Milliarden Barrel auf Eis
Grönlands Öl-Traum platzt vorerst – Aktie crasht 44,5 Prozent auf Allzeittief
Greenland Energy muss die Bohrungen um rund ein Jahr verschieben – obwohl das Grönland-Projekt Ölpotenzial in Milliarden-Barrel-Größenordnung verspricht. Die Aktie crasht.
- Bohrstart in Grönland verschiebt sich um ein Jahr
- Genehmigungsstreit bremst die Explorationskampagne
- Aktien von Greenland Energy und 80 Mile stürzen ab
- Report: KI braucht Strom
Greenland Energy ist am Mittwoch um 44,5 Prozent auf 1,11 US-Dollar abgestürzt und markierte damit ein neues Allzeittief. Auslöser war die Verschiebung der umstrittenen Explorationskampagne im Jameson-Land-Becken in Grönland um rund ein Jahr. Auch der in London notierte Projektbetreiber 80 Mile geriet massiv unter Druck: Die Aktie verlor 20 Prozent auf 0,49 Pence.
Die Bohrungen sollten ursprünglich in der Wintersaison 2026/27 beginnen. Nach Gesprächen mit den grönländischen Behörden rechnet 80 Mile nun jedoch erst mit einem Start im Winter 2027. Hintergrund ist ein Genehmigungsstreit, der bereits Ende Juli eskaliert war. Die grönländische Regierung hatte 80 Mile offiziell verwarnt, nachdem Ausrüstung zum Flughafen Nerlerit Inaat gebracht worden war, obwohl dafür nach Angaben des zuständigen Ministeriums noch nicht alle erforderlichen Genehmigungen vorlagen.
Das Ministerium erklärte damals, die Materialien dürften nicht weitertransportiert werden, bis die nötigen Freigaben erteilt seien. Zugleich erhielt 80 Mile eine "deutliche Verwarnung" mit der Auflage, künftige logistische Maßnahmen vorab mit der Rohstoffbehörde abzustimmen und genehmigen zu lassen.
Für Anleger ist die Verzögerung besonders schmerzhaft, weil es bei dem Projekt um potenzielle Ölressourcen in Milliarden-Barrel-Größenordnung geht. Greenland Energy hatte mit 80 Mile eine Vereinbarung geschlossen, nach der das US-Unternehmen 70 Prozent des Projekts erhalten soll und im Gegenzug zwei jeweils 3.500 Meter tiefe Bohrungen finanziert.
80 Mile betont, dass sich an den Plänen für Jameson grundsätzlich nichts geändert habe. "Diese Verzögerung hängt mit der für den Abschluss des Genehmigungs- und regulatorischen Freigabeprozesses benötigten Zeit zusammen und spiegelt keine Änderung der Pläne des Unternehmens für Jameson wider", erklärte das Unternehmen. Gebohrt werden solle, sobald sämtliche Genehmigungen vorliegen.
Greenland-Energy-Chef Robert Price versucht ebenfalls, die Verschiebung als Pause statt als Rückschlag einzuordnen. "Der Betrieb in der Arktis erfordert Geduld, Flexibilität und eine langfristige Perspektive. Wir werden diese Zeit nutzen, um unsere Pläne zu verfeinern und die Beziehungen zu lokalen Gemeinden, strategischen Partnern und den zuständigen Behörden zu vertiefen", sagte er. Für den Markt zählt vorerst jedoch etwas anderes: Der erhoffte Bohrstart rückt rund ein Jahr nach hinten – und beide Aktien wurden dafür hart bestraft.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

