FOMO ist zurück
Südkoreas Börse kennt kein Maß – erst Crash, jetzt wieder Bullenmarkt!
Erst der brutale Absturz, jetzt der Rebound: Samsung und SK Hynix treiben den Kospi wieder nach oben. Doch genau diese Abhängigkeit könnte erneut gefährlich werden.
- Kospi steigt nach brutalem Absturz um 23 Prozent
- Samsung und SK Hynix treiben die Erholung an
- KI-Abhängigkeit und Zinsrisiken bedrohen die Rallye
- Report: KI braucht Strom
Südkoreas Aktienmarkt hat eine der heftigsten Kehrtwenden des Jahres hingelegt. Der Leitindex Kospi sprang am Donnerstag zeitweise um 4,8 Prozent nach oben und liegt seit seinem Tief vom 30. Juli bereits rund 22 bis 23 Prozent im Plus – damit ist der Index technisch wieder im Bullenmarkt. Noch im Juli war er um 22 Prozent eingebrochen und hatte damit seinen schlechtesten Monat seit der globalen Finanzkrise erlebt.
Angetrieben wird die Rallye vor allem von zwei Schwergewichten: Samsung Electronics und SK Hynix. Beide profitierten von der Rückkehr der Anleger in den KI- und Speicherchip-Trade. SK Hynix legte am Donnerstag um 5,5 Prozent zu, Samsung 6,7 Prozent. Starke Zahlen großer US-Technologiekonzerne und weiterhin hohe Investitionen in KI-Infrastruktur nähren die Hoffnung, dass die Nachfrage nach Speicherchips hoch bleibt.
Der Umschwung ist umso extremer, weil der Kospi zwischen seinem Hoch Ende Juni und dem jüngsten Tief rund 40 Prozent verloren hatte. Seit Jahresbeginn liegt der Index trotzdem noch mehr als 60 Prozent im Plus, notiert aber weiterhin rund 24 Prozent unter seinem Rekordhoch.
Ein Teil der Erholung ist technisch. Im Juli hatten gehebelte Positionen und Zwangsverkäufe den Absturz zusätzlich beschleunigt. Inzwischen wurden die Regeln für gehebelte Einzelaktien-ETFs verschärft, Anleger haben Margenschulden abgebaut und die Verkaufswelle ist abgeebbt. Gleichzeitig kehrt die Angst zurück, die nächste KI-Rallye zu verpassen.
Fundstrat sieht kurzfristig noch weiteres Potenzial. Speicheraktien beginnen erstmals seit Juni wieder, den breiteren Technologiesektor zu schlagen. Für Südkorea ist das besonders wichtig, weil Samsung und SK Hynix den Gesamtmarkt stark dominieren.
Ganz verschwunden sind die Risiken jedoch nicht. Ausländische Investoren haben 2026 netto bereits mehr als 100 Milliarden US-Dollar aus koreanischen Aktien abgezogen. Zudem hängt der Kospi inzwischen stark am KI-Narrativ. Schwächere Investitionen der großen Tech-Konzerne, steigende US-Zinsen oder ein stärkerer US-Dollar könnten die Rallye schnell wieder bremsen.
Der Markt ist damit binnen weniger Wochen vom Crash zurück in den Bullenmarkt geschossen. Entscheidend ist nun, ob die Gewinne der Chipkonzerne mit der Euphorie Schritt halten – oder ob die nächste Übertreibung bereits begonnen hat.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

