Gold überkauft
Ist die Goldpreis-Rallye schon wieder vorbei – Zeit zu verkaufen?
Gold ist im August heiß gelaufen. Doch Zentralbanken und ETF-Anleger kaufen wieder kräftig zu. Wird die nächste Korrektur zur Einstiegschance?
- Gold steigt stark, Warnsignale mehren sich zunehmend
- Zentralbanken und ETFs kaufen Gold wieder kräftig
- Eine Korrektur könnte zur Einstiegschance werden
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Der Goldpreis hat in den vergangenen Wochen kräftig zugelegt. Allein im August ging es bislang um rund acht Prozent nach oben. In der Vorwoche gewann das Edelmetall sogar 7,1 Prozent – der stärkste Wochenanstieg seit Januar. Mit Kursen oberhalb von 4.400 US-Dollar ist Gold damit zurück im Fokus der Anleger.
Doch ausgerechnet jetzt blinken erste Warnsignale. Nach Berechnungen der Bespoke Investment Group ist Gold erstmals seit dem 10. März wieder technisch überkauft. Ende vergangener Woche lag der Preis eine volle Standardabweichung über seinem 50-Tage-Durchschnitt. Zuvor hatte es 103 Handelstage lang kein solches Signal gegeben.
Historisch folgte auf vergleichbare Phasen häufig zunächst Ernüchterung. Nach Serien von mehr als 100 Handelstagen ohne überkauftes Signal verlor Gold laut Bespoke im Durchschnitt 0,22 Prozent in der folgenden Woche, 0,34 Prozent innerhalb eines Monats und 0,53 Prozent nach drei Monaten. Ein Jahr später lagen nur 37 Prozent der Fälle im Plus. Das spricht für Gegenwind – aber nicht zwingend für das Ende der Rallye.
Denn während der Chart heiß läuft, verbessert sich gleichzeitig die fundamentale Nachfrage. Allein die chinesische Notenbank stockte ihre Goldreserven im Juli um rund 640.000 Unzen beziehungsweise etwa 20 Tonnen auf. Damit kauft die People's Bank of China bereits den 21. Monat in Folge Gold. Auch weltweit bleibt die Nachfrage der Notenbanken hoch. Im zweiten Quartal erwarben Zentralbanken nach Schätzungen des World Gold Council rund 289 Tonnen des Edelmetalls. Damit entsteht unter dem Markt ein Käuferblock, der weniger auf kurzfristige Preisschwankungen reagiert als klassische Finanzinvestoren.
Hinzu kommt nun eine zweite Gruppe: institutionelle Anleger. In China haben Investoren zuletzt ihre Positionen in goldgedeckten ETFs wieder aufgestockt. Auch international sind die Zuflüsse zurückgekehrt. Gerade das könnte für den weiteren Kursverlauf entscheidend werden. Denn während Zentralbanken schon länger kaufen, hatte die Investmentnachfrage zeitweise deutlich weniger Rückenwind geliefert.
Auch das makroökonomische Umfeld hat sich zuletzt zugunsten von Gold verschoben. Schwächere US-Arbeitsmarktdaten und eine Abkühlung der Inflation haben die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen der US-Notenbank gedämpft. Das hilft dem zinslosen Edelmetall. Gleichzeitig wirkt ein schwächerer Dollar unterstützend.
Ganz verschwunden ist das Risiko allerdings nicht. Steigende Ölpreise könnten die Inflation erneut anheizen und die Fed zu einer härteren Geldpolitik zwingen. Höhere Zinsen und steigende reale Anleiherenditen wären wiederum Gift für Gold. Für Anleger entsteht damit ein ungewöhnliches Bild: Kurzfristig spricht die Statistik eher für eine Pause. Gleichzeitig kommen mit Zentralbanken und ETF-Investoren genau jene Käufer zurück, die einen Rücksetzer auffangen könnten.
Gold ist also überkauft, doch gleichzeitig könnte die Nachfrage jetzt wieder steigen. Sollte es kurzfristig tatsächlich zu einer Korrektur kommen, wäre das womöglich nicht das Ende der Rallye – sondern könnte eine interessante Einstiegschance darstellen.
Autor: Ingo Kolf, wallstreetONLINE Redaktion

