Der Hebel auf Gold
Citi setzt auf Silber: 90 Dollar sind drin – aber nur, wenn das jetzt passiert
Während viele noch auf Gold schauen, positioniert sich Citi aggressiv für Silber. Der Markt bleibt knapp – und die Investmentnachfrage könnte den Ton angeben.
- Citi sieht Silber binnen zwölf Monaten bei 90 Dollar
- Anleger sollen Silber nach oben treiben
- Marktdefizit bis 2027 stützt den Silberpreis
- Report: KI braucht Strom
Citi traut Silber in den kommenden sechs bis zwölf Monaten einen Anstieg auf 90 US-Dollar je Unze zu. Bei einem aktuellen Kassakurs von rund 65 US-Dollar entspräche das einem weiteren Potenzial von knapp 40 Prozent. Für die nächsten drei Monate hält die US-Bank zugleich an ihrem Ziel von 75 US-Dollar fest.
Der wichtigste Treiber soll sich dabei verschieben: Weg von der Industrie, hin zu Anlegern. Citi erwartet eine "anhaltende Erholung der Investitionsnachfrage", unterstützt von einer möglichen Deeskalation in der Straße von Hormus und einer weniger restriktiven US-Notenbank. Im Basisszenario der Analysten könnte sich die Lage bereits zwischen September und Dezember entspannen. Gleichzeitig würden damit Belastungsfaktoren wie hohe Realrenditen und ein starker US-Dollar an Gewicht verlieren.
Citi sieht Silber weiterhin als besonders offensiven Hebel auf den Goldpreis. Das Metall dürfte "mit hohem Beta weiterhin der Entwicklung des Goldpreises folgen" und sei damit eine "ideale Aufwärtsanlage", falls es zu einer schnellen Lösung der Krise in der Straße von Hormus komme. Das bedeutet zugleich: Steigt Gold, könnte Silber überproportional profitieren – bei Rückschlägen gilt derselbe Hebel allerdings auch in die andere Richtung.
Zusätzlichen Rückenwind liefert die Geldpolitik. Nach den jüngsten US-Inflationsdaten ist die am Markt eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September auf 40 Prozent gefallen, nach zuvor 46 Prozent. Gold und Silber legten daraufhin zu. Der nächstfällige Silber-Future stieg um 1,2 Prozent auf 65,555 US-Dollar je Unze und verbuchte damit den achten Gewinn innerhalb von elf Handelstagen.
Auf der industriellen Seite wird das Bild gemischter. Die Nachfrage aus der Solarindustrie dürfte laut Citi durch Materialeinsparungen und neue Back-Contact-Zelltechnologien strukturell langsamer wachsen. Gleichzeitig erwartet die Bank jedoch, dass der globale Silbermarkt bis 2027 im Defizit bleibt. Dafür sorgen unter anderem die Nachfrage aus KI, 5G und Elektrofahrzeugen sowie starke Käufe in Indien. Dort liegt Silber derzeit mit einem Aufschlag von rund sieben Prozent auf dem Weltmarktpreis; im vierten Quartal könnte die Fest- und Hochzeitssaison die Nachfrage zusätzlich antreiben.
Damit bleibt Citis 90-Dollar-Ziel vor allem eine Wette darauf, dass Anleger wieder stärker in Silber zurückkehren. Sollte dieser Kapitalstrom einsetzen und gleichzeitig der Druck durch US-Dollar und Zinsen nachlassen, wäre der Weg nach oben aus Sicht der Bank noch längst nicht ausgereizt.
Autorin: Gina Moesing, wallstreetONLINE Redaktion

