2-Milliarden-IPO in Hongkong
China schickt nächsten KI-Chipstar an die Börse – Bewertung soll explodieren
Kiwimoore plant 2027 den Börsengang in Hongkong und peilt 2 Milliarden US-Dollar Bewertung an. Der KI-Netzwerkspezialist profitiert vom China-Chipboom.
- Kiwimoore plant 2027 Börsengang in Hongkong
- Kiwimoore peilt zwei Milliarden US-Dollar an
- KI-Netzwerktechnik profitiert vom China-Chipboom
- Report: KI braucht Strom
Der chinesische Chipdesigner Kiwimoore hat vertraulich einen Antrag auf einen Börsengang in Hongkong eingereicht und peilt eine Bewertung von rund 2 Milliarden US-Dollar an, sagten nach Reuters-Informationen zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen. Kiwimoore reagierte nicht auf eine Anfrage von Reuters nach einer Stellungnahme. Die Quellen lehnten es ab, namentlich genannt zu werden, da die Informationen vertraulich seien. Kiwimoore plant laut Quellenangaben, in der ersten Hälfte des Jahres 2027 in Hongkong an die Börse zu gehen. Das Unternehmen habe in einer Finanzierungsrunde im Juli rund 700 Millionen Yuan (103,79 Millionen US-Dollar) eingesammelt und werde mit 8 Milliarden Yuan (1,19 Milliarden US-Dollar) bewertet, sagten eine der mit der Angelegenheit vertrauten Personen.
Kiwimoore hat CITIC Securities und ABC International mit der Durchführung seines Börsengangs in Hongkong beauftragt, wie aus informierten Kreisen verlautete. Die beiden Banken reagierten nicht auf Anfragen von Reuters. Das Anfang 2021 gegründete Unternehmen Kiwimoore mit Sitz in Shanghai stellt Netzwerktechnologie her, die zur Verbindung von Beschleunigern für künstliche Intelligenz innerhalb von Rechenclustern verwendet wird, heißt es auf der Website des Unternehmens. Das Unternehmen hat sich so positioniert, dass es von Pekings Bestrebungen profitieren kann, eine autarke Lieferkette für KI-Chips aufzubauen, nachdem die USA die Ausfuhr fortschrittlicher Technologien, einschließlich Chips, nach China eingeschränkt haben. Das Unternehmen sitzt an einem der derzeit wichtigsten Engpässe beim Aufbau großer KI-Rechenzentren: der Verbindung der einzelnen Beschleuniger miteinander.
Kiwimoore wurde 2021 in Shanghai gegründet und bezeichnet sich selbst als Anbieter einer kompletten "AI Networking"-Architektur. Der entscheidende Punkt: Kiwimoore entwickelt nicht primär einen Nvidia-Konkurrenten in Form einer GPU, sondern Technik, mit der GPUs und andere KI-Beschleuniger zu immer größeren Clustern zusammengeschaltet werden. Das Unternehmen deckt dabei drei Ebenen ab: Verbindungen zwischen Servern ("Scale Out"), zwischen Chips innerhalb sogenannter Supernodes ("Scale Up") und innerhalb eines Chips beziehungsweise zwischen Chiplets ("Scale Inside"). Besonders interessant ist das Produkt Kiwi SNIC, eine speziell für KI-Netzwerke entwickelte Smart Network Interface Card. Kiwimoore nennt eine Übertragungsgeschwindigkeit von 800 Gigabit pro Sekunde und wirbt damit, über Ethernet verlustarme Netzwerke mit zehntausenden KI-Beschleunigern aufbauen zu können. Außerdem setzt die Karte auf RDMA, also direkten Datentransfer zwischen Rechnern mit möglichst wenig Belastung der Prozessoren.
Ganz ohne Risiken ist die Wachstumsstory allerdings nicht. Kiwimoore hat ein für 2025 vereinbartes Umsatzziel von 600 Millionen Yuan (89 Millionen US-Dollar) offenbar verfehlt. Der börsennotierte Partner Runxin Technology verzichtete daraufhin auf eine geplante Aufstockung seiner Beteiligung. Hinzu kommt, dass ein gemeinsames Chipprojekt trotz bereits ausgelieferter Muster wegen US-Exportbeschränkungen für HBM-Speicher bislang nicht in die Serienproduktion gehen konnte.
Die amerikanischen Technologiebeschränkungen sind für Kiwimoore damit Chance und Risiko zugleich. Einerseits erhöhen sie den Druck auf China, eine eigene KI-Infrastruktur aufzubauen und könnten die Nachfrage nach heimischen Lösungen befeuern. Andererseits erschweren sie auch Kiwimoore den Zugang zu wichtigen Komponenten. Positiv ist, dass das Unternehmen gemeinsam mit dem ASIC-Spezialisten Faraday bereits eine 2.5D-Packaging-Plattform in die Massenproduktion gebracht hat. Für Anleger dürfte daher vor allem entscheidend werden, welche Umsatz-, Kunden- und Margendaten Kiwimoore im späteren IPO-Prospekt offenlegt.
Autor: Paul Späthling, wallstreetONLINE Redaktion

