGO Ads: Der Werbeumsatz sprang um 55,6 Prozent auf 124,8 Millionen Dollar. Shopline legte um 16,1 Prozent auf 30,5 Millionen Dollar zu. Unter dem Strich verdiente JOYY aus fortgeführten Aktivitäten 50,7 Millionen Dollar. Ende März verfügte der Konzern über 3,18 Milliarden US-Dollar Nettocash.
JPMorgan zieht das Kursziel ordentlich in die Höhe
Genau dieses Cashpolster bringt JPMorgan ins Schwärmen. Die Bank stuft die Aktie von "Neutral" auf "Overweight" hoch und hebt das Kursziel geradezu gewaltig von 35 auf 98 US-Dollar an. Gegenüber dem Dienstagsschluss entspricht das rund 33 Prozent Potenzial.
"Wir erwarten von hier aus weiteres Kurspotenzial", schreibt Analyst Daniel Chen. JOYY verfüge über "beträchtliche Nettoliquidität" und generiere einen starken Cashflow aus dem operativen Geschäft sowie Zinserträgen. Deshalb habe der Konzern "ausreichend Kapital, um auch über 2028 hinaus nachhaltige Aktionärsrenditen aufrechtzuerhalten".
Zusätzliche Fantasie sieht JPMorgan bei BIGO Ads. Die Bank verweist auf den großen Markt für programmatische Werbung und JOYYs Daten- und Algorithmus-Know-how aus BIGO, Likee und Shopline. JPMorgan erwartet für BIGO Ads laut der aktuellen Analyse auch in den kommenden Jahren kräftiges Wachstum.
15 Prozent für Aktionäre – aber nicht nur als Dividende
Im Mai präsentierte JOYY ein Aktionärsrenditeprogramm, das auf rund 15 Prozent jährliche Gesamtrendite aus Dividenden und Aktienrückkäufen abzielt. Wichtig: Das sind nicht 15 Prozent Dividendenrendite. Bis 2028 sollen rund 900 Millionen Dollar an Dividenden fließen, zusätzlich stehen bis zu 600 Millionen Dollar für Aktienrückkäufe bereit.
Für das erste Quartal wurden 1,50 Dollar je ADS ausgeschüttet. Würde JOYY dieses Niveau vier Quartale lang beibehalten, wären das sechs Dollar pro Jahr. Beim aktuellen Kurs von rund 73 Dollar entspräche das rechnerisch einer Dividendenrendite von gut acht Prozent.
Mein Tipp: Joyy dürfte eine wahre Freude fürs Depot sein
Der in Singapur ansässige Internetkonzern wandelt sich vom Livestreaming-Spezialisten zunehmend zu einer Mischung aus Social Entertainment, Werbung und E-Commerce. Das Joyy damit den richtigen Weg eingeschlagen hat, zeigen die Zahlen für das erste Quartal.
Für mutige Anleger ist die Aktie ein interessanter Mix aus Value, Social Media und Werbewachstum. Das riesige Cashpolster und die hohe Ausschüttung sind starke Argumente, BIGO Ads könnte zusätzlichen Schub liefern. Doch das Livestreaming-Geschäft dominiert weiterhin, und das Werbegeschäft muss beweisen, dass sich das rasante Wachstum auch dauerhaft in höhere Gewinne übersetzen lässt.
Wer Schwankungen aushält, bekommt hier einen ungewöhnlichen Social-Media-Wert mit einer sehr ansprechenden Dividendenrendite – und JPMorgan sieht noch erhebliches Kurspotenzial.
Markus Weingran, Chefredakteur wallstreetONLINE Börsenlounge
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